6 Okt 2019

Windows, Linux, Cloud, Virtualisierung III

Submitted by Bernd

Gemäß einer Ankündigung von Microsoft wird der generelle Support von Windows 7 im Januar 2020 eingestellt, wird man sich und ähnlich dem Umstieg von "XP" auf "7" den weiteren Support von Firmen und Organisationen wohl gut bezahlen lassen.

Aber ... Don't panic ...!


In diesem dritten Teil der Serie (die ersten zwei sind hier und hier) soll es primär um eine Bestandsaufnahme gehen, mögen die ggf. notwendigen Weiterungen, die Gründe für einen Wechsel auf Linux und über den aktuellen Stand hinaus angesprochen werden. Im zweiten Teil geht es dann schon konkreter zur Sache, wenngleich das hier keine Anleitung sein soll, wie im Detail zu verfahren, was zu tun und was zu lassen ist. Der kreative, it-affine, sich Hintergründe anlesen könnende Anwender ist in jedem Falle gefragt.

Natürlich, Microsoft empfiehlt, auf das aktuelle Windows 10 umzusteigen. Besser mit Sicherheit, als das eh' totgeborene 8/8.1 mitgemacht, vor Windows 7 auch das ebenfalls schrottige Vista installiert zu haben. Große Firmen und Organisationen mit vielen Rechnern und noch viel mehr Interaktionen zu anderen Systemen tun sich bei derartigen "Upgrades" eh' sehr schwer, haben viele Rahmenbedingungen zu beachten und zu adressieren.

Aber warum überhaupt bei Microsoft, bei Windows bleiben?


Keine triviale, leicht zu beantwortende Frage. Meine eigenen Erfahrungen der letzten zwei Jahre in einem gemischten Betrieb von Linux und Windows zeichnen dahingehend ein sehr differenziertes Bild. Wobei, das sei hier zur Einführung erwähnt, sich die Nutzung von Windows als System bereits seit vielen Jahren auf die absoluten Basics reduziert hat,  portable Software  (auf dem USB-Stick) oberste Priorität genießt. Klar, Windows als Basis brauchen auch diese Programme, hardwarenahe Funktionen wie Druckertreiber etc. sowieso.

Der Vorteil gegenüber herkömmlich unter Windows installierten Programmen ergibt sich im Wesentlichen aus zwei entscheidenden Funktionen:

1. Portable Programme laufen relativ unabhängig von der jeweiligen Windows-Installation, bringen alle benötigten Module etc. selbst mit und schreiben sich daher, soweit sauber programmiert, nicht in die existierende Basis der Windows-Verzeichnisstruktur ein. Alles Benötigte incl. der Konfigurationsdaten bleibt auf dem USB-Stick, in den ggf. notwendigen Unterverzeichnissen.

2. Während ein laufendes Windows-System mit Bordmitteln nicht komplett (als Image beispielsweise) zu sichern, man auf externe Tools angewiesen ist, so kann die gesamte Verzeichnisstruktur auf dem Stick einfach kopiert werden, man also jederzeit ein Backup aller seiner Daten und Programme erzeugen, ggf. rücksichen kann. Die heutigen Größen von USB-Sticks (ich nutze einen von 128GB) lassen dahingehend keine Wünsche offen.


Ein dritter Punkt kommt vielleicht noch hinzu, soweit man mehrere Rechner nutzt. Auf meinem Notebook beispielsweise ist ebenfalls nur ein minimales Windows installiert. Die Programme und Daten liegen ja auf dem Stick, den ich einfach mitnehmen kann, wenn ich mit dem Notebook unterwegs bin. Und wer meint, dass man so einen Stick verlieren, irgendwo vergessen kann, er gar gestohlen wird, dem sage ich Ja! - Problem erkannt, Problem gebannt. Meinen Stick habe ich  so konfiguriert, dass der größte Teil für alle unkritischen Programme und Daten offen, sprich: Les- und schreibbar ist, während ein kleinerer Teil des Stick aus einem Veracrypt-Container besteht, den ich bei Starten des Systems einhänge, auf dem on the fly  mit allen kritischen, persönlichen Daten und Programmen gearbeitet werden kann.

