11 Aug 2014

Wer von Breivik spricht ...

Submitted by ebertus

Ungebetene Jubler? Was (implizite) Vergleiche betrifft, wer wen so beiläufig kennt bzw. zitiert; und von wem sie (die Vergleiche) denn gezogen werden dürfen; oder auch nicht.

 

Aus einem Interview mit Avi Primor, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland:

sueddeutsche.de: Wie sehen Sie die internationale Reputation Ihres Heimatlandes derzeit?

Primor: Schlechter kann es gar nicht stehen. Aber man sagt es so, und dann wird es noch schlechter. Abgesehen von der Tea Party in den USA und ein paar ganz rechten Parteien in Europa gibt es wohl niemand, der die israelische Politik in Bezug auf die Palästinenser aus vollem Herzen unterstützt, die in Wirklichkeit eher eine Unfriedenspolitik ist. Die rechts-rechts Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu schadet dem Ansehen Israels immer mehr. Wir verlieren immer mehr Partner und Freunde, was sich gerade bei den palästinensischen Unabhängigkeitsbestrebungen zeigt.

sueddeutsche.de: Sie sehen Israel isoliert?

Primor: Wir sind fast isoliert, leider. Die US-Regierung unterstützt unsere Position, aber nur widerwillig. Die Deutschen und die Kanadier sind noch bei uns, auch die Niederländer aus Tradition. Die Italiener ebenfalls, weil Premier Silvio Berlusconi aus persönlichen Gründen das so will. Und dann noch die Rechtsextremisten und Islamfeinde in aller Welt. Soweit ist es gekommen.

Nahezu drei Jahre her dieses Interview und dennoch aktueller denn je. Weil auch bei derFreitag und in Erinnerung an das Grauen, von dem Attentäter Breivik zu lesen ist, so stellt sich (mir) immer wieder die Frage, ob das Taten -wie es gerade bei den US-Amokläufern gern und oft entschuldigend kolportiert wird- von verwirrten, vollkommen jenseitigen Einzelgängern sind, oder gewisse implizite, nicht verschwörerische, verstehende Geistesverwandschaften ebenfalls eine Rolle spielen könnten.

Vielleicht wäre drüben auch mal zu evangelikalen Predigern vom Schlage eines John Hagee zu recherchieren. Er hat zwar (u.a.) etwas merkwürdige Ansichten zum Holocaust, ist aber ansonsten wohl einer der best friends eines religiös-nationalistischen, bellizistischen, nicht zuletzt neokolonial sich aufführenden Israel.

"Und dann noch die Rechtsextremisten und Islamfeinde in aller Welt. Soweit ist es gekommen."

spricht Primor. Wer heute mal auf Seiten wie PI-News oder der neulinken, rechten (anyway...), englischen EDL schaut -nein, die werde ich nicht verlinken- der reibt sich verwundert die Augen, denkt, er wäre auf einer Seite der tapferen, islamophoben Antideutschen, der systemkonformen, neoliberalen Antifa 2.0 in ihrem oft besinnungslosen Israelsupport gelandet. Wer solche Freunde hat, um den sollte es nicht bange sein, oder?

Avi Primor wusste das bereits vor drei Jahren!

Dieses hier in Auszügen zitierte Interview fand einige Wochen nach dem von Breivik verübten Massenmord statt und es waren mir -offen zugegeben- zu dieser Zeit so manche Konstellationen und Rahmenbedingungen, gerade was den israelisch-palästinensischen Konflikt betrifft, noch nicht wirklich bekannt.

Schneller als Avi Primor, wenngleich in vollkommen anderem Tenor, möglicherweise anderer Intention äußerte sich dagegen einer, der mit Sicherheit und diesbezüglich voll im Thema war; ...und wie es dazu kommen konnte...

Soweit so gut, erhellend nicht zuletzt. Und wenn sich der Autor via dieser verlinkten Relativierung bzw. Entschuldigung dann weiter unten gegen die Anwürfe eines dahingehend bekannten, benannten Tagesschau-Redakteurs wendet (Link funktioniert wohl nicht mehr, wurde gnädig entsorgt...), so scheint mir das recht oberflächlich, nicht ohne gewisse Chuzpe. Nach meinem Eindruck ist man zur basalen Causa, was den inflationär erkannten Antisemitismus, was eine provozierende, diffamierende Grobschlächtigkeit der Sprache betrifft durchaus weitgehend d'accord.

Aber gut, Querfronten eben...