28 Jul 2019

DSL-Upgrade

Submitted by Bernd

Eigentlich, ja eigentlich braucht kein Mensch mehr als ein asynchrones 16.000er DSL zum Surfen, Mailen, ggf. Youtube etc. gucken. Natürlich, wer über die DSL-Leitung auch Fernsehen oder andere breitbandige Streamingdienste nutzt, der kommt um eine schnellere, in der Regel teurere Verbindung nicht herum. Warum nun auch für mich und ganz ohne TV-Nutzung ein DSL-Upgrade sinnvoll erscheint, das sei im Folgenden erläutert.

Bis vor gut einem Jahr reichte mir das besagte 16.000er (16 Mbit/s) DSL, liefen damit auch die Youtube-Videos, selbst in HD-Auflösung. Aber dann kam ich auf die vielleicht nicht ganz abwegige Idee, mir eine eigene Cloud zu basteln, mich nicht von den Großen der Branche abhängig zu machen.  Befeuert wurde diese, meine damals noch ganz unausgereifte Überlegung von der Tatsache, dass offensichtlich immer mehr Zensur um sich greift, McCarthy von "links" das neue Credo derer darstellt, die bestenfalls dem Namen nach noch als "links" zu verstehen sind, stattdessen ein System geregelter, ideologisch weitgehend einseitiger Meinungen etablieren.

Da ich weder bei Facebook noch Twitter oder anderen dieser "sozialen" Medien einen Account habe, so vernahm ich das lediglich informativ, betraf es mich weder direkt, noch indirekt (weil dort auch nicht einmal mitlesend). Und schlußendlich ist es ja so, dass private Unternehmungen -auch wenn sie sich "sozial" nennen- natürlich ein sogenanntes Hausrecht auf ihren (Web)Seiten besitzen, dieses je nach Marktmacht auch vollkommen ohne Begründung exekutieren.

Mit Youtube (Zum Google-Konzern gehörend) verhält es sich etwas anders, schaue ich mir neben diversen Film- und Musikvideos schon gern die Diskussionen in den sog. alternativen Medien an, habe viele Lesezeichen gespeichert und lade manchmal (via Browser-Plugin) auch etwas herunter. Wenn meine Lesezeichen dann nach einiger Zeit nicht mehr funktionierten, so lag es bis data, insbesondere bei Film- und Musikinhalten an den zu der jeweiligen Einstellung fehlenden Urheberrechten; soll dies zukünftig durch sog. Uploadfilter wohl gleich von vorn herein verhindert werden.

Seit rund einem Jahr (so mein unmaßgeblicher Eindruck) verschwinden nun zunehmend Inhalte, welche keinerlei Relevanz in Sachen Urheberrecht besitzen, jedoch von ihrer gesellschaftspolitischen Thematisierung her oft kritisch, gar systemkritisch, zumindest als politisch unkorrekt zu verstehen sind. Mehr noch, sind sogar die Einsteller mit vielen Inhalten, mit noch viel mehr Followern plötzlich verschwunden, obwohl deren Inhalte -man mag inhaltlich dazu stehen, wie man will- keinerlei formalrechtliche, gar strafrechtliche Relevanz besitzen.Unter "Fake-News", oder "Hate-Speech", gar als Verschwörungstheorie disqualifiziert, da wird mittlerweile vieles zensiert und gelöscht, in den sog. Qualitätsmedien garnicht erst veröffentlicht, was dieser neulinken, einer spiegelbildlich neu zelebrierten mccarthyesken Ideologie widerspricht.

Man mag diesem Hans-Georg Maaßen eher selten folgen, aber sein "Westfernsehen"-Vergleich trifft es schon.

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Neben dem Werk von Rainer-Werner Faßbinder hat mich als junger Mensch, in meiner gesellschaftspolitischen Sozialisation ein Film besonders geprägt: Fahrenheit 451; und das diesem Film zugrunde liegende Buch habe ich erst später gelesen, auch die Parallelen zu Platons Höhlengleichnis erst später wirklich verstanden. Offenkundiger waren natürlich die Bezüge zur Bücherverbrennung im Dritten Reich, welches bei Veröffentlichung des Buches, bei Erscheinen des Films gerade mal zwanzig Jahre Geschichte war.

