24 Aug 2012

Halt du sie Dumm, ich halt sie Arm ...

Submitted by ebertus

... nimmt der Minister flüsternd den Bischof beim Arm". Soweit Reinhard Mey vor einigen Jahren  in einem nach wie vor aktuellen, zunehmend relevanter werdenden Liedtext. Der Rollback in die Feudalgesellschaft wird nicht nur durch die sog. Neoliberalen verbrämt propagiert. Immer dabei sind andere Teilhaber der Macht, die Religionen; und in genau dieser Form von Mittelalter bis Frühzeit. Die Beschneidungsdebatte führt diesen Sachverhalt vor unser aller Augen auf aktuelle und dennoch neue Höhen.

Hier geht es nicht um die aktuelle Diskussion, die primär religiös begründete Amputation der Vorhaut. Hier geht es um zwei Texte, zwei Lieder von Reinhard Mey, welche nicht zuletzt als Kritik von institutionalisierter Religion daher kommen und deren Aktualität trotz einer gewissen Überzeichnung im "Narrenschiff" eher noch steigerungsfähig scheint. Sei wachsam, und der erläuternde Vorspann sei gern eingeschlossen.


Ebenso der Link auf den Text, und Religionskritik kommt via "Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach Sitten..." hier eher sehr dezent daher; wenn da nicht vorher bereits der Hinweis auf Minister und Bischof hier den Titel zum Blog ergeben hätte. Ja, wie in der Beschneidungsdebatte schon mal angeregt, so wäre es auch hierzulande hohe Zeit für eine sog. "Dritte Kammer" neben Bundestag und Bundesrat. Gottesstaaten soweit das Auge reicht; nicht zuletzt der Blick in den Spiegel genügt.

Aber Reinhard Mey hat noch mehr zu bieten und sein Narrenschiff  ist schon (beinahe) Realität, oder?



Auch hier wieder der Link auf den Text, und auch die Warnung "vor dem schlimmen alten Mann in Rom" kommt sehr dezent daher. Aber gerade darin liegt wohl die Stärke, die Intention von Reinhard Mey. Nicht mit dem Holzhammer in gar vulgärer Attitüde, sondern triggern, anpieken, zum (gern schrägen) Weiterdenken animieren.


Und dass Reinhard Mey nicht erst "neuerdings" in diesem Denken unterwegs ist, das mag ein älteres Lied zumindest ein Stück weit bestätigen, war "Menschenjunges" auch für mich Begleitung des Vaterseins:

Natürlich, der Link auf den Text darf nicht fehlen. Und dieser ist mit Sicherheit realitätsnäher, philisophischer und gar "wärmer" gestrickt, als all diese dogmatischen, diese fundamentalistischen, diese provozierenden, diese unterstellenden und vielfach verbissenen "Vergleiche" im Gemischtwarenladen der Beschneidungsdebatte.

Ja, merkbar bin ich auch von dieser teilweise schon bizarren Debatte infiziert, muss mich beinahe mit Gewalt von jenseitigen, von suggestiven Zumutungen freimachen. Ironie oder gar Sarkasmus hilft natürlich ein Stück weit, auch wenn dabei immer die gefahr besteht zu überziehen; gerade in der Meute, der scheinbar anonymen Menge  eines second life.

Insofern mag dieser Blog hier als Rückbesinnung zu verstehen sein; auf reales, gelebtes Leben.

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Gern als Ergänzung: Reinhard Mey hat natürlich eine eigene Website.