31 Jan 2014

Religiöse Posse

Submitted by ebertus

Arisch/Jüdisch rein sei das Blut! Ideologie, gar Religion kann durchaus lustig sein, können Fanatiker jedweder Couleur aber auch sehr gefährlich werden. Gerade die Juden Europas haben dies in der Vergangenheit erlebt, genauer: erlitten; und daraus gelernt?

"Uncle says Yair, 23, is spitting on the graves of his grandparents by dating a norwegian woman"

Der Sohn von Benjamin Netanyahu geht fremd. Nein, nicht im herkömmlichen Sinne, schließlich ist er offiziell ja noch nicht einmal gebunden. Und er braucht  auch nicht pink gewaschen werden; wenigstens das bleibt dem Vater erspart, ist dahingehend alles ganz normal...

Dennoch laufen die Religiösen, die Orthodoxen in Israel derzeit Sturm gegen die mögliche Liaison des Jair Netanjahu mit einer norwegischen Frau protestantischen Glaubens. Zum Judentum überzutreten sei wohl das Mindeste, was von der netajahuseitig Erwählten zu erwarten wäre. Christ, Moslem oder Jude kann heute doch fast Jede(r), fast überall werden. Aber was sagen dann die dergestalt überrumpelten sarrazinesken Gene...?

Erinnert aus deutscher, gar aus Freitags-Sicht irgendwie an Broders Jakob und seine Brüder, gerade was den letzten Absatz dort im verlinkten Text betrifft. Auch wenn im vorliegenden Fall das von Broder&Co. immer gern als historischen Gruselfaktor gegen "Jakob und Co." gewendete Judenblut nicht gleich vom Messer spritzt, so ist nachwuchsseitig eine Vermischung des jüdischen Blutes mit dem einer Ungläubigen nicht vollkommen ausgeschlossen.

Und btw. Beschneidung. Gerade Norwegen hat, wie während der hiesigen Beschneidungsdebatte zu erfahren war, dahingehend sehr restriktive Vorschriften in der Planung bzw. gar bereits umgesetzt. Ein derart (religiös) notwendiges, doch nicht ganz unblutiges Branding des möglichen männlichen Nachwuchses dieser Beziehung müsste dann wohl außerhalb Norwegens durchgeführt werden, wird die Mutter bei Wiedereinreise hoffentlich nicht strafrechtlich belangt ...

 

ganz deutlich

es geht in der geschichte nicht um religion.
wie es übrigens in der beschneidungsdebatte auch nicht um religion ging, sondern um körperpolitik.
und da liegt der grund, weshalb die best friends so unbeholfen schwiegen (bis auf Riedel, der ja meinte, mit ihm als avant-garde wären die halsstarrigen juden schon umzustimmen): sie können über körperpolitik nicht nachdenken. sie können sie nur genauso bewußtlos vollziehen wie sie an ihnen vollzogen wurde. und in ihnen die illusion herstellte, genau diese körperpolitik hätte sie zu freiem denken und entscheiden befähigt.

leute, die glauben, sie hätten frei denken gelernt, weil man ihnen nicht die vorhaut abgeschnitten hat, können nur schwer verstehen, dass diese intervention von schas und onkel Ben-Artzi mit religion nichts zu tun hat.
die religion sieht da nämlich erst mal garnichts vor. der Jair trifft sich mit ner schickse? nu, soll er! wie sonst soll er lernen, wie ein guter jude mit der fremden frau umzugehen hat? - man muß dazu wissen: fremd bedeutet in hebräisch fremd im sinne von aus einem anderen land und fremd im sinne von anders-kultig bis götz-dienerisch, wobei die samaritanerin genauso fremdkultig war wie die verehrerin von Astarte+Baal und die liberale rabbinerin es genauso ist wie die evangelikale. sich von diesen frauen nicht verführen zu lassen lernt man nur, wenn man sich von ihnen verführen läßt.
die religion tritt erst dann wieder auf den plan, wenn es ans heiraten geht. und wenn der junge heiratet, ohne die frau konvertiert zu haben (du erinnerst dich? es gibt dafür eine anleitung) oder aber gar selbst fremd-kultig heiratet, also schmaddet - dann sieht die religion vor, dass schiwe gesessen wird als sei er gestorben.
das wissen die orthodoxen, auch die von schas. und der onkel weiß es auch, der hat es nämlich studiert.

der onkel und schas bringen nun aber den gedanken ins spiel, durch das dating des Jair mit der evangelikalen norwegerin werde der politische körper des staates Israel verunreinigt, geschändet.
das ist politik. und eben nicht religion.

