14 Jan 2020

Das beste Linux aller Zeiten

Submitted by Bernd

Gerade rechtzeitig zum Supportende für Windows 7 kommt Linux Mint in der Version 19.3 - und sogar als LTS (Long Time Support). Für mich zumindest gibt es nun keinen Grund mehr, an Windows als primärem Betriebssystem festzuhalten. Und für den noch nicht vollumfänglich mit Linux abzudeckenden Rest läuft Windows (7) in einer virtuellen Maschine.


Was die serverseitigen Funktionen und Dienste angeht, so gibt es auf dieser Website bereits einen mehrteiligen Erfahrungsbericht; zuletzt hier. Nur ist ein Server mit seiner eher dienenden Funktion keine Workstation, kein Arbeitsplatzrechner mit unter Umständen vielen, vielen verschiedenen Programmen. Insofern und was Linux angeht, war das Jahr 2019 davon geprägt, einen vollumfänglich nutzbaren Linux-Server aufzubauen und in Betrieb zu nehmen; als Webserver mit Apache, MySql und Php, sowie als lokalen Fileserver via Samba. Linux Mint mit dem Cinnamon-Interface in der Version 19.1 lief dabei als Basis immer mit und bietet auch für die Serverfunktionen alles Notwendige.

Anfang Dezember 2019 wurde die Beta 19.3 von Mint (Cinnamon) veröffentlicht; und kurz vor Weihnachten die produktive Vollversion freigegeben; als LTS mit Support bis 2023 - mindestens ...

Die Oberfläche namens Cinnamon kommt dem gewohnten Windows Feeling immer näher und auch die Funktionalitäten (Kontextmenüs, Programme installieren, Zugriffe auf externe Datenträger etc. sind ohne viel Frickelei möglich. Wenn etwas nicht wie erwartet funktioniert, so liegt der Grund nach meinen Erfahrungen zu 90 Prozent im Linux-Rechtesystem. Und genau das ist es, was Linux einerseits und gegenüber Windows so sicher macht, andererseits jedoch eine gewisse Einarbeitung benötigt, einige grafische Tools jenseits des kryptischen Terminals eingeschlossen.

Vielleicht sehe ich das zu optimistisch, komme doch aus der Zeit vor dem Windows Hype, wo die Kommandozeile unter MS-Dos ebenfalls das Mittel der Wahl ausmachte, mir ein Terminal nicht wirklich fremd ist. Ok, kasteien oder gar quälen sollte man sich nicht über Gebühr, werden daher im Folgenden einige Tools angesprochen, welche das Leben auch unter Linux Mint dann noch etwas leichter machen.

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Zuerst der Blick unter die Haube, was technisch hier gegeben ist:

Ein Klick auf das Bild bringt die besser lesbare Vergrößerung!

Gerade die Lenovo (IBM) Thinkpads, so kann man immer wieder in den Fachzeitschriften lesen, bieten für Linux eine hohe Kompatibilität. Ist alles an Bord bzw. wird einwandfrei erkannt; vom Prozessor nebst RAM, von Full-HD bis zum Sound, meine zwei Drucker/Scanner eingeschlossen, die externen Speicher (DVD + USB-Harddisk) sowieso.

Wie man die herunter geladene ISO-Datei von Linux Mint auf den bootbaren (muß im Bios eingestellt sein) USB-Stick bekommt, das soll hier nicht weiter beschrieben werden, gibt es dafür und sehr grundsätzlich genug Anleitungen nebst der entsprechenden Tools im Netz. Man kann dann die Installationsroutine mit den angegebenen Vorgaben einfach durchlaufen lassen, die wenigen notwendigen Angaben machen, und fertig. Linux liegt dann startfähig auf der Festplatte bzw. SSD und hat diese standartisiert übernommen.

Flexibler und übersichtlicher, dann jedoch nicht mehr ganz so trivial, ist das Partitionieren der Festplatte, diese manuell in funktionale Bereiche unterteilen. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, auch in Bezug auf Backup&Restore sinnvoll, so nutze ich intern jeweils eine relativ kleine SSD, lagere alle Daten auf externe Speicher (USB-Disk, LAN-Server, Cloud etc.) aus. Die Partition der SSD mit einer Kapazität von 128 Gigabyte sieht dann so aus:
 

Give em a klick ...

