29 Jul 2014

Al-Quds Tag in Berlin

Submitted by ebertus

Aller Bilder und Videos: Bernd Ebert

 

Wegen der Ereignisse im Nahen Osten, der anhaltenden Bombardierung, ja Vernichtung der Lebensgrundlagen von fast einer Million Menschen im Gazastreifen war es aus meiner Sicht angezeigt, Solidarität zu zeigen und am Freitag (25.07.2014) bei dieser Demo mitzulaufen; vom Adenauerplatz bis zum Wittenbergplatz, von 15 Uhr bis 18:30 und teilweise regnete es recht heftig.

 


 

 

Ein weiterer Beweggrund für die Teilnahme war (und ist) die Hinterfragung großmedialer Manipulation. In die Ukraine oder nach Syrien, gar nach Israel und in die von Israel besetzten Gebiete kann ich nicht reisen, mir dort ein eigenes Bild machen. Da bin ich -wie die meisten Menschen hierzulande- auf Informationen angewiesen, denen und deren Überbringern man glauben kann, vielleicht auch glauben möchte.

Was die Berichterstattung via dem medialen, dem systemkonformen Mainstream zu möglicherweise nicht genehmen Demonstrationen hierzulande betrifft, so war dies in den letzten Monaten bei den sog. Montagsdemos sehr exemplarisch zu erleben. Diffamieren, die Nichtrelevanz von einzelnen Personen und Themen als angeblich bestimmend aufblasen und ansonsten ignorieren, das zog und zieht sich als informelle Regieanweisung durch die (Nicht)berichterstattung und selbst die kürzliche Großdemo, der Marsch am 19.07.2014 vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz, die sehr deutlich das aktuelle Agieren von Israel benennende Rede von Evelyn Hecht Galinski, insgesamt die beeindruckende Abschlußkundgebung eben dort eingeschlossen, das war den Herren über die veröffentlichte Meinung keine ernsthafte Notiz wert.

Bezüglich der Proteste gegen das Vorgehen Israels gegenüber Gaza musste großmedial, erkennbar relativierend bis entschuldigend, einmal mehr die bekannte Antisemitismuskeule herhalten, wurde das Agieren Israels hinter dem Judentum versteckt, bewußt mit diesem in eins gesetzt und damit via dem ansonsten drohenden Antisemitismusvorwurf jegliche Kritik marginalisiert. Mein Interesse und neben dem bereits genannten Zeigen von Solidarität galt nun der Frage, welche Relevanz antisemitische, judenfeindliche Parolen und andere Äußerungen bei derartigen Protesten besitzen; ob es sie überhaupt gibt. Diese, mein Perspektive ist natürlich subjektiv zu verstehen, war ich zwar vollumfänglich dabei und mittendrin, konnte nicht überall zugleich sein und wollte dennoch meinen Eindruck und die eigene Meinung hier festhalten.

 

 

 

 

 



Überraschend..., als mich die Rolltreppe vom U-Bahnhof (Video) mitten in das Geschehen brachte, da musste ich spontan an Volksfest denken, kam beinahe familiäres Feeling auf. Viele Frauen, jüngere und sichtbar Erwachsene, wenige mit Kindern im Kinderwagen, eher mit Plakaten und Transparenten bestückt. In der Regel in traditioneller Kleidung und mit Kopftuch, nie jedoch vollvermummt; wie dies hierzulande, im sarrazinesken und latent islamophoben Tenor gern vermeldet wird.

Bis zum Start des Marsches gab es noch einen Redebeitrag, den ich als angenehm, als defensiv und dennoch eindeutig benennend empfand, der zwischen Israel -wo aus globaler Sicht betrachtet gerade mal die Hälfte der Menschen jüdischen Glaubens leben- und dem Judentum als Religionsgemeinschaft deutlich unterschied. Bezüglich der Atmosphäre, der Mitnahme entsprechender Eindrücke (nebst Bildern) war auch noch Zeit, die mitgeführten, die hochgehaltenen Transparente und Plakate anzuschauen, ggf. Grenzwertiges zu erkennen; konkret war da nichts!

Nach meiner Schätzung waren es rund zweitausend Menschen, die sich dort versammelt hatten und dann auf den Weg machten. Der mediale Mainstream sprach später von rund 1200 Teilnehmern. So what... Gleich am Adenauerplatz und von einer Doppelreihe Polizisten abgetrennt gab es auch eine kleine Gegendemonstration, sprich: Israelsupport. Bei deren Zahl wiederum nannte die später veröffentlichte Meinung rund 700; nach meiner Schätzung waren das eher nur 150-200 TeilnehmerInnen zu sehen. Offiziell verkündete Ironie nebst gehörigem Augendeckel klappern natürlich, denn da wären die beiden Demos (1200 zu 700) ja nicht so extrem unterschiedlich groß gewesen, wie es faktisch zu sehen war. Ein schönes Beispiel von medialer Manipulation, gleich zu Beginn, hat möglicherweise gar die für derartige Zahlen zuständige Polizei im Sinne der kanzlerinnenseitig verkündeten Staatsräson positiv mitgezählt. So what, again...

Ansonsten und was die Polizei betrifft, so darf deren Agieren hier ein großes Lob ausgesprochen werden. Sobald die demointernen OrdnerInnen(viele jüngere Frauen auch dort dabei) überfordert schienen, ihrer Aufgabe wegen der aus den Seitenstraßen permanent gestarteten Provokationen der militanten Israellobby nicht mehr gerecht werden konnten, dann schritt sofort die Polizei ein, isolierte die Provokateure.

 

 

 

 

 

 


Was vielleicht nicht so allgemein bekannt sein dürfte -war es mir bis zur intensiveren Beschäftigung mit der Thematik ebenfalls nicht- so gibt es zumindest einen weiteren, gar internen und kaum hintergehbaren Indikator dafür, dass das Judentum mit Israel nicht in eins zu setzen ist, nationalistischer, rassistischer und faktisch atheistischer Zionismus mit dem Judentum wenig bis nichts gemein hat, dieses lediglich als Feigenblatt benutzt. Diese Tatsache zeigte sich einmal mehr auch auf der Berliner Al-Quds Demo, als (ultra) orthodoxe Juden an der Spitze des Marsches (Video) dabei waren. Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, dahingehend weitergehendes Interesse hat, der mag sich gern auf dieses Interview mit dem Rabbi Dovid Weiss einlassen. Oder, als eher textbasierte Variante einer Hinterfragung des explizit sich jüdisch verstehenden Staates, die Analyse von Sari Nusseibeh nachlesen.

Zurück zur Demo und nach einem Halt am sog. Kranzlereck (Ku-Damm, Ecke Joachimsthaler), wo vom Lautsprecherwagen herunter aus dem Koran zitiert wurde, ging es dann weiter zum Wittenbergplatz, einer relativ kurzen Abschlußkundgebung eben dort.

 

 

 

 

 

 

 

 


Auch an dieser Stelle beim KaDeWe, rechts aus der Seitenstraße heraus (Video) gab es eine weitere, wohl letzte Provokation durch die israeltreuen Gegendemonstranten. Aber bei der sichtbaren Polizeipräsenz, den Demozug dann sofort nach rechts abschirmend, da kamen wohl weder die "best friends" noch die auf staatsräsonaler Linie liegenden Medien auf ihre Kosten.

Und das war mit Sicherheit auch gut so...!