In der Schlußszene des Films lernen die Menschen ausgewählte Bücher auswendig, um deren Inhalte vor der anrückenden Feuerwehr zu schützen, für kommende Generationen zu bewahren. Eine eigentlich überwunden geglaubte Dystopie, welche nun erneut, in anderem Gewande, vielleicht garnicht mehr so fern ist. Geschichte wiederholt sich nicht, so sagt man; und wenn doch, dann als Farce oder als Tragödie. Die Frage, noch diesseits des nächsten Baums, der nächsten Laterne, der nächsten Mauer ist diejenige, wie lange es bei einer betriebswirtschaftlichen Infragestellung nebst verbaler Diffamierung der Abweichler, der gnadenlos entlarvten, realweltlich identifizierten Delinquenten bleibt; nicht nur die Feuerwehr dann doch wieder alte/neue Aufgaben in Einhaltung der zugelassenen Meinungskorridore erhalten wird.

Insofern, nicht wenig vermessen, sehe ich mich ein ganz klein wenig in Tradition der Menschen, welche damals die Bücher auswendig lernten; nicht einmal ansatzweise ahnend, ob überhaupt und wem dieses angelernte Wissen dann einmal nützlich sein könnte. Natürlich, mit den mir gegebenen Möglichkeiten und in die Moderne übertragen. Solange ist es noch nicht her, als in Deutschland, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR eine Dystopie der zugelassenen Meinungskorridore von der Staatsmacht exekutiert, von der informellen Parallelgesellschaft dennoch infrage gestellt, durch weitestgehend passiven Widerstand  schlußendlich erfolgreich überwunden wurde.

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Parallel zu Idee einer privaten Cloud und nicht zuletzt um diese Cloud dann auch mit Inhalten füllen zu können, war (und ist) Aufrüsten angesagt; nicht in einem militärischen, sondern einem informellen, medialen Sinne. Als Erstes habe ich den Bestand und die Kapazitäten meiner externen USB-Festplatten vergrößert. Und "extern" bedeutet, dass diese Datenträger in der Regel nicht online, auch durch entsprechende Schadprogramme (Staatstrojaner, wie ist da eigentlich der aktuelle Stand?) über das Netz nicht zu kompromittieren sind. Drei Generationen dürfen es schon sein, und umschichtig nur zum Zweck der Synchronisation kurzfristig ins lokale Netz genommen.

Noch vor unserem Umzug nach Südhessen erfolgte bereits in Berlin ein erster Upgrade des vorhandenen DSL; vom 16.000 auf 50.000 mbit/s im Download und damit einhergehend von 2.000 auf 10.000 mbit/s im Upload. Inhalte von Youtube, Vimeo & Co. können somit schneller und -soweit vorhanden- besserer Qualität heruntergeladen werden. Auf Full-HD (1920x1080) verzichte ich, aber normales HD (1280 x 720) sollte es schon sein, mag ich selbst diese älteren und eher schrecklichen, verrauschten, oft unscharfen Videos nicht sehen. Und klar, auch für HD braucht man entsprechenden Platz auf den Festplatten.

Was den höheren Upload betrifft, so war dies mit Blick auf die geplante private Cloud erst einmal perspektivisch zu sehen. Ein  erster Prototyp der Cloud als virtuelle Instanz (via VMware) ging ans Netz und diese 10 mbit/s im Upload reichen locker um die in der Cloud hinterlegten Videos in HD-Qualität von einem anderen Standort ruckelfrei zu streamen. Allerdings machte ich mir da keine Illusionen, dürfte die Bandbreite deutlich sinken, sobald mehrere Personen von unterschiedlichen Standorten auf die Cloud zugreifen.

Umzugsbedingt ruhte die Arbeit an der Cloud dann zwischen dem Herbst 2018 und dem Frühjar 2019, wurde dennoch das Inhaltearchiv und soweit möglich weiter ausgebaut. Erstaunlich, wieviele meiner hinterlegten Links (Lesezeichen) dann plötzlich nicht mehr verfügbar waren. Sie konnten jedoch oft durch eine andere Adresse als Re-Upload wieder gefunden werden; manchmal statt bei Youtube nun bei Vimeo, neuerdings und mit oft geringer Performance gar bei BitChute, einer alternativen per-to-per Plattform. Erstaunlich, so mein Eindruck insbesondere bei Youtube, das war die oft nicht mehr gegebene Möglichkeit, Inhalte, sprich: Videos mittels der gängigen Browser-Plugins runterzuladen und lokal zu speichern. Ob dies jetzt meinem Unvermögen geschuldet, gar schon Verschwörungstheorie ist, oder irgendjemand  technische Maßnahmen zur Verhinderung des Downloads einsetzt, darüber mag ich bestenfalls spekulieren; seit einiger Zeit und beinahe ausschließlich nur noch das externe Programm ClipGrab nutzend.