Im Grunde bin ich seit Jahren mit dieser vorgenannten Lösung sehr zufrieden, funktioniert mein Stick mit allen seinen Programmen auch auf Basis von Windows 10, ist das Betriebssystem doch lediglich ein Vehikel für alle weitergehenden Aktivitäten. Und dieses Vehikel ändert sich -bis auf die regelmäßigen Updates im Grunde kaum, ziehe ich alle paar Monate und für diverse Rechner im Hause lediglich ein Image (Backup) der jeweiligen Boot-Partition via Macrium Reflect.

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Dennoch und aller Zufriedenheit zum Trotz, so hat mich Linux als Alternative bereits länger interessiert, verliefen erste Versuche jedoch immer wieder im berühmten Sande, weil man doch an das geflügelte Wort vom: never change a running system  halten sollte. Nicht zuletzt waren Backup und Restore einer Bootpartition unter Linux aus meiner Sicht eher in der IT-Steinzeit stecken geblieben. Wer das einmal mit beispielsweise Clonezilla versucht, sich anschließend in den Tiefen des Grub-Bootmanagers verirrt hat, wird diese, meine Einschätzung vielleicht verstehen.

Nein, der Anlass sich intensiver auf Linux einzulassen, kam weniger aus dem Wunsch heraus mein Desktop-System zu ersetzen, denn aus der irgendwann hochkommenden Anforderung, ein Serversystem (LAMP: Linux, Apache, MySql, PHP) aufsetzen zu wollen, zu müssen. Vor gut einem Jahr kam ich auf die Idee, mir meine eigene Cloud einrichten zu wollen, damit weitgehend unabhängig zu sein von den bekannten -alles kostenlos- Datenkraken.

Nextcloud, eine Abspaltung des dahingehend vielleicht eher bekannten, eher bereits kommerzialisierten Systems namens Owncloud schien mir dafür sehr geeignet. Auf einer externen Webspace (Alfahosting) installiert, war das System relativ schnell einsatzfähig, konnten die allfälligen Tests beginnen. Es reichte, um mich anzufüttern, die Mächtigkeit und Funktionalität dieser Software zu erkennen. Allerdings gibt es bei dieser Art von Installation zwei wesentliche Einschränkungen. Erstens ist die eigene Cloud dann doch nicht die Eigene, liegt sie immer noch auf der (mit anderen gemeinsam genutzten) Webumgebung eines externen Providers. Und zweitens sind bei diesem Shared-Hosting diverse serverseitige Funktionen (Apache- bzw. PHP-Direktiven etc.) nicht einstellbar, ist man auf das angewiesen, was einem der Provider in dem gebuchten Paket zur Verfügung stellt.

Entscheidend ist jedoch, dass Nextcloud als Basis einen sog. LAMP-Server benötigt; sprich Linux die basale Voraussetzung ist. Natürlich, bei einem Provider einen eigenen Server mieten, das geht zu entsprechenden Kosten immer. Aber da ist eben wieder, wenngleich weniger als beim Shared-Hosting ein Dritter im Spiel. Die andere Alternative, für die ich mich dann entschieden habe (frühere, dahingehende Erfahrungen waren mir nützlich), das ist ein wirkliches Eigenhosting in meinem privaten Umfeld. Zum experimentieren standen mir zwei ältere Barbones (Zotac ID18) zur Verfügung, mussten lediglich um eine SSD und etwas mehr Hauptspeicher ergänzt werden. Die damit einher gehenden Themen des dynamischen DNS, des Port-Forwarding etc. sollen hier nicht vertieft werden; und wären einen eigenen Artikel wert. Lediglich das Aufrüsten meines DSL-Accounts auf 100 Mbit down und insbesondere 40 Mbit up sei hier erwähnt, sollte diese Performance für eine Nutzung der Cloud im privaten Umfeld und mit nur wenigen Nutzern absolut ausreichend sein.

