3 Feb 2014

Kristallnaaach... Godwin's Law revisited

Submitted by ebertus

Gerade in gesellschaftspolitisch kontroversen Diskussionen wird gern, relativ zügig gar und mit subtilen bis offenen sog. Nazivergleichen Deutungshoheit im Diskurs erheischt. Soweit in Kurzfassung "Godwin's Law".

Dass der neue, der nächste Hitler (next corner) wartet, gleich um die Ecke biegt, dieses Szenario wird hierzulande bislang lediglich von den sog. Antideutschen, vielleicht auch vom Gutachser (Jakob und seine Brüder) via entsprechend schräger, plakativer Form dargeboten; in der Regel auf einer persönlich diffamierenden Ebene.

Liegen lediglich die Nerven der Mächtigen, derer politischer und medialer Supermario-Netten zunehmend blank? Oder warum findet die Nazi-Keule, konkret: der Nazivergleich jetzt gar offen eingang in den seriösen Diskurs?

Aber das hier ist keine Kommentardiskussion im Internet, das hier ist die superseriöse, superanständige, superbürgerliche Wochenzeitung >>Die Zeit<<. Josef Joffe ist ihr Herausgeber.

schreibt Stefan Niggemeier und dem ist im spezifisch Inhaltlichen bzw. zur Causa an sich kaum etwas hinzuzufügen.

Im Grundsätzlichen jedoch schon, denn wer Josef Joffe zu Afghanistan beispielsweise, generell zur weltweiten Verteidigung unserer Wirtschaftsinteressen ab und zu gelesen hat, dem wird sehr schnell sehr deutlich, wer bei dem obersten Militärseelsorger im Staate nebst anderer, zuständiger MinisterInnen die geistige Feder führt, die Mentorenstelle inne hat.

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Ist das Vorgenannte, dieser seriöse Vergleich noch zu toppen? Geht es noch deutlicher, was die blank liegenden Nerven betrifft? "Ja!", wenngleich ein Tom Perkins hierzulande nicht so bekannt sein dürfte wie Josef Joffe, eher das repräsentiert, was ein bekannter Politiker mal die Heuschrecken, nannte, wohl deren Dompteure damit meint.

Im superseriösen, superanständigen, superbürgerlichen Wall Street Journal sieht dieser mit Sicherheit integre Leistungsträger in einem Leserbrief die nächste Kristallnacht kommen. Und in diesem Falle nicht einmal explizit bezogen auf die Juden, sondern ganz generell auf die Reichen jedweder Couleur.

I would call attention to the parallels of fascist Nazi Germany to its war on its "one percent," namely its Jews, to the progressive war on the American one percent, namely the "rich."

Da schließt sich der Kreis, müssen sich nun gar die berühmten 85, denen bereits die halbe Welt gehört hinter dem Holocaust verstecken. So deutlich, so seriös, so beinahe hochoffiziell las man es bislang noch nicht.

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Es kütt vüür, dat ich mein, dat jet klirrt,
E Jeräusch, nit ens laut
Manchmol klirrt es vertraut
Selden su, dat mer't direk durchschaut

En der Ruhe vür'm Sturm, wat ess dat?
Janz klammheimlich verlööß wer die Stadt.
Honoratioren inkognito
Hasten vorbei,
Offiziell sinn die nit jähn dobei,

Un zem Laade nur flüchtig vertäut
- die Galeeren stohn längs unger Dampf -
Weet em Hafen op Sklaven jewaat,
Op dä Schrott uss dämm ungleiche Kampf

 

Ansonsten sei der Titel dieses Blog eine spiegelverkehrte, wenngleich meiner Meinung nach ebenso passende Referenz an Wolfgang Niedecken, dessen Kölschrockband BAPSpiegelverkehrt zu diesem Songtext von BAP, einem Text der nach wie vor mahnende Gültigkeit besitzt, der durch diese skurrilen "Vergleiche" jedoch pervertiert, lächerlich gemacht und in sein Gegenteil verkehrt wird.

