26 Mär 2014

Eine erfolgreiche Bezahlschranke?

Submitted by ebertus

Natürlich, die "New York Times" spielt in einer anderen Liga als "derFreitag" So wird bei der NYT bereits seit Jahren und recht kreativ mit den entsprechenden Bezahlmodellen gearbeitet; zumindest experimentiert. BigMoney darf das, kann das wie auch hierzulande. Die Abos laufen gut, so ist zu hören; in 2013 sind sie um 19% gestiegen, ist zu lesen. Fragt sich nur, auf welcher Basis? Und in welcher Relation zum Gesamtumsatz bzw. Gewinn der Mediencompany.

Aber damit Gutes noch besser wird geht man jetzt bei der NYT gemäß heise.de einmal mehr neue Wege, betreibt sogenanntes Data-Mining, um den potentiellen Kunden jeden Wunsch, aber auch ein möglicherweise verärgertes Ziehen der Reißleine (sprich: Abokündigung) rechtzeitig von den Lippen ablesen zu können.  Und da geht es nicht um die eher zweitrangigen Befindlichkeiten einer Community. Da soll Qualität geliefert und bitteschön dafür bezahlt werden. Top-Down eben, weil Bottom-Up gibt's ja Data-Mining. Natürlich, das sei in positivem Sinne unterstellt, werden die anfallenden Daten ausschließlich für Abrechnungszwecke verwendet!

Bei so einem gläsernen Kunden, da fallen schon einige Infos an ist es dann lediglich die Frage,

"...ob die geschäftlichen Probleme der "New York Times" vielleicht mit maschinellem Lernen behoben werden können";

oder -eher gängig- sehr kreativ (nervende) Werbung betrieben werden müsste; ansonsten das aktuelle Bezahlmodell gleich mal wieder komplett überarbeitet werden sollte. Ein bereits drei Jahre alter Artikel in der ZEIT macht deutlich, welche skurrilen Räder dort bei der NYT mit großem Engagement gedreht wurden. Wie die zehn oder zwanzig frei lesbaren Artikel ohne Anmeldung denn getriggert, gar über unterschiedliche Plattformen und Zugriffswege aufsummiert werden, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Aktuell sind jedenfalls alle Artikel der NYT via Browser zu lesen; so mein Eindruck. Ob dies (zwischenzeitlich) mal anders war, das mag ich nicht beurteilen. Die gespeicherten Links in meinem Lesezeichen-Archiv funktionieren jedenfalls noch immer, einschließlich dem (gern exemplarisch) von einem anderen Blogger hier mal angeschleppten Snow Fall.

Was wohl in jedem Falle kontraproduktiv wäre, das ist die natürlich denkbare Möglichkeit, den Zugriff auf Paycontent nur noch über die entsprechenden APP, also primär auf Mobilgeräten anzubieten. Das mag zwar technisch leichter lösbar sein, als die heterogene Weld der stationären, der relativ offenen Betriebssysteme und Browser ebenfalls zu adressieren; aber wer lässt sich als zahlungswilliger Kunde den schon auf eine bestimmte, gar eindeutig proprietäre Technik festnageln?

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Für meinen Teil, meine mit Sicherheit sehr subjektiven Anforderungen und über das Inhaltliche hinaus wäre festzustellen, dass funktional bzw. technisch gesehen APP nicht gleich APP ist. Die der NYT und als Schnupperversion beim Tabletkauf enthalten, die wurde dann recht schnell wieder entsorgt, lese/konsumiere ich nicht nur die NYT, im Grunde alle Medien überwiegend via Browser. Im Gegensatz zu den gängigen Mäusekinos, sprich: Smartphones geht das auch auf dem Tablet (10,1''Diagonale, HD-Auflösung) recht gut.

Als Kontrastprogramm sei hier die APP der Tagesschau genannt, die nach meinem Eindruck gerade für das Smartphone optimiert ist; eben dort von mir genutzt wird. Aus anderer Perspektive ebenfalls ein Kontrastprogramm bietet die englische Ausgabe der israelischen Tageszeitung Haaretz. Dort muss man sich für die ausgelobten zehn freien Artikel im Monat in jedem Falle, in jeder neuen Browsersession explizit anmelden.

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Ok, wie das alles bei dem Springer-Verlag hierzulande, bei Bild und Welt etc. technisch und betriebswirtschaftlich funktioniert? Keine Ahnung, aber wer weiss da schon konkreteres, in Relation setzendes, die Technik näher beleuchtendes; über die immer mal zu lesenden Verlautbarungen in eigener Sache, das Pfeifen im dunklen Wald hinaus hinaus?