28 Apr 2010

Webhosting - extern vs. intern

Submitted by ebertus

Wer eine kleine - oder auch perspektivisch größere - Website plant, diese ggf. bereits unterhält, eine Site die über das lokale Netz hinaus (wohl die Regel) erreichbar sein soll, muss diese Web-Präsenz ja "irgendwo" speichern und pflegen.

Im Rahmen dieses "irgendwo" sollten neben schnödem Speicherbereich natürlich auch alle sog. Dienste verfügbar sein, die der Betrieb einer nicht vollkommen trivialen Website nun mal erfordert. Dazu im Folgenden nun einige Gedanken, fokussiert auf die im Beitragstitel angedeutete Fragestellung, angereichert nicht zuletzt durch eine gewisse doch schon vorhandene Erfahrung des Verfassers dieser Zeilen. Beruflich geprägt via Microsoft (MS) stellten sich die Fragen nach dem "wie" und "wo" erst mal nicht so deutlich. SharePoint (eben von MS), als kleine und preiswerte Testinstallation, gehostet damals in 2007 bei Schlund&Partner (später von 1&1 übernommen) war der erste Versuch. Es war schon zu erkennen, dass die Bausteine, Strukturen und Abläufe "officeartig" und eher TopDown angelegt waren; und die clientseitig zur vollen Funktionsvielfalt nötige (eben MS) Software empfand ich doch schonetwas als Gängelung. Richtig kritisch wurde es dann jedoch, als ich bestimmte User (Namen) nicht anlegen konnte. Meine Anfrage bzw. Beschwerde per Mail beim Hoster ergab sinngemäß folgende Antwort: Dies ist eine sog. "Shared" Anwendung mehrerer Nutzer (like me) auf diesem Server und die im jeweiligen Sharepoint-Web verwendeten Usernamen werden eins zu eins auf den darunter liegenden Server (Windows Server 2003) abgebildet.

OK, that's shared hosting, ein erster Einblick zu den pro's und con's. Kosten und Vertragslaufzeit waren vernachlässigbar, also wurde das Experiment dann bald beendet. Von SharePoint erst mal nicht lassen wollend, etwas an persönlichen Beziehungen genutzt, so war dann die Testinstallation von Sharepoint auf einem dedizierten Server der nächste Schritt. Das Problem mit den Usernamen war damit gelöst und siehe da, weitere Funktionen im Hinblick auf Zugriff, Rechtevergabe und Gestaltung der Website waren plötzlich möglich, die es auf dem extern gehosteten Sharepoint nicht gab. Ebenso und in dem Zusammenhang natürlich existentiell war der Zugriff via Remote-Software (auch in Verbindung mit getunneltem VPN) auf die Rootebene des Servers. Dennoch, Sharepoint zeigte Grenzen und die zwangsweise notwendige Verwendung eines Windows-Servers (Kosten, Lizenzen etc.) nicht die einzige Einschränkung, wie weiter oben bereits angedeutet.

Um die Perspektive zu wechseln, wurde in dieser Zeit - natürlich ebenfalls testweise, mit überschaubaren Kosten und kurzen Laufzeiten - so ein dedizierter Server für Windows Server 2003 bei einem bekannten Webhoster angemietet. SharePoint lief darauf zufriedenstellend aber die beinahe regelmäßigen Abstürze des gesamten Servers - in der Regel dann mit erforderlichem Neuaufbau - nervten doch sehr. Die beliebig oft durchzuführende Neu- bzw. Grundinstallation war zwar im Support enthalten, aber natürlich auch zeitaufwendig. Das Sichern und wieder Einspielen der (geringen) Testdaten nervte ebenfalls; obwohl eben lediglich Testdaten. Den Todesstoß gab dieser Variante jedoch die nicht zu realisierende VPN-Verbindung. Recherchen in einschlägigen Foren legten den Schluß nahe, dass hier der Hoster entsprechende Sperren eingebaut hatte; gern aus Securitygründen, aber eben nicht zu akzeptieren. OK, etwas her schon, es mag heute ander sein.