Gibt es die eigentlich noch? Die Honoratioren inkognito...? Für die sich politisch-mediale Marionetten superseriöse, superanständige, superbürgerliche Eliten weit aus dem Fenster lehnen? Schon mal "Haltet den Dieb" rufen...?

 

verstehe

deine empörung nicht.
du schreist doch auch bei jeder gelegenheit nach dem godwin sin law. egal, ob's paßt oder nicht.
und in http://www.freitag.de/autoren/ebertus/amputierte-versehentlich-den-ganze...
ist dir ja auch kein fettnapf zu flach, um nicht doch voll reinzutrapsen.

Empörung?

Der/mein von Dir hier verlinkte Freitagsblog?

Eine Freitagskommentatorin hat mir eine Frage, gar eine suggestive Frage gestellt. Ich habe versucht ihr aus meiner emotionalen, gefühlten Erinnerung heraus ehrlich zu antworten. Bin dort beim Freitag nicht zum Kämpfen, wie Dir mit Sicherheit bekannt ist.

Die flachen Fettnäpfe spezifizierst Du leider nicht, aber ich vermute einfach mal, es waren "Robinson Crusoe" und "Rosemaries Baby". Bei letzterer fließt zwar kein Blut, ist ein angstmachender religiöser Fundamentalismus jedoch der Grundtenor des Films. Neben mir und meiner (zukünftigen) Frau waren zu dem Fernsehabend Anfang der 1970er noch zwei weitere damals junge Frauen dabei. Die eine hat aktuell gerade ihren dann erst später kennengelernten Mann verloren (you know...), die andere der die Wohnung incl. Fernsehgerät gehörte, deren Namen ich noch erinnern kann, die haben wir später irgendwann aus den Augen verloren. Dass ich diesen Abend noch so präsent habe, so reflektieren kann, das mag Manches erklären. Nicht zuletzt die Tatsache, genau zu der Zeit eben selbst perspektivisch Vater, Mutter, schwanger werden zu können, ein Kind zu haben.

Ok, noch eine Reminiszenz am Rande. Medizinische Hinterzimmerprozeduren haben für mich eine sehr persönliche, sehr nahe Historie, wenngleich diese noch länger zurück liegt als das Vorgenannte. Aber darüber ggf. in direkter Rede.

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Ansonsten und wohl schon klar, bin ich nicht zum Kämpfen dort. Nach der letzten Einlassung der Freitagskommentatorin wäre das nun lediglich noch dieses bekannte, entrüstet bockige Reiz/Reaktionsschemata, welches erklärtermaßen nicht so mein Fall ist.

unerträglich blöd!

bedenkt man die größe eines uneregierten knabenpenis, dann gerät man schon ins staunen, dass diese operation schon/bereits durchgeführt wurde, als es vom hiesigen facharzt nebst klinischem umfeld noch nicht mal den schimmer einer ahnung gab!
vielleicht sind anderthalb völlig weich gekochte gabelspaghetti nen bißchen mickrig, aber sehr viel größer ist das teil, also der penis, nun mal nicht. an dem die vorhaut zu finden und dann mit hilfe eines obsidianmesser auch nur durchzutrennen, gar noch ein stück davon zu entfernen - junge, das ist nicht rosemaries baby sondern ärztliche kunst. da kann ich nur zu etwas mehr respekt vor der frühzeit raten.

