11 Mai 2013

Alpentour - Mai 2013 - Unterwegs...II

Submitted by ebertus

Gedanken und Planungen zum Auftakt:  Vorbereitung...

Was bislang so auf der Tour passierte:    Unterwegs...I

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12.05.2013 / gegen 08:01 - Ruhpolding wird verlassen, dabei gleich mal als Video eingefangen. So sieht für heute  die Route aus und es sind rund 125 km bis zu Autoverladung in Böckstein. Damals in 1985 konnten wir während der Passage im Auto sitzen bleiben und auch im letzten Jahr am Furkapass war das nicht nur möglich sondern gar gefordert wegen einem zügigen roll-on/roll-off. Hier jedoch -hinter mir kam noch ein Motorradfahrer, dann schloß sich die Schranke- war aus Sicherheitsgründen Aussteigen gefordert; dann zügig den ganzen Zug entlang laufen bis zum Sitzwagen. Dito beim Aussteigen in Mallnitz und dennoch ist es insgesamt noch sehr flott gegangen (Video), da sich der Zug (verkehrt stündlich) kurz nach meiner Auffahrt bereits in Bewegung setzte. Erst 10:39 und somit genug Zeit also für die noch kommenden Ereignisse, sprich: Umwege. Südlich des Alpenhauptkammes geht Östereich weiter, ist ebenfalls sehr schön grün, wenngleich die schroffe, eisige Bergszenerie bei Lienz immer näher kommt.

 

 

 

 

Und auch die hier angezeigten "nur noch" 199 km sowie die Ankunftszeit von 15:25 sind bald Makulatur, fahre ich doch ganz bewußt nicht so, wie es mir das Navi als optimalen Weg empfiehlt. Die Route etwas weiter südlich zu halten, das war der Gedanke; mal die Gegend um Cortina d'Ampezzo zu befahren. Bin also relativ bald nach der "Grenze" auf die SS51 abgebogen. Die Gegend ist heute ein Naturpark, und passend oder auch nicht, so erinnert relativ bald ein Soldatenfriedhof an vollkommen andere Eindrücke, die Menschen hier in der Gegend gewannen.

 

 

 

 

 

 

 

"Nie wird das Andenken an Eure Verdienste und der Dank dafür vergehen" ist dort auf der Tafel zu lesen und bei den Soldaten verschiedener Nationalitäten könnte das recht ambivalent, gar total widersprüchlich zu verstehen sein. Aber vielleicht ist diese, meine Sicht gerade über Gebühr von Shlomo Sand, dessen Buch "Die Erfindung des Landes Israel" getrübt, thematisiert der Autor gerade diesen Mythos, diese Instrumentalisierung auch vieler kleiner Menschen im Sinne einer Nationalität, eines Vaterlandes für das es sich zu leiden, zu sterben lohnt; selbst wenn es nur erfunden ist...

Ansonsten, zu Cortina d'Ampezzo ist nichts weiter zu sagen, außer der Tatsache, dass es trotz Navi drei Anläufe brauchte an der richtigen Seite wieder aus dem Ort heraus zu kommen. Nach dem unvermeidlichen Blick zurück geht es nun über den Falzaregopass und den Valparolapass; vorerst nach Corvara ist die konkrete Weiterfahrt dort erst einmal infrage gestellt (Video).

 

 

 

 

 

Die ursprüngliche geplante Weiterfahrt ist hier angegeben, in Corvara geradeaus auf die SS243 in Richtung Wolkenstein. Jedoch gleich an der Ortsausfahrt wird auf einer Tafel darauf hingewiesen, dass das zu überfahrende Grödnerjoch aktuell wegen Lawinengefahr gesperrt ist. Das Navi hat diese Information jedoch nicht und im Nachhinein, später aus der anderen Richtung theoretisch erfahrbar, war ebenfalls nichts diesbezüglich angegeben. OK, ein derartiges Risiko wollte ich nicht eingehen, irgendwann bei der Auffahrt zum Pass zwangsweise umdrehen zu dürfen. Genug Zeit ist ebenfalls vorhanden und daher fällt die Entscheidunf relativ schnell für den südlichen Bogen, wie hier angezeigt. Also weiter auf der SP244, dann über den Pordoipass  mit der Sella-Gruppe (Video), der SS/SR48  und schließlich die SS242 wieder nordwärts. Ohne Frage ist die Anfahrt zum Pordoipass spektakulär und als Skifahrer regt diese Gipfelstation der Seilbahn natürlich meine Fantasie an; wie wird es da wohl (irgendwo hinten am Berg) wieder runter gehen...?