Sagen wir mal so,

dass der Übergang von Religion zu Politik (vice versa) in Israel sehr fließend gehandhabt wird, sowohl als provozierende Polemik, als auch via der manchmal offenen, dann oft auch wieder recht subtilen Gesetzgebung nebst praktischer Rechtssprechung. Soviel meine ich, immerhin gelernt zu haben.

Es bleibt meinerseits -zugegeben- dennoch ein gewisses Unverständnis bei der Zuordnung bzw. dem Vergleich; wie gerade in meiner letzten Antwort beim Freitag zu @ELISREA ausgedrückt.

du verwechselst da was

nämlich religion mit theologie/religionsgesetz/en.
bei letzeren gibt es diese flirrigen übergänge, bei religion nicht.
in der jetzigen geschichte haben wir es mit dem letzteren zu tun. manchmal bis meistens sind sich säkular=frei von religion wähnende allerdings so ahnungslos, dass sie das letztere mit dem ersteren verwechseln.
also noch mal: das, wozu schas wie der onkel was sagen ist genau dasselbe wie das, wonach du auch schon gefragt hast. was ist Israel als jüdischer staat - im unterschied zu staat von juden/für juden? ein politischer körper, dem sich die körper der menschen anzuverwandeln haben. und da wird es wirklich flirrend. denn die halacha (das religionsgesetz) verbietet nicht beziehungen zu nicht-jüdinnen. die sieht sie als lernprozess. und greift erst dann wieder ein, wenn einer nicht das 'richtige' gelernt hat.
die politik in Israel will dies lernen radikal abkürzen. und jegliche beziehung zu wie auch immer 'außen' verbieten, pönalisieren. auch Netanyahu will das. blöd nur, wenn sein Jair ne schickse datet. das macht ihn angreifbar.

die 'schlandische beschneidungsdebatte würde ich da nicht untermuscheln. die hatte nämlich - außer bei den anti-deutschen - mit Israel garnichts zu tun.

Ich finde schon,

dass die Beschneidungsthematik bzw. Debatte exemplarisch in diesem Spannungsverhältnis von Religion/Theologie/Religionsgesetzen zu Politik, Nationalismus etc. beinahe wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge passt.

Oder haben die Berufsoffiziellen (pro) und beispielsweise ein Wolffsohn (contra) das alles falsch verstanden bzw. bewußt irreführend in Richtung der/uns unwissenden Deutschen formuliert. "Körperpolitik" wie Du es nennst kam da eher nicht vor, viel war dagegen von religiösen Gesetzen, Vorschriften, Traditionen und (zumindest implizit) Nationalismen zu lesen, die jede(r) TeilnehmerIn an der Diskussion dann sehr individuell und für mich als Außenstehenden oft absolut widersprüchlich, widersprechend gegenüber den anderen auslegte.

Eben keine Gaußsche Normalverteilung...

kann ich was dafür,

dass die berufsoffiziellen Foucault eher nicht lesen? und ihnen deshalb das entsprechende vokabular (das nicht einfach nur vokabular ist)fehlt?
für die unter den kritikerinnen der beschneidungsdebatte - das urteil inklusive - die Foucault lesen, war und ist es klar, dass es um körperpolitik ging und geht. aber ich weiß auch, dass es mir nicht gelungen ist, dies den aufrechten kämpfern für die naturbelassenheit der knäblichen vorhaut und die freie entscheidung über deren er- und ausgewachsenes schicksal rüberzubringen. was, wie ich annehme, am gruselfaktor von mezia b'pe liegt. der schlägt das denken allemal. weshalb auch du völlig gedankenlos die kritikerinnen der debatte zu beschneidungsbefürwortern zu erklären beliebtest.
nochmal: in der beschneidungsdebatte geht es darum, ob der andere nicht nur anders ist, sondern wie anders er sich selbst zum anderen macht UND ob die vom anderen aus gesehen anderen ertragen können, dass und wie selbstbestimmt der andere dies anders-sein herstellt. das war und ist der kern der debatte.
bei/an/mit Jair geht es um etwas anderes. nämlich darum, ob der sohn des premier den politischen körper Israels repräsentiert und als ebendieser repräsentant einem besonderen reinheitsgebot unterliegt.
dies reinheitsgebot scheint aus der religion zu kommen.
aber ein blick in die schrift zeigt: bullshit!
zwar gibt es ein königsgesetz - aber kein könig hat sich dran gehalten. das hatte Samuel übrigens warnend eingewandt, als das volk von ihm verlangte, er möge ihnen doch einen könig salben. yhwh sagte dazu: gibt ihnen doch, wenn sie es so wollen - und Samuel gab und salbte Saul, später David, und dieser polygamist klaute dem hethiter Uria die frau - und die wurde die mutter von Salomon. grad so, wie es immer wieder 'fremde' frauen waren, die in der religionsgeschichte Israels für die fortsetzung derselben durch geburt eines erben sorgten.
von Herodes dem großen, dem sproß einer zwangsjudaisierten idumäischen familie, will ich garnicht erst anfangen....
etwas anders verhält es sich mit den hohepriestern. für die galt tatsächlich ein besonderes reinheitsgebot. aber auch das erst ab dem moment, in dem sie hohepriester geworden waren. vorher galten für sie die regeln wie für alle anderen auch. und die besagen: du sollst zwar nicht herumlüstern, aber... was bedeutet, dass dating etwas anderes ist als verlobung+heirat.
sicher schien es wünschenswert, dass mann sich nicht mit 'fremden' frauen einläßt. aber für den fall, dass mann dies folgenreich tut, gibt es im religionsgesetz (halacha) regeln. die sehen alles mögliche vor - außer zwangsheirat und bann/verstoßung.
das wissen die leutz von schas ebensogut wie onkel Haggai und eine jeder andere, der ausgehend von der mishna mal nachguckt, was denn so geschrieben steht.
und deshalb sage ich: es geht um den politischen körper. etwas, was es bislang im judentum wie auch in Israel nicht gab - im christlichen Europa war das anders, da gab es das und wir haben bis heute damit zu tun.
nun kriegen die also in Israel auch damit zu tun...
wohingegen hiesige royals auch die ehe mit bürgerlichen nicht mehr für einen unverzeihlichen fehltritt halten. und das daten sowieso nicht. noch nie.