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Wie bereits weiter oben geschrieben, so scheint mir das einzige wirkliche Akzeptanzproblem bei Linux im Rechtesystem zu liegen. Ein System mit mehreren Arbeitsplätzen im Netz und/oder mehreren Nutzern an einem PC ist daher lediglich von Profis zu administrieren. Hier, für mich und ganz bescheiden soll es jedoch lediglich um zwei oder drei Rechner im Heimnetzwerk gehen, gern von dem lokalen Server unterstützt, bei dem die Benutzer auch Vertrauen genießen und somit lokal als Administratoren eingerichtet sind, für den Serverzugriff eine Berechtigung in dessen Samba-Rechtesystem haben.

Wenngleich, jede einzelne und nicht selten gefahrenbehaftete Admin-Tätigkeit (meist im Terminal) muß eh' mit dem "sudo"-Befehl eingeleitet und durch das Admin-Passwort nochmals bestätigt werden. Der potentielle Admin ist ansonsten ebenfalls nur ein privilegierter User. Man muss sich das Leben nun nicht unbedingt schwerer machen als nötig.

Trivial für den genannten privilegierten User versteht sich, ist die lokale Aktivierung von externe USB-Laufwerken, welche mit Ext4 (Linux) oder Ntfs (Windows) formatiert sind. Sie werden von Linux Mint nach dem Einstecken lokal eingebunden. Bei Ntfs hat der User sofort alle Rechte, während es bei Ext4 schon eingeschränkt sein kann.

Für die Rechteverwaltung von Dateien und Verzeichnissen verwenden die Hardcore-Linux Admins natürlich das Terminal, währen ich es mir mit dem separat zu installierenden grafischen Dateimanager "Krusader" etwas bequemer mache. Lesen und schreiben für den Eigentümer, die Gruppe und für Alle sind damit recht einfach zu setzen und zu ändern, auf Wunsch auch vererbt in die Tiefen einer Verzeichnisstruktur.

Mein bislang installiertes Linux sieht nun so aus:


Beileibe ist noch nicht alles dabei, was mir wichtig erscheint. Insofern und hier als Einwurf nicht unwesentlich, ist unter dem Button "VMware" ein komplettes Windows 7 als virtuelle Maschine aufrufbar. Dort liegt alles, was noch der Umsetzung harrt.

Beispielsweise der Mailclient Thunderbird. Glücklicherweise verwende ich bereits seit Jahren das IMAP-Protokoll via dem Provider "posteo.de". Im Gegensatz zu Pop3 (wo die Mails runtergeladen, dann auf dem Server gelöscht werden) liegt bei IMAP alles auf dem Server und der Client hat lediglich anzeigende, verwaltende Aufgaben.

Weitere Baustellen sind mein Finanzmanager und der Passwort-Container. Beide Anwendungen gibt es auch als Linux-Variante und soweit das Datenformat einheitlich ist (wird noch zu prüfen sein) können die Daten weiterhin auf dem USB-Stick liegen, von Windows und von Linux bearbeitet werden.

Btw Stick. Der in obigen Bild erkennbare Button "LxWs250" verweist genau auf diesen USB-Stick, welcher mit NTFS formartiert ist und sowohl unter Linux als auch unter Windows (in der virtuellen Maschine) existiert. Auf beiden Systemen (aus Sicherheitsgründen nicht parallel, nicht gleichzeitig) steht er als Verzeichnis inclusive aller Unterverzeichnisse zur Verfügung. Klar, die darauf ebenfalls enthaltenen Windows-Programme sind eben nur unter Windows, nicht unter Linux zu nutzen; die Daten(dateien) ggf. schon.

Umgekehrt plane ich, die in obigen Bild unter "AppImages" liegenden, bislang drei portable Programme zukünftig auch auf den Stick zu legen. Die sind dann eben nur unter Linux, nicht unter Windows zu starten.

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Was bleibt, neben der noch wartenden, mit Sicherheit spannenden Arbeit an "beiden" Systemen?