nein, was du nicht raffst, das ist, dass in religion so was weltliches wie körperkonzept und sex+gender+crime eingebettet ist (oder umgekehrt religion in sex+....). du meinst, die lubawitscher beschneiden zur ehre gottes? diesem irrtum kann auch nur ein Wolffsohn verfallen. sie tun es zur ehre des menschen!
und da das jüdische geschlechterverhältnis (auch als plural zu verstehen) nicht dem christlichen entspricht, weder in theorie noch in praxis, ist vor allem für christliche a-gnost- wie -theos einfach nicht mehr nachvollziehbar, dass der mensch, zu dessen ehre dies geschieht, ein weiblicher ist.
also, auch wenn es dir anders vorkommen mag: im judentum, auch dem nach-rabbinischen, geht es immer noch wie in islam auch nicht um gott (und dessen beschnittenen+gekreuzigten sohn)sondern um die menschen, welche elohim - was ein plural ist - zu/nach dem bilde der elohim geschaffen hat, also plural!
die jungs aus dem zjd und anderen vorständen können das nicht vermitteln. die haben nämlich noch 'feministischen' nachhol-lern-bedarf.
einem Daniel Boyarin beispielsweise, welcher ein orthodoxer jude ist, muß ich das nicht erklären. der weiß das. weshalb andere und ich auch mit ihm in die diskussion um die details einsteigen können/kann. und glaub mir, die ist allemal spannender als dein vampyretticher debattenbeitrag.

es gibt, um es kurz zu machen, ein recht auf beschneidung wie es ein recht auf abtreibung gibt. in beiden fällen gibt es ein recht darauf, dass diese so geschieht, dass sie keinen schaden anrichtet. am wenigsten schaden richten sie an, wenn sie als recht auf... anerkannt sind. ohne diese anerkennung landet sie im hinterzimmer - und dann wird es gefährlich. - in dem auch beim ethikrat gezeigten film fand die brit nicht im hintezimmer statt sondern in der synagoge. oder ist seit neuestem die synagoge das hinterzimmer?

ich denk mir übrigens, dass der jüdische/muslimische ödipus-schnödipus ganz anders strukturiert ist als der christliche. erlebt der knabe doch, dass der vater ihm auch nichts schlimmeres antun kann als das, was ihm, dem vater, angetan wurde. und aus ists mit der allgewalt und übermacht - nur der christ, auch der ungläubige, hängt da immer noch fest, weil auch ganz ohne kirche seine institutionen dies (mittelalterliche) verständnis von göttlicher allgewalt und übermacht abbilden. bis hinein in sein rechtsverständnis.
wo jede muslima und jede jüdin weiß, dass die gesetze für den menschen da sind und nicht die menschen für die gesetze - da hat der christ, auch der ungläubige, den Jesus, der genau dies auch gesagt hat, immer noch nicht verstanden! dabei steht es explizit im NT zu lesen! (das ist übrigens einer der ansatzpunkte von befreiungstheologie - weshalb der Ratzinger dem Boff ein schweigegelübde auferlegte und der jetzige pontifex in seinem beistand für verfolgte befreiungstheologen auch nicht besonders glänzte.)

Nicht erst seit Neustem

Aus medizinisch-hygienischer Sicht eines Europa des 21. Jahrhunderts und was ernsthafte Eingriffe wie Amputationen betrifft ist auch eine Synagoge Hinterzimmer.

Interessant -gerade so darüber nachgedacht- und möglicherweise am 14.03. beim JKB einer kompetenten Beantwortung zuzuführen wäre die folgende Frage:

Führt die bereit benannte, bekannte Rabbinerin und Ärztin Antje Deusel ihre Beschneidungen ausschließlich im klinischen oder ggf. praxisärztlichen Umfeld durch? Oder fährt sie, wie im bäuerlichen, tierärztlichen Umfeld üblich, auch über Land und nimmt Beschneidungen sozusagen "vor Ort" vor; eben auch in Synagogen und an anderen faktisch öffentlichen Plätzen oder gar explizit privathäuslichen Umgebungen?

Die Antwort wäre erst einmal Spekulation, oder?

ich sag nur

krankenhauskeime. fordern jährlich in 'schland mehr menschenleben als beschneidung weltweit.

In Konsequenz also

mehr ernsthafe medizinische, chirurgische Eingriffe, Operationen, Amputationen etc. in Synagogen, Kirchen und Moscheen durchführen. Dort sind die Keime wenigstens gesegnet, sprich in der Regel harmlos oder eben von Gott gesandt.

Sag ich doch: Rosemaries Baby...