Nicht gedankenlos,

sondern im Rahmen meiner Möglichkeiten, meines Horizonts. Und dafür kann -Blasphemie- zuviel Deteilwissen, nein eher Meinung, gar hinderlich sein. Das Internet mag dahingehend für geisteswissenschaftliche Zauberlehrlinge (like me) gar von Vorteil sein. Zu beinahe jeder im Brustton der Überzeugung vorgebrachten These (Meinung) ist relativ schnell auch eine ebenso seriös klingende Antithese (ebenfalls natürlich Meinung) zu finden. Detailwissen ist (leider, glücklicherweise?) oft nicht so wichtig, wie das Erkennen ob und inwieweit die Thesen divergieren.

Insofern und nicht nur im Nachhinein liegt der Wertmüller auf den Bahamas mit seiner Kritik an den jüdischen Berufsoffiziellen, der Suche nach jüdischer Identität wohl sehr richtig.

feiert das dort Thematisierte in der Causa Yair Netanjahu fröhlich (im Wortsinne lustig...) Urständ. Hatte u.a. den Wertmüller-Text hier und beim Freitag in einem kleinen Blog etwas reflektiert. Gerade die Antideutschen und allen voran Mentor Broder haben sofort erkannt, dass sich da sehr schnell eine ansonsten doch so gern kritisierte, nun spiegelbildliche "Blut und Boden-Ideologie" entwickeln kann.

Deine "Körperpolitik" mit all den Weiterungen habe ich mit Interesse zu Kenntnis genommen, wir dies hier und anderswo diskutiert. Aber das war es dann aus der Distanz gesehen auch schon. Es blieb im (globalen, deutschen) Diskurs zwischen den Berufsoffiziellen, den Wolffsohns und den Antideutschen dann eine doch sehr begrenzte Minderheitenposition;

mit einer im Tenor, im Kontext möglichen Ableitung, ja, als "BeschneidungsbefürworterInnen"?

mir ist scheißegal

ob die frau nachbarin ihren knaben am 8.tag, im 8. oder erst im 80. jahr an der vorhaut beschneidet!
ich habe diese gewohnheit nicht. also kann ich nur sehr bedingt darüber befinden, ob die frau nachbarin dies weiterhin darf oder soll oder muß oder nicht. ungefähr so, wie ich auch nur sehr bedingt darüber befinden kann, ob andere ihre kinder hauen sollen dürfen oder nicht.
allerdings kann ich über die schädlichkeit oder nützlichkeit von kinder-hauen besser befinden als über die von vorhaut-beschneiden. weshalb ich für mich befand, es sei gescheiter, diese gewohnheit aufzugeben denn sie weiterzupflegen.
albern finde ich es allerdings, dies gesetzlich gesondert zu regeln (das eine wie das andere - gilt übrigens auch für schwangerschaftsunterbrechung). und verheerend, denn aus säuernis darüber, dass der gesetzgeber (der bekanntlich höher ist denn alle vernunft) ihnen das kinder-hauen gesetzlich verboten hatte, fanden viele, nun dürften sie ihrerseits auch mal anderen was verbieten, gesetzlich, versteht sich.

so viel dazu.
ansonsten bleibt festzuhalten: jeder mit anti-muslimistischem resentiment mußte sich in der debatte zurückhalten. also taten diese pappnasen von Broder bis Wertmüller dies auch, der eine mehr der andere weniger wortreich.