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Nun wird es spannend, denn das Ganze muß ja mit Leben erfüllt werden. Die Problematik eines definierten Backup/Restore unter plain Linux wurde bereits erwähnt; und das dürfte existentiell sein, da ich als Trial&Error Zauberlehrling wohl oft Gebrauch davon machen muß. Die (Zwischen)Lösung war dann auch erstmal ein Hybridsystem. Als Basis diente mir ein frisch aufgesetztes, minimales Windows 7 pro, welches mit seiner Bootpartition über das bereits erwähnte Macrium Reflect leicht zu sichern und wiederherzustellen ist, diese Funktionalität wohl eher selten benötigt wird. Linux und darauf aufbauend Nextcloud habe ich dann auf einer zweiten Partition via dem VMware Player in einer virtuellen Maschine installiert. Ja, das wäre ebenfalls ein Thema für einen separaten Blogbeitrag, sei hier nur das Wesentliche erwähnt. Eine virtuelle Maschine (VM) ist aus Sicht des Betriebssystems im Grunde lediglich eine Sammlung von Verzeichnissen und Dateien, welche -ähnlich der oben erwähnte Struktur portabler Software- bei ausgeschalteter VM einfach kopiert, gesichert und wieder hergestellt werden kann.

Der Rest war dann relativ überschaubar. Erst Linux nebst aller notwendigen Serverkomponenten im Trial&Error als VM installiert, regelmäßig die verschiedenen Zustände gesichert und ggf. wieder hergestellt, dabei viel gelernt. Dann oben d'rauf Nextcloud installiert und konfiguriert; wo notwendig die Apache&PHP-Direktiven angepasst. Schlußendlich, und das ist das Schöne, das Mögliche bei so einer privaten Installation, die Nextcloud-Daten auf eine separate USB-Platte gelegt. Damit sind auch diese, u.U. sehr groß werden könnenden Datenstrukturen sehr einfach separat zu sichern und wieder herzustellen. Zusammengefasst:

# Windows 7 auf der ersten Partition des Rechners und incl. VNC für den Fernzugriff

# Linux Mint mit allen Serverkomponenten und dem Nextcloud-System via VMware auf der zweiten Partition

# Die Nextcloud Daten als "Extern" eingebunden auf einer separaten USB-Platte


Gut, das funktioniert, hat jedoch auch wieder zwei Schönheitsfehler. Erstens bin ich immer noch auf Windows angewiesen und zweitens kostet so eine Virtualisierung natürlich Performance. Klar, einfach einen stärkeren Rechner kaufen, das geht immer, wäre damit zumindest der zweite Punkt zu adressieren.

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Und damit nähern wir uns der Jetztzeit, einer Welt ohne Microsoft, zumindest auf meinem privaten Server, meiner privaten Cloud. Der Blick hoch zu dem von mir bereits erwanderten Mont Cervet  in den italienischen Seealpen (Provinz Cuneo) mag als Symbol gelten. Die Cloud läuft und funktioniert, garantiert ohne Windows.

Einen Linux-Server aufzubauen, das ist nun kein Problem mehr und die Frage des notwendigen Backup&Restore wurde nochmals neu überdacht. Statt nur einer Partition könnte man mit dem bereits erwähnten Macrium Reflect auch gleich die komplette Festplatte in ein Image schreiben, hätte dann vielleicht keinen Stress mit einem nicht mehr bootenden Linux, gar einer notwendigen  kryptischen Anpassung des Linux-Bootmanagers. Gedacht, getan und es funktioniert sogar. Allerdings darf die neue Festplatte, auf der das vorher gezogene Image landet, nicht kleiner sein, als die Ursprungsplatte. Daher habe ich die 256Mb-Harddisk im Zotac ID18 gegen eine 128er getauscht, was für den geplanten Einsatzzweck vollkommen ausreichend ist, die Cloud-Daten ja separat liegen; und von dieser 128er gleich mal drei Stück gekauft. Backuß&Restore funktionieren!


