1 Jan 2012

Lektüre zum neuen Jahr

Submitted by ebertus

"However, living here and rubbing shoulders with settlers and Palestinians also influenced his political views, he adds. "When I came here I believed in a two-state solution. Over time I learned that this is nonsense. There is no such solution and there never will be. This is one country and that's how it will continue to be. Each of the two peoples want the other to leave here, but you will have to find a way to live together. Without separating."

Nick Waplington via Haaretz ! Eine gern subjektiv zu verstehende, gar emotionale Aussage entgegen der hierzulande herrschenden Staatsräson, dem eingeforderten Konsens bis hin zu einer sich darunter fügenden Linkspartei. Eine Aussage, für die man (hier) mindestens "Antisemit" genannt werden darf, darüber hinaus der aus antideutschen Sektiererkreisen schon mal angdrohten "Vernichtung" anheim gestellt ist. Und dennoch ein kleines Stück Hoffnung über die beiderseitig martialisch sich gebenden Konfliktparteien einschließlich deren Verbündeter hinaus.

Der Photograph und Kosmopolit Waplington, mit seinen Werken in New York und London vertreten, hat selbst eine faszinierende Vita einschließlich der jüdischen Wurzeln; möglicherweise nichts Besonderes dort im jüdisch-arabischen Raum. Der oft sehr kontrovers diskutierte Begriff vom "Volk" bietet unter diesen Aspekten eine viel weiter gehende Perspektive als das schon mal dumpfe appelieren an ein "die Reihen schließen" gegen das vermeintlich  Fremde, gar Böse.

Ein Text, wie er zu Beginn eines neuen Jahres hoffnungsvoller bald nicht sein kann. Ein Text, durchzogen mit warmer, positiver Ironie, mit historischen und künstlerischen Anleihen, ein Text mit konkretem Blick auf das, was dort das praktische Leben sich nennt; und nicht zuletzt ein Text mit klarem Bekenntnis zu den Menschen dort und jenseits plakativer, gar einseitiger Schuldzuweisungen.

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Ein formaler Kritikpunkt vielleicht, der das "Einlassen" etwas behindert: Die weiter oben verlinkte Website von Nick Waplington öffnet zwar mit einem beeindruckenden Panorama, das Navigieren, Suchen und Finden gestaltet sich jedoch sehr mühsam; schade eigentlich.