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Als kürzlich der Youtube-Kanal von NuoViso ohne Vorwarnung gelöscht wurde (war einige Tage später wieder da), da gab es wieder diese Diskussionen, ob man nicht als "Community" eine alternative Plattform zu Youtube & Co. etablieren könnte. Aus meiner Sicht kann das nur funktionieren, wenn der Plattformbetreiber absolut neutral agiert, diesseits eindeutig strafrechtlich relevanter Inhalte (kann auch technisch eingehegt werden) alles, wirklich alles zugelassen ist. Und der Betreiber müsste durch die (nichtanonymen) Einsteller von jeglicher privat- wie strafrechtlicher Verantwortung freigestellt sein. Ein frommer Wunsch (von mir), denn die Antagonismen in der alternativen Szene sind nicht zu übersehen; wer mit wem kann, wen gerade noch toleriert, oder eben nicht.

Jenseits dieser persönlichen Befindlichkeiten der potentiellen Akteure sind es primär vier Komplexe, welche eine alternative Streamingplattform adressieren müsste.

# das Organisatorische

# das Formalrechtliche

# das Technische

# das Finanzielle


Anders herum formuliert:

# Wer betreibt und moderiert inhaltlich die Plattform ?

# Welche Rechtsform hat die Plattform und wo bzw. auf wen (natürliche bzw. juristische Person) ist sie zugelassen ?

# Wer betreibt und administriert technisch den Server und wo ist dessen Standort ?

# Wer finanziert das Projekt (Anschub) und wie stellt sich die weitere Finanzierung dar ?


Dirk Pohlmann (wohl im Umfeld von KenFM) hat bei Rubikon einige, bei weiten nicht alle dieser Gedanken aufgegriffen:

"Eine eigene Portalwebseite wäre die derzeit beste Lösung. Sie sollte möglichst alle alternativen Sender und Publikationen unter einer Oberfläche zusammenfassen. Juristischer Ort der Unternehmung könnte Österreich sein, das als Nicht-NATO Staat ein bisschen weniger zensuranfällig ist als Deutschland"

"Die Webseite muss auf einem eigenen Server untergebracht sein, der in Island stehen könnte. Sie schafft ein Publikum von 500.000 oder mehr Zuschauern und kann durch Direktverhandlungen mit der Werbewirtschaft Einnahmen erzielen, die sonst bei YouTube landen"

Einnahmen vs. Ausgaben? Zumindest die Ausgaben stehen bei Orange in Island schon mal fest.


Schön, aber die sogenannten Neurechten -die Pohlmann wahrscheinlich nicht in seinem Boot haben wollte- sind da schon weiter. Dieser in der Alternativszene bekannte, wohl auf Mallorca lebende Youtuber Oliver Flesch hat kürzlich etwas Änliches an den Start gebracht, ergänzt um wohl noch einige Features im Stile von Facebook. Das Impressum liest sich so:

"1984 – Das Magazin
Die Redaktion
84 Green Lanes
N16 9AH London
United Kingdom"

Da England demnächst wohl nicht mehr zur EU gehören wird, ist das schon mal eine sichere Bank, welche etwaige Drohungen nebst Abmahnungen in Grenzen halten sollte. Wer hinter der Website bzw. der Domain steht, wohl im Trump-Country angesiedelt, das ist auch durch eine WHOIS-Abfrage nicht zu klären. Wo nun physikalisch der Server steht, das zu eruieren war mir dann doch zu aufwendig, dürfte mit vielen falschen Fährten versehen, vielleicht nur Insidern zugänglich sein.

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Damit zurück zu dieser, meiner privaten Cloud, deren finale Konstruktion auf Basis von Linux (ein separater Blogtext wird folgen) nahezu abgeschlossen ist und wo es einen ganz entscheidenden Unterschied zu den hier bislang genannten Plattformen gibt.

Diese Cloud ist nichtöffentlich !

Insbesondere die formalrechtliche Seite ist damit weitgehend adressiert, werden die Inhalte und soweit sie gar einen Urheberanspruch generieren könnten eben nicht öffentlich angeboten, werden im Rahmen der nach wie vor zulässigen Privatkopie lediglich einem kleinen, handverlesenen Freundeskreis verfügbar gemacht.

