9 Jun 2014

Noch ein Sargnagel für den Paycontent

Submitted by ebertus

Anonymität im Netz Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten - wenn es denn so einfach wäre...

Der BGH entscheidet im Juli zu Anonymität im Netz, so ist bei heise.de zu lesen, und der Artikel unterstellt bzw. beantwortet vorab die aus meiner Sicht nicht ganz so triviale Frage bzw. Anmaßung, dass der Internet-Anbieter die  Identität des mutmaßlichen Delinquenten überhaupt preisgeben könnte ...

Der im Telemediengesetz (TMG) verankerte Schutz der Anonymität, und soweit diese passiv verstanden wird, hat nach meiner Ansicht durchaus seine Berechtigung. Wo jedoch die Grenze zu aktiver Anonymität, bei einer persönlichen Beleidigung, einer üblen Nachrede oder gar Geschäftsschädigung zu ziehen ist, das beschäftigt mitunter die Gerichte, der dem BGH vorliegende Fall ist da wohl keine Ausnahme.

Wenn nun jedoch der Hausherr, der Internet-Anbieter, der Webseitenbetreiber und mit Blick auf bzw. rückversichert durch das TMG anonyme Anmeldungen zulässt, so ist es rein technisch gesehen für den Anmelder, den Blogger oder Kommentator überhaupt kein Problem, nun auch wirklich anonym zu bleiben. Das betrifft die Verschleierung der IP-Adresse (via VPN beispielsweise) genauso wie die sog. Wegwerf-Mailadresse, welche anonym genutzt werden kann und nur eine begrenzte Zeitdauer gültig ist.

Der gern geforderte Auskunftsanspruch ist im Lichte des Vorgenannten wohl ein relativ zahnloser Tiger, begründet ansonsten und sehr ernsthaft einen Zielkonflikt, nicht nur was das TMG angeht.

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Was hat das ganze nun mit Paycontent zu tun? Ganz einfach. Über den Zahlungsweg und soweit er nicht bewußt konspirativ gestaltet wird, ist der Blogger, der Kommentator, der Kritiker dem Webseitenbetreiber in jedem Falle bekannt, kann wie jeder Edathy via seiner Bankverbindung, Kreditkartenzahlung etc. sehr schnell ermittelt werden.

Ok, die BW und der BND suchen via WeroQ primär den Terroristen in uns allen, könnten dennoch bei ihrer Totalüberwachung der sog. sozialen Netze dann schöne Bewegungsprofile liefern, ein wenig Amtshilfe leisten, was schnöde Beleidigungen etc. betrifft. Aber geradliniger funktioniert das mit Sicherheit über Paycontent, da liegt der gläserne Leser von embedded Journalism eh schon vor; werbe- und zielgruppengerecht analysiert, versteht sich.