30 Mai 2013

Augsteins Payroll, Paywall

Submitted by ebertus

Beim Freitag steppt der Bär, brennt die Luft, laufen eh' hochfrequente SchreiberInnen zu Höchstform auf. Die Zahl der entsprechenden Blogs zu Bezahlsystemen im Allgemeinen und dem Augstein-Blog im Besonderen ist kaum noch überschaubar. Mitlesen kann lohnen, weniger wegen der persönlichen Extrovertierung Einzelner, denn der teilweise guten inhaltlichen Tiefe und weitestgehend ohne die sonst so beliebten persönlichen Anfeindungen.

Ok, es ist schon etwas schräg, wenn sich Augstein hinter dem Springer-Konzern im Sinne von "Hannemann geh' Du voran" beinahe entschuldigend versteckt; konkret und implizit dann doch erkennbar zugegeben, sein eigens geplantes Bezahlmodell für den Freitag im Hinterkopf hat. Andererseits und eben in dem Blog als unterschwellige Intention gelernt, ist Jakob Augstein primär Spiegel-Erbe und Gesellschafter. Die jüngsten Quereleien beim Spiegel -wo auch Augstein als potentieller Chefredakteur ventiliert wurde- scheinen da der Vater des Gedanken, die Mutter aller Paywall-Schlachten.

Und wie gesagt, bitte (auch hier) inhaltlich bleiben! Erschüttert hat mich einerseits das Eintreten einer DvW für die sog. Kulturabgabe (statt der GEZ-Gebühr) - im Endeffekt erwartbar dann doch eher zusätzlich; meine Meinung. Andererseits wurde Augstein von der genannten Kommentatorin sehr deutlich aufgefordert, ein eigenes Bezahlmodell für den Freitag vorzulegen und dann einzuführen. Dass intern und unter Teilnahme von Augstein dahingehend ebenso über den Spiegel diskutiert wird, dies darf getrost unterstellt werden. 

Ja, mit der Forderung von DvW gehe ich gern konform und der Worte sind genug gewechselt. Macht doch einfach mal, ihr Verleger und gern auch ohne den Rückhalt einer zwangsweise eingetriebenen Haushaltsabgabe. Das nennt sich, wie mal gelernt, dann "Freie Marktwirtschaft", die ja -zugegeben- auch bei der sog. Bankenkrise schlußendlich doch hintenan gestellt wurde, als es galt das bestehende Besitz- und Herrschaftssystem zu erhalten. Ein System, bei dem (siehe das Propagandamodell von Noam Chomsky) die Medien eine entscheidende Rolle spielen.

Ergo, es bleibt spannend, soweit der große Leviathan nicht weitergehend und fürsorglich -aus Verlegersicht- eingreift. Genau das jedoch ist aus meiner gern verschwörungstechnisch zu verstehenden Perspektive (schleichend) erwartbar - und mein bislang resonanzloser Einwurf in einem weiteren der aktuell kaum noch überschaubaren Paywall-Blogs beim Freitag adressiert genau diese Befürchtung.

Btw. "Brot und Spiele" oder auch "Sex and Crime sells". Das mit dem immer gern gehypten sog. Qualitätsjournalismus, der doch sein Geld wert sein müsse, das war wohl wirklich nicht mehr als ein Hype, eine Fata Morgana, ein naiver Wunsch. Dieser Text bei Carta entfernte mir dahingehend auch noch die letzten Schuppen vor den Augen. Wer außer dem Springer-Verlag, der Bild-Zeitung könnte dies so genial und möglicherweise auch erfolgreich umsetzen?. Anders herum, wie werden der Spiegel und der Freitag dann unter einem wie auch immer gearteten Bezahlsystem aussehen, welches Publikum werden sie adressieren? Fürsorglich zu unser aller Besten weitergedacht ist diese schöne neue/alte Welt ebenfalls, schließlich gibt es keinerlei formalen Zwang, sich Apple-Equipment für den realistisch-bigotten Blick auf die Welt zuzulegen. Die nachträgliche Verbrennung von papiernen Büchern, Zeitungen etc. ala Fahrenheit-451 erspart man sich damit; soweit gleich von vorn herein nur politisch Korrektes auf den medialen Teller kommt.

