19 Jul 2014

Das brutale Scheitern einer Ideologie

Submitted by ebertus

Reversed Approach! Aufgeklärte Säkulare, Liberale, auch Kosmopoliten wie Carlo Strenger oder Avraham Burg sitzen schon lange auf gepackten Koffern. Wird die Geschichte brutal korrigiert?

Die Schreckensvision von Peter Beinart, ausgebreitet in seinem nach wie vor aktuellen Buch rückt wieder ein Stück näher. Eine Vision dahingehend, dass Israel mit seiner imperialen, neokolonialen Politik sogar die Existenz des 1947/48 völkerrechtlich anerkannten Kernlandes faktisch auf das Spiel setzt; spätestens dann, wenn der US-Support von einer Generation jüngerer nordamerikanischer Juden zunehmend infrage gestellt wird.

Beinarts Buch, Beinarts Thesen wurden hierzulande kaum diskutiert, obwohl  mittlerweile auch in einer deutschen Übersetzung vorliegend. Stattdessen und von interessierter Seite wurde lediglich ein Karikaturenstreit entfacht, darüber die bekannten Keulen geschwungen.

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John V. Whitbeck  fügt nun bei Consortiumnews dieser Vision von Beinart die nächste, beinahe zwangsläufige Überlegung an:

"Western nations, which are no longer anti-Semitic, could and should be opening their doors wide to any and all Israeli Jews who might be tempted to build a new and better life for themselves and their children, with less injustice and less insecurity, by returning to their countries of origin or emigrating to other countries of their choice. They could be offered immediate residency rights, generous resettlement assistance and a fast track to citizenship (if they do not already have it)."

Nicht wenige Israelis, gerade die Säkularen, die Liberalen, die eher westlich Orientierten, die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden werden neben der israelischen eine weitere Staatsbürgerschaft besitzen. Und den anderen, wie hier in dem zitierten Text gefordert, sollte die Möglichkeit "by returning to their countries of origin or emigrating to other countries of their choice" entsprechend erleichtert werden. Ein Affront gegenüber Israel, natürlich! Aber doch wohl als deutliches Signal, und was die globale Gemeinschaft betrifft nicht mißzuverstehen.

Gerade jüngere Israelis zieht es nach Deutschland, insbesondere nach Berlin und der jedweder Israelfeindlichkeit absolut unverdächtige Michel Wolffsohn machte das sehr grundsätzlich, im Zuge der von interessierter Seite ebenfalls keulenschwingend geführten Beschneidungsdebatte in einem Beitrag für den Tagesspiegel mehr als deutlich.  Die sog. Diaspora ist nicht nur Bestandteil des Judentums, sie ist das Judentum, leben global betrachtet bereits heute rund die Hälfte aller Menschen jüdischen Glaubens -und in Mehrzahl wohl sehr bewußt- eben nicht in Israel.

Und dort im Nahen Osten, wo das völkerrechtlich anerkannte Israel sich anschickt, in Richtung eines in keinerlei seriösem Diskurs vorkommenden Groß-Israel zu mutieren, da stellt sich der sog. demographische Faktor noch schlimmer, noch bedrohlicher dar, wie dies Yehouda Shenhav und mit Bezug auf den israelischen Demografen Arnon Sofer ausführt. Da hilft es auch kaum, diese Verhältnisse ab 1990 über die "Russian non-Jewish population" etwas nachbessern zu wollen.

Eher werden dann die Albträume des Peter Beinart wahr, ist die Lage zunehmend aussichtslos und es bleibt wohl lediglich noch die Frage, wer neben den direkt Beteiligten ebenfalls substantiell verlieren wird.