11 Mai 2010

Erfurter Verhältnisse - reloaded

Submitted by ebertus

Interessant, wie der mediale Mainstream zur Zeit die Variante rotrotgrün für NRW als mögliche, gar realistische Option aufbaut. Der gleiche Mainstream, der genau diese Häme beinahe als Lebenselixier braucht, hessische Verhältnisse anschließend und wohl genüsslich wiederholen, geifernd wiederkäuen wollte.

Nein, es wird keine Kraftilanti geben, weil 1. Hannelore Kraft im Gegensatz zu Andrea Ypsilanti eher den noch verbliebenen, konservativen Teil der SPD vertritt und 2. die SPD bei allem medial vertärken Siegesrufen schon genau weiss, in welcher misslichen Lage sie nun steckt. Diese Tatsache - und im krassen Gegensatz zu dem erwähnten "Hurra" - kann man in einem wirklich treffenden Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs in der SZ lesen.

Was bleibt also? Und wo ist wirklicher, gern auch historisch vergleichbarer Realismus gegeben? Natürlich, die Ampel geht rein rechnerisch und ebenso Jamaika. Hier verengt die Junge Welt dann doch etwas die Optionen. Aber...Kraft ist nicht Ypsilanti, wäre wohl - soweit in Hessen angesiedelt - eher bei der sog. Viererbande zu finden, konnte sich auch im Vorfeld der NRW-Wahlen zu keiner klaren Agenda-Absage durchringen; teilweise eher schon bizarr in der verklausulierten, mehrfach erläuterten, gewendeten Zustimmung hinsichtlich der spätrömischen Westerwelle-Dekadenz.

Nochmal gefragt, was bleibt also? Ja, erst mal hinhalten, taktieren, auf Fehler "der Anderen", auf sog. Angebote warten. Und dann - Matschielanti lässt grüßen und sobald die CDU ihren Rüttgers mit gewisser Schamfrist auf einen gut dotierten Job (wo und was auch immer) weggelobt hat - mit eben dieser, der dann gar nicht mehr so bösen, schlechten CDU eine große Koalition bilden. Alternativloser Sachzwang natürlich; und staatstragend in jedem Fall.

Ansonsten? Bleibt zu hoffen, dass sich die Linken nicht verkaufen. Ein paar virtuelle oder gar reale Silberlinge, Pöstchen etc. ist es nicht wert. Wer über den Tisch gezogen wird, der sollte die dabei entstehende Reibungshitze nicht mit angenehmer Wärme, nicht mit Zuneigung oder gar Sympathie verwechseln.

 

Neuwahlen

Jens Berger (Der Spiegelfechter) bringt schlußendlich in seinem Beitrag auf Telepolis eine weitere, mögliche Variante in's Spiel. Und wenn das dann - da sei aber Kraftilanti vor - so quälend wird, so ausgeht wie in Hessen...

 

Redeverbot...?

Jeder möge das mal für sich persönlich und für seine allfälligen Beziehungen reflektieren. Wenn mir ein X sagt, von mir fordert, er würde nur mit mir reden, wenn ich verbindlich erkläre mit Y dann nicht mehr zu reden...

Was würde ich, was würde "man" dann auf diese Zumutung wohl sehr impulsiv antworten?