13 Jan 2014

Beifang zur Rosa Luxemburg Konferenz

Submitted by ebertus

Melodie&Rhythmus... Bezüglich der grundlegenden Intention zur diesjährigen Rosa Luxemburg Konferenz mag separat noch etwas geschrieben werden. Hier vorab eine Anmerkung aus dem Bereich von Kunst&Kultur.

Vom Alter, der "Generation West" her bin ich wohl ein sog. Bravo-Kind, obwohl die Zeitschrift dieses Namens damals von mir kaum gelesen wurde; die Konkret dagegen, für die u.a. eine Ulrike Meinhof vor ihrem Irrweg des Terrorismus schrieb, beinahe regelmäßig.

Die Melodie&Rhythmus, auch so ein Fossil aus DDR-Zeiten (wie Der Freitag, wengleich dieser formal erst 1990 gegründet wurde) ist mir durch meine Kontakte zur damaligen DDR-Musikszene zumindest rudimentär bekannt. Und sie ist ebenso wie der Freitag -wenngleich unter anderen Rahmenbedingungen, sprich: Besitzverhältnissen- nach wie vor um das ökonomische Überleben kämpfend.  Die Position der Chefredaktion ist seit langem vakant, wie bei Wiki nachzulesen ist.

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Gestern nun während der Rosa Luxemburg Konferenz und eher beiläufig wurde die neue Chefredakteurin vorgestellt. Es ist Susann Witt-Stahl, die bereits das nächste Heft Ende April (Erscheinung zweimonatlich) verantworten wird. Die Zeitschrift soll politischer (linker?), klassenkämpferischer werden und gleich die erste Ausgabe unter neuer Chefredaktion wird ein Stück weit dem israelischen Soziologen und Marxisten Moshe Zuckermann gewidmet sein.

Nun sind mir Witt-Stahl (via der Zeitschrift Hintergrund) und auch Zuckermann nicht ganz unbekannt, waren beide vor einigen Monaten real zu erleben, als Moshe Zuckermann sein aktuelles Buch "Wider den Zeitgeist Bd. II" während einer Podiumsdiskussion in Berlin vorstellte. Das Buch ist aus meiner Sicht absolut lesenswert. Zuckermann reflektiert in dieser Essaysammlung zum Kunst- und Kulturverständnis von Adorno und überträgt es -kritisch fragend- auf die Jetztzeit, auf die vorherrschende Trashkultur; Brot&Spiele als bunte Glasperlen zur Stabilisierung von Herrschaft.

Zuckermanns Reflektionen und speziell sein Text zu "Wagner in Israel" waren meinerseits Anlaß, gestern am Rande besagter Konferenz mit Susann Witt-Stahl ein wenig zu plaudern.

Auch wenn Wagner nicht so zu meinen Favoriten im Rahmen von klassischer Musik zählt, so bin ich dennoch der Ansicht, dass eine dahingehend anspruchsvolle Zeitschrift klassische Musik ebenfalls zu einem Thema machen sollte.  Sog. Programm-Musik, Tondichtungen von Jean Sibelius (Karelia Suite) bis Modest Mussorgski (Pictures at an Exhibition) bieten Anlaß, den Bogen zu populärer, dennoch anspruchsvoller Musik -und eben deren textlich-informative Aufarbeitung zu schlagen. Oder war man da vor gut vierzig Jahren mit der Musik von The Nice oder auch Emerson Lake and Palmer bereits viel weiter?

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Ok, die Zeit gestern war zu kurz, um das Vorgenannte, meine (spontane) Erwartungshaltung vertiefend zu diskutieren. Vielleicht wird auch meinerseits die Meßlatte gar zu hoch gelegt, habe ich mir doch anläßlich des Besuches der YokoOno-Retrospektive im letzten Jahr (Schirn-Galerie Frankfurt am Main) mal wieder die Mutter aller Musikzeitschriften geleistet; den RollingStone. Und wer genau das noch vertiefen wollte, der mag ein wenig in die Geschichte eintauchen, zu Yoko&John aus 1981 und  ebenda nachlesen; als klassische Vinyl-LP in meinem Besitz...

Ansonsten und nicht zuletzt mag dieser Text hier als Beitrag zum Thema Medien, Medienkrise, sog. Qualitätsjournalismus und eben auch Paywall etc. verstanden werden. Nicht aus Anietersicht, sonderen aus -zugegeben- einer möglicherweise sehr spezifischen Konsumentenperspektive.

 

Noch einige interne, dem Thema angemessene Links hier:

Bilder einer Ausstellung als kleiner Eindruck zur Frankfurter Ono-Retrospektive

Seasons of Glass thematisiert die erste LP von Yoko Ono nach John Lennons Tod

180 Gramm Vinyl geht ein auf den sehr selektiven Hype, was die Vinyl-Langspielplatte betrifft

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Aus gegebenem Anlass

darf hier auch gern mein dahingehend identischer Freitagsblog erwähnt werden. Selbst ein @Columbus hat sich nach kurzer, wohl notwendiger Ermahnung bereitgefunden, dann etwas Konstruktives zur Causa zu schreiben.