die sache mit Jair ist eine andere. auch und obwohl es beim dating leicht mal zum einsatz des beschnittenen genitals kommen kann. zwar besagt ein gebot, mann solle nicht herumlüstern und frau erst recht nicht. aber, wie das so ist mit dem 'bösen trieb' - man tut es ja doch. weshalb die halacha dafür die eine und andere ergänzende regelung kennt.
damit könnten schas wie onkel Haggai sich zufrieden geben - ginge es nicht die ganze zeit darum, das jüdische am staat Israel festzustellen. eindeutig festzustellen.
da bleibt nur die dating-reinheit des body politic.
und vermutlich sind etliche andere in Israel ganz froh, dass schas und onkel Haggai diesen part übernommen haben. weil nämlich die goi'im drauf reinfallen und es für ausdruck von religion halten und sie deshalb als die aufgeklärten dastehen.

Könnte mir auch

scheißegal sein. Habe viel gelernt und auch einiges verstanden.

Nur hatte ich eben angeregt -soweit es Europa, die hiesigen und durchaus oft sehr ernsthaften Diskussionen betrifft- den medizinisch-hygienischen Fortschritt sowie die zivilisatorischen und formalrechtlichen Rahmenbedingungen nicht wieder über Bord zu werfen; wie es mit der neuen gesetzlichen Regelung ja nun ein Stück weit geschehen ist.

Natürlich, die Fachärzte am Jüdischen Krankenhaus in Berlin können auch Fehler machen, nur Hinterzimmerprozeduren, amerikanische Verhältnisse wie in diesem unten verlinkten Telepolis-Artikel erwähnt, wären dann nicht so häufig zu erwarten. Weder der durchaus tragische Einzelfall, wie auch in den erwähnten Fallzahlen:

"Dem Kinderarztverband American Academy of Pediatrics zufolge kommt es bei jeder 500. Beschneidung zu ernsteren Komplikationen."

"Auch Mordechai R. verfügt lediglich über ein Zertifikat des American Board of Ritual Circumcision. Auf seiner Website behauptete er, dass eine von Ärzten in Krankenhäusern durchgeführte Beschneidung gegen jüdische Religionsgesetze verstoße."

Nun, mit seinem konsequenten Schnitt hat er dann wohl doch eine Art "Körperpolitik" umgesetzt. Kann mich erinnern, dass Derartiges hierzulande während der Beschneidungsdebatte als böse Karikatur auftauchte, diese sofort als antisemitisch entlarvt wurde ...

welche formalrechtlichen rahmenbedingungen

wurden über bord geworfen?
jede*r wo mag darf anzeige wg. KVpp erstatten.
kein elternteil of all three+x sexes darf zur zustimmung gezwungen oder übergangen werden.
jede brit geht schneller als die operation im saal.
die meisten muslime und juden und ezidi und aleviten und allerlei christen und aborigines und khosa und ????? haben ihr genital minus vorhaut noch. und vermehren sich und haben je nach begleitsexualmoral auch himmlisches vergnügen, wo unbeschnittene gerade mal sex haben, manche sogar nur mit viagra.
nicht-beschneiden ist übrigens auch körperpolitik. mit zuweilen verheerenden folgen.

welche folgen es hat, wenn man mal eben per gesetz in eine wie auch immer gemeinschaft hineinregiert, läßt sich beispielhaft an sati/witwenverbrennung ablesen. mit ganz gravierenden folgen bis heute.

kurzum: das einzige, was die debatte am laufen hält, ist, dass der schock darüber, ebenfalls gemacht und verletzbar zu sein, von den unbeschnittenen immer noch nicht verarbeitet wurde. Putzke tobt heute noch herum.
auch der sollte mal Foucault lesen.
und du Kantorowicz, die zwei körper des königs.

allerlustigst anzuschauen

und zu lesen ist ja, wie die best friends und übrigen panzerknackerjungs nun schas und onkel Ben-Artzi verteidigen. grad so, als habe die junge frau den jungen mann in der art eines antisemitischen anschlags aufs judentum in sich verliebt gemacht.
gleichzeitig reden leute, die sich von 5% muslimen in 'schland überfremdet fühlen, 15% orthodoxe in Israel zu einer unbedeutenden minderheit klein.
genau diesselben leute, die, spielte die geschichte mit einem muslimischen potentiellen 'thronfolger', sofort auf mittelalter mindestens erkennen täten. dabei: der ganz gwöhnliche islam verlangt nicht, dass die ehefrau konvertiert, so sie einer buchreligion angehört - hauptsache, die brut wird muslmisch erzogen.
letztlich aber geht es ganz schnöde um politik+amt. war doch opa Ben-Artzi genauso ein revisionist wie opa Netanyahu.