Klar, sich nicht von den Apokalyptikern über Gebühr beeinflussen zu lassen? Windows 7 war das beste, auch sicherste Windows aller Zeiten; und gleichzeitig eine wesentlich dezentere Datenkrake als die neueren Systeme dieser Zunft. Auf meinem Notebook wird es vorerst weiter laufen, weil ja gerade unterwegs und mit einem Veracrypt-Container auf eben diesem Stick die damit gebotene Sicherheit viel wichtiger ist, als die in erkennbar partikularem Interesse an die Wand geworfenen Szenarien eines nun - von heute auf morgen- total unsicheren Systems.

Kommentare

werde ich erst mal weiter nutzen und auf die angriffe warten ... und berichten.

... natürlich ganz von allein ... wie gewohnt

auch avira hat sich gemeldet: meine sicherheit bleibt weiter bestehen

hmm ... also, als wäre nix geschehen ... oder irre ich mich? geht das "internet" jetzt schneller??? also, mir ist ganz doll so ...

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wenngleich das mit dem nun schnelleren Internet eher gefühlt  sein dürfte.


Und wenn Du keine Mailanhänge startest, als Programm ausführst, selbst wenn die Mail (scheinbar) von Bekannten kommt, dann wirst Du noch lange mit Windows 7 gut versorgt sein. Ok, die allfälligen Webseiten mit Sex&Crime meidest Du doch wohl sowieso, sei da außerdem Avira vor.

Hätte es beim letzten Wechsel des Rechners, der erste neue Rechner seit acht oder neun Jahren und das auch nur, weil der alte die Hufe nicht mehr hochbekam, auch machen sollen.
Aber wie es im Leben so ist: eine 10 er Lizenz war verfügbar, es sollte schnell gehen und in den vielen Jahren hat man sich daran gewöhnt, Windows zu nutzen. Vielleicht beim nächsten Mal ;o)

Gruß Robert

Bild des Benutzers Bernd

Klar, so ein Projekt braucht seine Zeit, bei mir mehr als ein Jahr; und immer noch einige Baustellen offen.


Manches muß wachsen, das war (aus heutiger Sicht eher unbewußt) auch bei Windows nicht anders.Und wenn man gar am Arbeitsplatz auf Windows fixiert ist, dann überträgt sich das; gern auch positiv zu verstehen.

Ab zwei Rechnern im Haushalt ist ein lokales Netzt mit lokalem Heimserver nicht abwegig; eher sehr sinnvoll, auch als Backup. Die heutigen Mini-PC's bzw. Barbones verbrauchen kaum Strom, können daher auch rund um die Uhr laufen. Und so paradox es klingt, ist der Aufbau eines Linux-Servers mit Samba einfacher als der eines Linux-Arbeitsplatsrechners mit seinen unter Umständen vielen Abhängigkeiten an Hard- und Software.

Du hast naturgemäß einen anderen Zugang als ich. Ich hatte über die Jahre hinweg immer mal mit verschiedenen Distributionen gespielt und auch für meine 80jährige Mutter ein Notebook mit Mint versehen. Sie kam damit übrigens gut klar, bis der Rechner physisch in die Knie ging.

Ich selber wäre auch klargekommen, aber....
Ich hatte schon lange eine NAS mit 2 TB betrieben. Sowas war einst teuer. Und es gelang mir nicht, die über Linux (Ubuntu bzw Mint) ins Heimnetz einzubinden. Und auch Leute, die Linux schon nutzten, konnten nicht helfen. Auch nicht aus der Generation der Digital Natives, zu der man wohl gehört, wenn man jung und in der Lage ist, einen Twitter-Account ohne fremde Hilfe aufzusetzen. Es ging eben nicht.
Habe mich im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Zeit, was aber nicht sehr viel war, durch Howtos gewühlt. Aber das war ein Teil des Problems. Die waren damals nicht systematisch geordnet und nur schwer zu konsumieren. Und meist in Englisch. Mit meinem Englisch kann ich mich zwar auf der Welt als Reisender durchschlagen, aber keine technischen Dokumentationen lesen, die anspruchsvoller als ein Handy-Manual sind.
Die NAS betreibe ich in Berlin nicht mehr, der Hersteller iomega ist schon lange untergegangen. Jetzt gerne ich ein Problem eher in der Kommunikation des Garmin-Navis und der Sport-Uhr. Aber ihr habt doch in der IT diesen alten Fußballspruch abgewandelt: verändere niemals ein funktionierendes System.....

Gruß Robert

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Und das gilt mindestens ebenso für ein gut laufendes Windows 7