Hardwareseitig läuft das System auf jeweils einem (von zwei identischen) Zotac ID18 mit 16 GB Hauptspeicher, einer internen SSD von 128 GB und einer externen, via USB3 angeschlossenen Festplatte mit 4 Terrabyte. Der Zugriff, und hier wird nun endlich auf das Eingangsbild dieses Blogtextes bezug genommen, auf das seit dem 25.07.2019 mit einem Upload von 45 mbit/s versehene DSL-abgehoben;

mehr als das dreifache des doch bislang vollkommen ausreichenden 16.000r Download-DSL.

Besser noch und neben der Cloud auch als Backup für Bilder und Videos meines Smartphones genutzt, so bietet das System nun mehr als genug Platz (und Performance) zum Streamen aller meiner aktuellen (und zukünftigen) privaten Videos. Denn das ist ein Punkt, der jenseits großer, teurer, in Island sicher gehosteter Server im Kleinen auch ganz wichtig sein kann.

Diese, meine Website "privatausgabe.net" betreibe ich ebenfalls in Island. Nicht auf einem separaten Server, sondern als sogenanntes Shared Hosting, als Silver Plan mit lediglich 3 GB Speicherplatz; schon teuer genug für das Gebotene - aber eben sicher. Der Umfang meiner privaten Videos beträgt dagegen jetzt bereits rund 8 GB; und noch lange habe ich nicht alles zu den diversen Reisen etc. aufbereitet und eingestellt.

Wie kann das gehen, bei insgesamt nur 3 GB Webspace in Island?

Das ist nicht ganz trivial, und auf eine vertiefende technische Betrachtung wird hier bewußt verzichtet, mögen sich dahingehend Interessierte direkt bei mir melden. Das Prinzip jedoch sollte deutlich werden, liegen die privaten Videos (an denen ich alle Rechte besitze) neben der privaten Cloud ebenfalls auf meinem Server, dessen angeschlossener Festplatte. Wenn nun aus einem Blogtext (bei Orange in Island) heraus ein Video angezeigt werden soll, dann verzweigt das Programm und wie man es von Youtube & Co. kennt auf einen Videoanriss, bei dem ggf. weitere Erläuterungen hinzugefügt sind. In dem Moment, wo das Video gestartet wird, erfolgt im Hintergrund das Streaming von genau diesem Video via meinem lokalen Server. Beim Schließen des Fensters geht die Kontrolle zurück auf die Anwendung, die in Island betriebene Website.

Ja, das Prinzip darf man gern verallgemeinern, mit Weiterungen versehen ...

Kommentare

total spannend - auch wenn ich inhaltlich nichts dazu beitragen kann ...

aber es fühlt sich wie der spannend-spielerische umgang des passiven widerstands in der ddr an - wir waren soooo kreativ und uns "eigentlich" im ziel und in der form sehr einig, dass so einem verstaubten, bornierten, plumpen system-vorstand NICHT!!!! blind gefolgt werden DARF!!!

ich hoffe, diese zeiten kommen wieder, denn was JETZT hier vom selbsternannten eitel-korrupten "vorstand" so losgetreten wird, hat ausmaße angenommen, die eigentlich für mich kaum vorstellbar waren (und ich sage dir: ich habe vorstellungen von reichlicher fantasie^^) ... doch es kommt neben der ermüdung der dummheit, nun ein ekel dazu ... weil ddr-hin-oder-her - immer noch als experiment etwas neuen gelten konnte ... diese "narrenfreiheit" wird dem hochperfektionierten imperialen system nicht zugestanden ... aber immerhin war die stasi auch ganz gut auf zack und hat unsere strategische intelligenz ständig gefordert, um nicht in die falle zu tappen ...

jetzt kommt jedoch eine "relative armut" dazu ... das wäre das nächste kapitel >>> die auch schon in der ddr vorhandene käuflichkeit und sehnsucht nach "bananen" aller art ...
der kapitalismus kann jeden mit geld so sehr zuscheißen - bzw. anderen die existenzgrundlage entziehen ... das eine aktuelle wertediskussion der "großen freiheit" auf jeden persönlich - aber auch die ganze gesellschaft zukommen wird

doch das ist ein anderes thema - jedoch tangiert es auch deins ... wie du selbst (nebenbei) angesprochen hast

die FREIHEIT!!! ohne geld und angst und maulkorb ist dann eher mein privatthema ... welches ich für mich gelöst habe und ständig mitstreiter suche ... die mich jedoch oft - zum glück nicht immer - für spinnert halten:-)))