 

Paywall vs. Werbung?

Oder beides zusammen? Volle Dröhnung!

Der Augstein-Blog neigt sich nach gut vierhundert Kommentaren nun wohl langsam dem verdienten Ende entgegen. Die hochfrequenten Helden sind erkennbar und zunehmend müde. Weil jedoch @WolframHeinrich direkt auf einen meiner dortigen (ich glaube nun insgesamt vier) Einlassungen antwortete, weil gerade heute vormittag und zur GEZ den Beitrag bei Telepolis gelesen, so musste ich mich einfach noch einmal zu Wort melden; den Telepolis-Link eingeschlossen.

mir scheint das eher eine "Geiz ist geil-Debatte" zu sein

bei der immer neue Gründe dafür gefunden werden, warum man nicht zahlen will.

Ich frage mich allerdings, wenn es an der mangelnden Qualität liegt, wieso man dann dort überhaupt liest.
Nur, weil es nichts kostet? Für mich ist das, wie vieles was dort geschrieben wird, scheinheilig und bigott.

Genauso wie der Versuch der hier zitierten DvW, die Augstein Schuld zuweist, dass es dF finanziell schlecht ginge, weil er es versäumt habe, ein Spendenkonto einzurichten.

Wer glaubt denn ernsthaft, dass es auch nur eine nennenswerte Spendenbereitschaft "for nothing" gäbe, wenn schon für Online-Leistungen keine Zahlungs-Bereitschaft erkennbar ist.

Auch das also nur populistisches Geschwätz, nur um die Taschen zu zu lassen.

Ich kann den Verlagen nur empfehlen, nur registrierten Abonnenten den Zugang zu Online-Dienstleistungen zu gewähren.
Dabei sollte es zwei Abonnements geben: die klassische Form, die automatisch den Online-Dienst beinhaltet, und ein neue reines Online-Abo, das dann auch günstiger sein sollte.

Die Geschwätzblogger, die eine "soziale" Auseinandersetzung brauchen, können sich ja auf den entsprechenden Plattformen verlustieren.

Ein kostenloser Zugang parallel zu bezahlten Diensten dürfte bald Geschichte sein, zumal sich dort häufig die "Gestörten" versammeln um dann noch den Hausherren zu bepöbeln.

Ansonsten fände ich ein verlagsunabhängiges Forum interessant, in dem die Publizisten ihre Artikel einzeln gegen Bezahlung anbieten könnten.
Da bietet sich Paypal als Bezahlart an.

Immerhin...

Der letzte Punkt klingt wie ebay für Autoren. Wer dort Geld haben will, das ist klar. Aber wer zahlt? Und in welcher Form? Plus den natürlich anfallenden Gebühren für dieses Autoren-ebay einschließlich der notwendigen Vorleistung, das Forum erst einmal aufzubauen, anzuschieben. Das nur mal zum Formalen, zum Technisch-Administrativen, zum Betriebswirtschaftlichen. Das Inhaltliche kommt dann noch dazu, ist eigentlich das, was "mich" als Leser, als Konsument primär interessiert.

Und Obiges gibt es ja bereits als in der Regel "non-profit" Autorenblog. Habe immer mal die Geschichte von "Carta" verfolgt, dort mitgelesen.

Insofern schließe ich mich dahingehend einfach nochmals der DvW an. "Nun macht doch endlich, ihr Medienmogule" von Springer bis Augstein.

So, jetzt muss ich los, Zuckermann wartet, ist mir der Abend 5 Euro Eintritt wert!

Mitlesen im Augstein-Blog

lohnt durchaus, wie bereits geschrieben.

Über den Hinweis von @MCMAC bin ich auf diesen wunderbaren, nachdenkenswerten Text in der Berliner Zeitung gekommen. Das waren noch Zeiten, als die maßgebenden Medien nicht lediglich zwischen Hofberichterstattung und Vermittlung des doch so alternativlosen Sachzwanges oszillierten.

Und die richtigen, wichtigen Fragen eines @OLAF im Augstein-Blog veranlassten mich gar zu einer spontanen Antwort.