Im geplanten vierten Teil der Abhandlung soll dann der Aufbau dieses Servers etwas mehr im Detail beschrieben, nicht zuletzt seine Weiterungen in Richtung Samba, letzteres als Backup gerade für das lokale Netzwerk. Und, der Januar 2020 rückt näher wird im fünften Teil auch über ein Desktop-System mit reinem Linux zu berichten sein, auf dem via VMware dann Windows 7  für einige Zeit konserviert wird, weiterleben darf.

 

Kommentare

danke, lieber bernd! schön, dass du den text nicht in chinesisch geschrieben hast ... vielleicht kommen dir ja meine "empfehlenswerten" texte in diversen links genauso rüber ... wie aus einer anderen welt ^^

ich weiß seit fast 30 jahren, was es praktisch (technisch) für mich bedeutet, mich in das gebiet der kunstnahen psychologie und philosophie gestürzt zu haben = dort ist meine gefühls- und gedankenwelt verwurzelt und zu hause ...

eine ganz einfache frage an dich: was passiert, wenn ich windows 7 auch im nächten jahr weiter behalte/laufen lasse >>> es also nicht mehr "betreut" wird ... WAS passiert dann KONKRET auf meinem laptop ... mit meinen daten und meiner kommunikation im netz?

sorry ... alles andere übersteigt meinen speziellen it-input leider maßlos

müßte ich windos10 kaufen oder kann ich es vom pc meines sohnes überspielen?

Bild des Benutzers Bernd

 


Windows (auch 10) kann man sich als ISO-Datei kostenlos bei Microsoft runterladen, mit einem gängigen Tool (z.B. Rufus) auf einen bootfähigen USB-Stick schreiben, mit dieem Stick den Rechner booten und dann Windows neu installieren. Sinnvoll ist es dabei, eine andere Festplatte zu verwenden (in den Rechner einbauen); und/oder zumindest alle Daten der ursprünglichen W7-Installation zu sichern.

Kaufen, soweit niemand im Umfeld einen derartigen, gültigen Schlüssel hat (und weitergeben will) muß man den Key, den Schlüssel zur dauerhaften Freischaltung der Installation. Sonst wird das installierte Windows 10 nach rund vier Wochen nicht mehr richtig laufen, in seinen Funktionen eingeschränkt sein. 

1. Laß Windows 7 ruhig als Basis weiter laufen.
2. Nimm Linux Mint 19.2 als Cinnamon-, MATE- und Xfce-Edition.
3. Probiere das mit USB-Stick als Life-System.

Bild des Benutzers Bernd

Bin mit Mint 19.2 (Cinnamon) soweit firm, dass ich Windows Ende des Jahres weitgehend Tschüss sagen kann.

Firm auch in soweit, dass es mir mittlerweile gelungen ist, auch unter Linux das Virtualisierungssystem VMware einzurichten; incl. allfälliger Updates über ein externes Repository. Toll, darauf habe ich eine virtuelle Maschine mit einem minimalen Windows 7 erzeugt; und bin dahingehend, incl. einfachem Backup, voll im Geschäft.

Meine notwendigen Programme (außer den hardwarenahen Drucker&Scannertreibern etc.) und wie im Blog geschrieben, sind eh' fast alle auf dem USB-Stick. Beim Anstecken bietet VMware die komfortable Möglichkeit, den Stick statt auf dem Host (Linux Mint 19.2) gleich auf der virtuellen Instanz, sprich: unter dem dortigen Windows(7) zu aktivieren. Läuft, Alles!

Mehr brauche ich nicht; werde das hier noch ausführlicher darstellen.


Btw. Das Life-System auf dem Stick habe ich mir erstellt; eher als Fallback, als Rettungsmedium.

Das war auch eher zum Ausprobieren für Marie gedacht als Ersatz zu Windoof 10.

Meine ganz persönliche Empfehlung, gerade am Kiosk erschienen:

https://www.pcwelt.de/news/LinuxWelt-6-2019-am-Kiosk-15-Jahre-LinuxWelt-...