18 Jul 2011

Züchte Raben

Submitted by ebertus

Geraldine Chaplin, der feuchte Traum mancher Nächte, soweit man "damals" und als junger Mann auf diese Art von Frau stand. Von ihrem spanischen Lebenspartner Carlos Saura bis hin zu Rainer Werner Fassbinder eine sehr gerade Linie, die filmische Aufarbeitung der 68er Ära, einer Frage nach der morbiden, der gutbürgerlichen Gesellschaft, welche und gerade in diesen beiden Ländern den Faschismus erst möglich machte.

Nichts von diesem "Wissen" bezüglich der Raben, dem eines aktuellen Beitrages im Freitag und wer in Charly Chaplin nur den Komiker, den Witzbold sieht, der kommt mit Sicherheit auch auf seine Kosten. Die politischen, die "unamerikanischen Umtriebe" als Tribunal, als moderne Inquisition begannen für Chaplin im Grunde erst nach "Der große Diktator" und führten 1952 zu einer sich Jahrzehnte später bei Wolf Biermann ähnlich wiederholenden Situation: Nach einer Reise nicht mehr "zurück" zu dürfen.

Geraldine Chaplin, hier in einem lesenswerten ZEIT-Interview, lebt auch diese politische Tradition ihres Vaters weiter, sind ihr die Tragweite und die allfällige Diffamierung von Menschen sehr bewußt. War sie doch, vielleicht ohne es damals wirklich zu erkennen, mit Carlos Saura, mit "Züchte Raben" und anderen Projekten in der ausklingenden, postfaschistischen Ära des Caudillo bereits sehr Nahe am gesellschaftspolitischen Geschehen.

Warum dieser kurze Beitrag hier? Ab morgen und für knapp drei Wochen habe ich das Glück, in Berlin weilen zu dürfen. Sie läuft bereits, diese Chaplin-Retrospektive und Tochter Geraldine wird ebenfalls zugegen sein. Ok, der eine oder andere Film, das eine oder andere Event am Rande sollte schon noch mit meiner Teilnahme rechnen dürfen, das Rahmenprogramm bzw. die Sonderveranstaltungen verdienen ebenfalls Beachtung.