Parallel zu den vorgenannten Aktivitäten erfolgte natürlich und in Zusammenhang mit der kompletten, komplexen Thematik ein Blick über den (eigenen) Tellerrand. Linux (wird bei preiswerten, externen und dedizierten Server gern angeboten) wollte ich auf meine alten Tage nicht auch noch beherrschen, aber auf schnödem XP (hat ja beinahe jeder "irgendwo" eine legale Lizenz (ggf. via PC/Notebook-Kauf) kann man ebenfalls aufbauen. Die frei verfügbaren und nutzbaren Bausteine namens Apache (Web Server) und MySQL (Datenbank) laufen auf einem XpPro ohne wirkliche Einschränkungen. Ebenso FileZilla (FTP-Server) und hmailserver (Mail-Server, wie der name bereits impliziert. Wer wenig schrauben will, nutzt im ersten Schritt das Rundum-Installationspaket namens XAMPP - hier allerdings mit Mercury als Mailserver; was man nach der Erstinstallation natürlich bei Bedarf ändern kann. Gesagt, getan, und SharePoint oben d'rauf geht da nun mal nicht, die Frage nach einem "vernünftigen" Content Management System (CMS) stellt sich also sehr ernsthaft. Um es dahingehend kurz zu machen, später und in anderem Zusammenhang vielleicht mehr zu schreiben, hier nur die Resultate: Angeregt durch einen c't-Artikel kam Joomla zur Anwendung und seit Anfang April, nach entsprechendem Vorlauf, bildet nun Drupal die Basis dieser Website als produktives System. Die Kernfrage dieses Beitrages sollte damit vorerst einen gewissen Rahmen erhalten haben und es stellt sich also nun die Frage, "wo" und "wie" hostet und bereibt man eine derartige Webpräsenz? Grundsätzlich und mit den genannten Modulen (Apache, MySQL etc.) erst mal lokal auf der einer eigenen (XP) Maschine im lokalen Netz. Auch wenn es schwer fällt, aber eine lauffähige Grundinstallation beweist nur wenig. Da muss schon etwas mehr gebaut werden, sollte das gewählte CMS mit verschiedenen Modulen, unter diversen Szenarien getestet werden. Für externes Hosting stellen sich drei grundsätzliche Varianten zur Verfügung:

1. Reines Hosting der Website

2. Hosting auf einem virtuellen Server

3. Hosting auf einem dedizierten Server

Die Kosten sind in der Regel ansteigend, wie hier die aufgezählten Varianten, sie können sich, wie die Leistungsumfänge, natürlich auch mehr oder weniger überlappen - sowohl bei den Kosten als auch bei der gebotenen Gegenleistung. Ein Testaccount mit kurzfristigem Ausstieg ist daher, und soweit man noch keine tiefergehenden Erfahrungen hat, rein betriebswirtschaftlich schon sehr sinnvoll. Die Unterschiede der drei genannten Varianten mögen Gegenstand eines weiteren Beitrages sein. Hier sollen - themabedingt - lediglich einige Gemeinsamkeiten diskutiert werden; die da wären:

# Definierte Leistung zu in der Regel fixen, überschaubaren Kosten

# In der Regel schnelle, providerseitig garantierte Netzanbindung

# Kein Unterbruch der Verbindung (wie bei privatem dSL 1x in 24 Stunden)

# Service/Hilfe über eine - mehr oder weniger - kostengünstige Hotline

# Oft incl. einem relativ automatischen Backup (Daten und/oder System)

# Abhängigkeit vom externen Provider - über die reine (dSL)-Leitung hinaus

# Mögliche Performanceeinschränkungen bei "shared" Systemen

# Nur begrenzte, individuelle Anpassungen am "System" möglich

Jeder möge da für sich, für "seine" Anforderungen die Vorteile und die Nachteile heraus lesen, sich gern weitergehend informieren. Und nicht jeder hat, vielleicht über eine Testinstallation hinaus, die Rahmenbedingungen für ein privates Hosting in der eigenen Umgebung. Denn auch dort gibt es Gemeinsamkeiten, positive wie negative:

# Unbeschränkter, voller Zugriff auf den Server incl. aller Ressourcen

# Nutzung von älteren Geräten; und z.B. auch XP-Lizenzen

# Volle Eigenverantwortung für das Backup von System und Daten

# Trennung der dSL-Verbindung; in der Regel einmal alle 24 Stunden

# Beschränkter, bei Servern wichtiger Upload (z.B. 1000 bei einem 16.000er)

# Zusätzlicher Stromverbrauch, permanent über das Jahr

# Einrichtung und Verwaltung eines sog. "dyndns"-Accounts

# Erforderliches Know How bei Servereinrichtung und Diensten

Und neben den eher technischen Aspekten, von denen sich bei Eigenhosting doch einige - nicht alle - ein Stück weit relativieren lassen, worüber es hier einen separaten Beitrag geben soll, so spielt das Thema Vertrauen und Datenschutz natürlich ebenfalls eine Rolle - für Einige von uns zumindest. Die Geschichte mit Amazon's Kindle ist zwar krass, aber doch wohl lediglich die Spitze des Eisberges, macht us alle zu "puppets on a string", liefert uns digital vollkommen aus. Daher, und man ahnt es bereits, wäre meine Empfehlung, sich den eigenen Server in den eigenen Keller zu stellen; um es mal ganz salopp zu sagen. Nicht jeder der eine Seite betreiben wollte hat den Platz, die Möglichkeit. Nicht jeder mag meinen, sein Content sei auch nur ansatzweise schützenswert. Nicht jeder kann oder will sich mit dem zweifellos nötigen Know How anfreunden. Daher und nicht zuletzt dafür mag dieser Beitrag auch als eine gewisse Selbstreflektion angesehen werden, das eigene Handeln einfach mal aufzulisten, zu dokumentieren, die jeweiligen Vorteile und Nachteile halbwegs systematisch abzuwägen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger!