19 Nov 2012

Hitler's Secret Backers

Submitted by ebertus

Wenn der Text zu diesem kleinen Buch in irgend einem rechten Portal erschienen wäre, ja dann wäre die Intention klar, "deutsches Reinwaschen" angesagt. Nur ist Tom Segev ein anerkannter israelischer Historiker und Haaretz eine bekannte, mediale Stimme in Israel; leider zunehmend via Paycontent. Ein Artikel also von den zehn, welche nach Anmeldung dort im Monat frei zu lesen sind.

Tom Segev schreibt über eine Publikation, welches 1933 und relativ bald nach der Machtergreifung Hitlers in Holland erschien und relativ visionär -für diesen Zeitpunkt- nach den finanziellen Ressourcen der Nazis fragt, gewisse Antworten geben wollte. Das Erscheinen eben dort in den Niederlanden und genau in diesem zeitlichen Zusammenhang, dass ist auch unter Historikern unbestritten. Ob es einen realen Autor mit dem namen Sidney Warburg gab, das ist eher zweifelhaft, gar unwahrscheinlich. Die Unterstützung der Nazis durch Großindustrielle und Finanziers dagegen ist wohl belegt; und eben nicht nur aus Richtung origin deutscher Kapitalgeber.

Ich finde derartige historische Geschichten durchaus spannend und sie sind dann meinerseits oft genug Anlass, noch etwas weiter zu recherchieren, gerade auch, was die erwähnten Figuren und deren Vita betrifft. Und auch Tom Segev, mit Bezug auf einen Doktoranden an der TelAviv-University kann sich abschließend sehr gut vorstellen, dass zu diesem Themenkomplex noch weiter geforscht werden darf, seriöse Wissenschaftler sich nicht von den begleitenden Gefahren des Vorwurfs von Antisemitismus etc. abhalten lassen. 

Der fiktive Autor, angeblich aus einer bekannten, jüdischen Bankiersfamilie stammend,  war ja im Grunde nur Vermittler, so der Tenor auch in weiterführenden Einlassungen. Die möglicherweise stattgefundenen finanziellen Transaktionen haben keinen spezifisch jüdischen, denn einen origin kapitalistischen Hintergrund. Hier gilt das bekannte Lenin-Wort von den Kapitalisten, die -in ihrer Gier- gar noch die Stricke verkaufen, an denen sie später aufgehangen werden. Und warum sollten US-Kapitalisten nicht auch an den Reparationszahlungen im Zuge des ersten Weltkrieges verdienen, davon profitieren; ein Geschäft eben ...

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Neben diversen, eher verschwörungstechnisch angehauchten oder mit erwähnt eindeutiger Intention daher kommenden Texten im Netz, so scheinen mir zwei doch erwähnenswert. "Der Warburg-Bericht", ein Text in deutscher Sprache fasst das von Tom Segev Geschriebene zusammen und erweitert es in gewisser, selektiver Weise. Für den Autor steht die Fälschung an sich und das nachlaufende Prozedere im Vordergrund, geht er inhaltlich im Grunde nicht auf die Thematik ein. Wer des Englischen nicht so mächtig ist, der kann hier zumindest das Grundsätzliche dieser Geschichte(n) nachvollziehen.

"The Myth of Sidney Warburg" dagegen geht in englischer Sprache über den reinen Ablauf der Ereignisse, der Benennung von direkt und indirekt Beteiligten auch inhaltlich auf den Text des Buches, auf die Hintergründe der finanziellen Transaktionen ein und benennt ein ganzes Stück weit Roß und Reiter. Während dem Lesen mag gern immer wieder daran erinnert sein, dass dieser Text 1933 entstand, unser heutiges Wissen über den weiteren Gang der Ereignisse eben nicht gegeben war.