 

 

 

 

Danach passiert nicht mehr viel, die nun noch folgenden Passquerungen, sowohl der Sella- wie der Gardenapass sind eingedenk der vorherigen Eindrücke eher nicht mehr so spannend, neigt sich die Fahrt des Tages (hoffentlich) langsam dem Ende entgegen. Um Bozen herum wird es nochmals anstrengend, aber diesmal ist das Navi eine echte Hilfe, führt mich gut auf den Umgehungsstraßen und dennoch jenseits der kostenpflichtigen Autobahn.

Gegen 18:30 und bereits auf der Südseite des Gampenpasses ist dann das Ziel erreicht, wartet ein (auch im Nachhinein so zu bezeichnen) nettes Gasthaus, ein entspannendes vegetarisches Abendessen (verschiedene Mehlspeisen mit Spinat und Rucola an zerlassener Butter) einschließlich einem Glas, einem Viertel Pinot Grigio und später ein absolut ruhiges Zimmer incl. gut funktionierendem Internet via WLan.

 

13.05.2013 / Vormittag - Die Sonne strahlt und das Wetter sollte halten, eine Wanderung zulassen, auch wenn es sich hier auf rund 1500 Meter über Meereshöhe gegen 10 Uhr noch relativ frisch anfühlt. Von den Wirtsleuten wird mir der Rundweg zum Laugensee empfohlen, der mich dann -zugegeben- einmal mehr an die Grenzen der Leistungsfähigkeit führte. Der Start ist exakt auf der Passhöhe und es geht dann -noch etwas oberhalb des Laugensee- hoch bis auf 2204 Meter. Meiner Neigung folgend, die schweren und gefählichen Teilstücke möglichst am Anfang zu absolvieren, so führt mich mein Weg genau entgegengesetzt der hier verlinkten Tourenbeschreibung. Nach kurzem Einstimmen auf dem Forstweg also hinein in den Berg... Die Route 133 geht voll zur Sache, sind die wirklich herausfordernden Teilstücke dankenswerterweise mit einem Geländer versehen, wechseln sich extrem steile mit eher flachen Passagen ab.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Nach einer guten Stunde lichtet sich der Wald, nach und nach kommt die Baumgrenze näher und man erliegt der vorerst irrigen Erwartung, dass nach jedem weiteren bewältigten Hang oben nun der See endlich in den Blick geraten müsste. Weit gefehlt und in der nächsten Stunde wechseln sich offene Hänge mit beinahe ebenen Passagen ab, aber da ist (noch) kein See...

Diese beiden Wandersleut' waren eine ganze Weile meine Verfolger , später, beim Abstieg haben wir uns dann zu einer Fotosession getroffen. Weiter geht es und der/dieser Hang ist fast geschafft. Dann jedoch kommen links lediglich so einige feuchte Bergwiesen und rechts geht es immer weiter hoch.

Der nächste Aufstieg ist geschafft; wieder kein See aber erkennbar eine Abkürzung, falls das mit dem Laugensee dann doch zu anstrengend werden wollte. Wer jedoch weiter macht (like me), den erwartet dieser steile, ja finale letzte Anstieg.

Mitten am Hang geht der Blick zurück; und erkennt weitere Verfolger. Ganz schön was los hier und die beiden jungen Männer machen sich nach kurzem small talk mit den zwei bereits erwähnten Wandersleuten nun wieder auf, werden mich wohl spätestens am See erreichen. Vorher noch, und ehe ich den See erreiche kommt mir ein Mann in -meinem Alter wohl- entgegen. Wir plaudern ein wenig und er macht die Tour nicht das erste Mal, braucht wohl auch steil abwärts den gewissen Kick. Dann der Laugensee und die beiden jungen Männer führen mich nun ein kleines Stück weit; ehe sie sich rechts halten, wollen hoch auf die Laugenspitze (Video).

 

 

 

 

 

Stattdessen..., auf mich wartet jedoch nun der verdiente Abstieg und die kleine Sitzgruppe kommt da sehr gelegen. Nur wenige Schritte weiter fängt der hier noch relativ lichte Wald an, eröffnet gar einen Blick auf meine Unterkunft, den Ortsteil Senale in der Bildmitte. Rechts ist die Laugenalm zu erkennen, wo dann der Forstweg bis hinunter zum Gampenpass beginnt. Leider ist die Alm um diese Jahreszeit noch nicht für Besucher eingestellt, ist schlicht geschlossen. Aber mein Wasservorrat reicht und außerdem treffe ich dort auf die zwei anderen, zuerst genannten Wandersleut'. Sie haben die erwähnte Abkürzung genommen, waren nicht oben am See. Wir reichen uns gegenseitig die Fotoapparate; zu Dokumentationszwecken versteht sich...

