17 Mär 2014

Boykottvariationen

Submitted by ebertus

Putin made in Israel. Die Politik nebst der staatstragenden Medien hierzulande gibt sich aktuell ganz aufgeregt. Wann und wie darf endlich hochoffiziell boykottiert, alte und neue Stärke gezeigt werden?

Ja, boykottieren wir endlich auch Rußland, ist doch die Welt der Guten mittlerweile per Definition wieder im Lot, zumindest stillschweigend hingenommen. Und es sind die gnadenlos entlarvten Schurkenstaaten wieder dort, wo sie immer schon waren; im Grunde hingehören.

 Das nationalsozialistische "kauf nicht beim Juden" oder das -ironischerweise- israelische Gegenstück des "spiel nicht Wagner" instrumentalisiert genau diese faktisch staatlich gelenkten Klavitatur, ebenso wie der Boykott von Nordkorea oder dem Iran. Warum aber eigentlich nicht Saudi-Arabien boykottieren? Die Menschenrechte in unserem Sinne sind dort mit Sicherheit nicht besser aufgehoben als im Iran oder partiell in Israel. Aber da seien genau die als beinahe finales Credo obenan stehenden Wirtschaftsinteressen vor.

Sog. Boykott via Grassroots ist erst einmal harmlos, wird in der Anfangszeit belächelt; lächerlich gemacht. So war es damals, als es gegen das Apartheidregime in Südafrika ging, so verhielt es sich eine ganze Zeit lang was den Boykott gegen die völkerrechtswidrige Besatzungspolitik Israels angeht. Erst wenn die Grasswurzeln anfangen zu schmerzen, dann änderte, ändert sich die Szenerie. 

"Made in settlements" titelt aktuell die taz und fasst dann lediglich zusammen, was primär außerhalb Deutschlands und dahingehend an Entwicklungen stattfindet, langsam die Wirtschaftsinteressen (hier wie dort) zu gefährden scheint. Es ist die andere Seite der Medaille, welche durch äußerst kontroverse Diskussionen im akademischen Umfeld gerade in den USA bestimmt wird.

Natürlich, staatlich vorgegebener Boykott ist immer guter Boykott, da muss man lediglich Vertrauen in die (gewählte) Führung haben und darf dann ganz beruhigt mitlaufen.

Boykott von unten dagegen braucht viele, viele aktive Teilnehmer, erfordert bei den potentiellen Akteuren eine sehr spezifische Reflektionsfähigkeit, ist nicht Top-Down anzuordnen, nicht zentral zu steuern, nur begrenzt zu diffamieren. Und wenn er dann weh tut; umso besser...