22 Apr 2014

Von Werder-Ketchup über Negri zur Montagsdemo

Submitted by ebertus

Bildmontage: Bernd Ebert

Sonntag, beim 2014er Grillopening, dem beherzten Griff in den Kühlschrank, da war spontan der Gedanke, ob das mit dem Werder-Ketchup überhaup Ok sei, damit hoffentlich keine neurechts gepflegten, us-feindlichen Ressentiments bedient werden.

Schließlich hatten wir früher immer den von Heinz, einer US-Company, die nach unbestätigten Informationen doch mittlerweile ganz systemkonform von einer sog. Heuschrecke übernommen wurde. Und jetzt diesen von den alten Ossis, wo dort doch von Hause aus soviele (Neu)Rechte rumlaufen ...

 

 


 

Schlimmer noch, und keine Ahnung welcher Religion die Eigentümer bzw. Aktionäre von Heinz angehören. So könnte jedoch ob dieser Kaufentscheidung (Boykott?) gar ein Antisemitismusvorwurf erhoben werden. Das dahingehende, faktische Standardwerk -gerade beim Blick in mein Bücherregal daran erinnert- stammt übrigens von dem in einem anderen Blogtext hier thematisierten Moshe Zuckermann. "Antisemit! - Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument" aus dem Jahr 2010 sollte von ansonsten hier zur Thematik kompetent schreibenden BloggerInnen vielleicht (gern nochmals) gelesen werden.

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Kontrast muss sein, auch für den Kopf. Antonio Negri gehört -und soweit im links/rechts-Schema verbleibend- der außerinstitutionellen Linken an. Er hat zusammen mit Michael Hardt den Begriff der Multitude geprägt bzw. neu begründet. Außerinstitutionell, weil eben APO-gleich ohne parteipolitische Bindung und Vereinnahmung. In "Goodbye Mr. Socialism" und hier auch in deutscher Sprache verfügbar wird genau dieser wohl notwendige Abgesang an das herkömmliche Parteiensystem thematisiert, die lockere, strukturarme und damit -im Sinne der Herrschenden- kaum zu zerstörende Gemeinsamkeit der Mehrheit der Menschen, die Multitude als Schwarm und im Kontrast zu den Wenigen, denen mit absolut partikularen Interessen.

Dazu ein Link in die Anfangszeit des neuen Freitag.

Ein "undogmatisches Globalisierungsnarrativ", was Negri denkt und schreibt, vielleicht als Person nicht ganz so markant, so plakativ wie Slavoj Zizek. Ich mag diese Form von politischer Literatur, einer Art Gespräch, einem Frage- und Antwortspiel, hier mit Raf Valvola Scelsi. Aus meiner Sicht ähnlich markant, wie das zwischen Noam Chomsky und David Barsamiam zu "Imperial Ambitions", wohl jedoch nur in englischer Sprache verfügbar.

Und Chomsky darf das, den US-Imperialismus und den Neokolonialismus, das gewaltsame Nationbulding kritisieren....!

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Und nun, so vorbereitet bzw. rückversichert ging es dann am Ostermontag zum Potsdamer Platz, zur sog. Montagsdemo. Nicht als Jubelperser, aber auch nicht incognito. Da sich ja gerade hier bei derFreitag eine große Kompetenz gepaart mit vielfältiger eigene Anschauung und Erfahrung immer wieder zeigt -was die sog. Neurechten, Demos insgesamt betrifft- so war und ist meinerseits mit Sicherheit noch viel nachzuholen.

Einige, natürlich eher marginale und möglicherweise vollkommen irrelevante Erfahrungen sind jedoch vorhanden, von Ende der 1960er in West-Berlin über so manche Veranstaltung mit den Grünen in den 70ern und 80ern bis in die letzten Jahre ab 2007 in Frankfurt, Stuttgart und eben Berlin.

Mir ging es -wie gesagt- eher nicht darum, den Rednern zu lauschen. Bin primär ein Schriftmensch, nehme Audiovisuelles nur sehr dosiert zu mir. Wollte einfach mal das Publikum sehen, die Atmosphäre erleben und mit den anderen Demo-Erfahrungen vergleichen; Unterschiede erkennen.

Das mit Abstand älteste Publikum incl. einem äußerst defensiven Protest war bei Stuttgart-21 zu erleben; kein Vergleich mit dem, als die Grünen noch alternativ waren. Das heutige Publikum (schätze 500 bis 800 Leute) war dagegen vom Alter her beinahe ein Spiegelbild der "Freiheit statt Angst" Demos, wenngleich nicht so bunt wie diese hier in 2011, dem uprising der Piraten.

Was gibt es noch und in aller Kürze zu sagen? Nein nichts Inhaltliches hier, da besteht meinerseits der bereits weiter oben eingestandene Nachholbedarf. Markant bei der Szenerie war jedoch -und auch dass kenne ich eigentlich nur von den frühen Grünen- die vollkommene Abwesenheit von Parteien, deren Symbolen. Und das wird möglicherweise auch noch eine ganze Weile so bleiben, bis irgendwie eine kritische Masse, sprich eine deutschlandweite Teilnehmerzahl erreicht ist.

Aber so eine kleine Agent-Provokateur Einlage unter NPD-Symbolik, das hätte ich schon erwartet; bin also dahingehend etwas enttäuscht...