Die beiden nehmen dann die auch dort verfügbare, steile Abwärtspassage während mir unter Berücksichtigung dieser harten Tour der Sinn nach einer zwar längeren, dennoch eher ungefährlicheren Wanderung auf dem Forstweg steht.  Auch dabei kommen die optischen Eindrücke nicht zu kurz, ist hier ein beinahe trockener Gebirgsbach zu kreuzen, staucht der nicht immer wirklich flach abfallende Forstweg den Bewegungsapparat durchaus nicht wenig,  ehe dann nach gut vier Stunden der Gampenpass wieder ereicht wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


14.05.2013 / 09:24 - Es geht weiter, erst einmal in Richtung Basel. Mal sehen, was der Tag so bringt, und ob es gar bis ins Rhein/Main-Gebiet reicht. Zuerst bzw. zum Abschied noch ein kleiner Blick in die Runde, die Szenerie in Senale vor dem Gasthof. Gleich neben dem Hotel befindet sich die Kirche, sind es ansonsten vielleicht kaum mehr als ein Dutzend Gebäude in diesem Ortsteil von "Unsere Liebe Frau im Walde" hier in Südtirol. Dann geht der Blick in der kühlen und klaren Morgenluft hoch zum Laugen(see), der gestern eine nicht geringe Herausforderung darstellte.

Meran, mir von einem anderen Aufenthalt her bekannt bleibt diesmal rechts liegen, geht es langsam, staubegleitet westwärts auf der SS38 bis Sluderno. Über den weiteren Weg darf dort an einer roten Ampel nochmals etwas nachgedacht werden, wobei dann der Reschenpass ebenfalls rechts liegen bleibt, mich mein Weg weiter westwärts in die Schweiz führen wird. Das Teilstück von Sludero/Davos führt über zwei Schweizer Alpenquerungen, den eher unspektakulären Ofenpass mit seinen sanften An- und Abfahrten sowie den höher hinaus gehenden Flüelapass. Letzterer markiert für diese Tour die wohl höchste Passüberquerung -für die es alternativ auch einen Eisenbahntransfer im Tunnel gibt, wie mir von dem fast alles wissenden Navi angeboten wird- und bietet auch sonst eine faszinierende Szenerie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt auf den Schweizer Autobahnen -mit Viginette natürlich- und mit einem maximal zulässigen Tempo von 120km/h ist im Übrigen als ausgesprochen relaxed anzusehen. Da kommt beinahe USA-Feeling auf, obwohl mir nicht gleich geläufig ist, ob man auch in der Schweiz rechts überholen darf, ich dies eh' und auch "drüben" eher sehr selten praktiziere. Um Zürich herum und dann vor Basel wird es nochmal recht eng, stauig gar, aber die Weiterfahrt über Freiburg und Karlsruhe auf der A5 ist angenehm, wird außerdem von einer kleinen Kaffeepause bei McD unterbrochen.

Nach einem Zwischenstopp in Heppenheim und der Aufnahme umzugsbedingter "Ladung" ist kurz nach 20 Uhr dann die mit gut bekannte Gemeinde Erzhausen (zwischen Frankfurt und Darmstadt) erreicht. Ja und morgen geht es schlußendlich weiter, zurück nach Berlin.

 

15.05.2013 / gegen 9 Uhr vormittags - Noch schnell zu Toom in Egelsbach gefahren, dort zwei Kisten des echten, nur in Rhein/Main und in dieser Auswahl verfügbaren, herben Applewoi erstanden. Dann geht es auf die Schlussetappe, folgen die letzten gut fünfhundert Kilometer. Es ist angenehm warm in Berlin, über 25 Grad und mit knapp 15:00 am Nachmittag ist der Tag noch lang, muss nach kurzem Imbiss erstmal der bis zur Dachkante beladene Wagen geräumt werden. Nicht zu vergessen, der Stand des Bordcomputers wollte gesichert werden. 3388km mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,1 Liter ist wohl angemessen, waren die angegebenen gut 46 Stunden (während dieser 13 Tage) hinter dem Steuer meist angenehm.

Die nächste, allerdings wesentlich kürzere Tour ist für August schon mal grob angedacht.  Es wird wohl der dritte -und dann hoffentlich erfolgreiche- Versuch werden, den Grimsel- und den Furkapass in der Schweiz zu überqueren. Bis dahin....