25 Mär 2011

Zeitoun - Ambivalenz als Credo

Submitted by ebertus

Was bleibt an Resümee, an Zusammenfassung nach vier Blogbeiträgen über "Zeitoun", dem Buch von Dave Eggers? Bezüglich dem "Wir lesen Zeitoun" ist eine relativ geringe Resonanz zu konstatieren. Nur einer der teilnehmenden Freitagsblogger wollte, konnte sich in den letzten Wochen bis zum Ende, einer Zusammenfassung durchringen. Nun möge meine Wenigkeit der zweite sein.

Ab Herbst 2008, also rund drei Jahre später nimmt Dave Eggers den Faden noch einmal auf. Materiell ist in soweit alles im Lot, aber mental geht es Kathy relativ schlecht, haben die Ereignisse bei ihr - soweit erkennbar - tiefere Spuren hinterlassen als bei ihrem Mann und seiner damaligen, rund vierwöchigen Haft. Die Zeitouns berichten dem Autor von den chaotischen Zuständen in der Stadt, auch viele Monate nach Katrina. "Zeitoun und Kathy begannen, Häuser in der näheren Umgebung zu kaufen"...Aufgrund ihrer nach wie vor gegebenen, ökonomischen Substanz können die Zeitouns jedoch viele Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden, auf dem Weg zurück in die Normalität. Mehr noch, es bleibt Zeit - obwohl sie es eigentlich selbst nicht wollen - gewisse Recherchen zu den handelnden Personen, zu den Verantwortlichkeiten während Festnahme und der Haft anzustellen. Das Resultat der Aufarbeitung ist, wie zu erwarten: Pflichterfüllung so weit als möglich unter den Bedingungen des Chaos, den Zuständen wie "in einem Dritte-Welt-Land". Und bezüglich zweier an der Festnahme beteiligten Polizisten wird nun einmal mehr und beinahe offiziell bestätigt, dass diese eben nicht "gezielt einen Mann gejagt und festgenommen hatten, weil er aus dem nahen Osten stammte".

Das Ergebnis einer anderen Recherche ist mindestens genauso bezeichnend, lässt Masstäbe und Relationen erkennen, entwickelt (für mich als Leser) eine entsprechende Botschaft des Habens und des Seins, auch wenn jeder Tag von Zeitouns vierwöchiger Haft bereits ein Tag zu viel war. Todd Gambino verbrachte über fünf Monate im Hunt Correctional Center [...] Nasser Dayoob verbrachte sechs Monate in Hunt [...] Ronnie verbrachte acht Monate in Hunt. Die Anklagepunkte werden schlußendlich fallen gelassen, die den Männern bei der Festnahme abgenommenen, teils erheblichen Geldsummen bleiben verschwunden und es gibt keine Entschädigung für das unschuldig ertragene Leid. Soviel zu den anderen drei Männern, die zusammen mit Zeitoun festgenommen wurden. Natürlich, die Geschichte spielt in den USA, und die drei anderen Männer hatten wohl weder einen (engagierten) Anwalt noch den Besitz, darüber mal eben eine kaution stellen zu können; und damit relativ schnell wieder frei zu kommen.

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Die letzten Absätze des Buches mögen hier nicht weiter zitiert oder gar erläutert werden. Es ist der nun auferstandene, der neu begründete, der ewig anhaltende Amerikanische Traum.