11 Mai 2011

The German Autobahn

Submitted by ebertus

Gestern, bei law blog, wo ich immer gern mitlese aber nur im Ausnahmefalle kommentiere, gab es einen doch etwas launigen (mein Eindruck) Beitrag des Blogbetreibers, dem Rechtsanwalt Udo Vetter. Thema waren sog. "Böse Leuchtzeichen", aus herkömmlicher, formaler Sicht Nutzung von Lichthupe und ggf. der Blinker. Dabei wird von Vetter auf den "auch bei Juristen nicht sonderlich bekannten § 5 Straßenverkehrsordnung" abgehoben. Das Interessante, wie könnte es auch anders sein, sind dann die Kommentare, "des Volkes Stimme" also.

Böse Leuchtzeichen, zur Einstimmung - und keine Ahnung, warum ich dort (unter 9.) meinen Senf dazu geben musste - möge eben dieser "Senf" und die später (u.a. via 37.) aufgelaufene "Antwort" hier kurz angeführt sein. Kommentierte also, und vielleicht auch etwas launig, leicht ironisch und zumindest pragmatisch; dachte ich:

ebertus meint: (10.5.2011 um 19:19)

In den USA ist die Lichthupe nach meinen diversen Eindrücken "drüben" kein Thema. Maximal 75 mph, den Cruiser rein und dann ist auch rechts überholen erlaubt. Wo ist das Problem?

Außer bei den eiligen Geschäftsleuten (nur hierzulande?) und immer für Millionenaufträge unterwegs, dazu die Firmen-Tankkarte und die "nette" 1%-Regelung auf Kosten der Allgemeinheit. Mist nur, dass Einige aus dieser Allgemeinheit immer mal wieder dafür sorgen, dass man auf 200 runterbremsen muss; weil es eben links keine weitere Spur mehr gibt. Tragisch…

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Bürger meint: (10.5.2011 um 21:24)

Schade, mir stehen die Tränen in den Augen. Da muss man selbst hier falsche Rechtsansichten und Sozialneid lesen. Wo ist das einstige Niveau?

Ich möchte dazu nur folgendes anmerken:
@Jens Becker: Du hast leider überhaupt nichts verstanden. Es geht darum, die Überholabsicht anzuzeigen, nicht das ich jetzt überhole. Diese kann ich auch haben wenn auf der linken Spur vor mir noch X weitere Fahrzeuge die Spur blockieren. Ich hoffe du bist hier nur aus Langeweile unterwegs und nicht als Jurist.

@ebertus: Aus deinem Beitrag spricht der pure Neid. Zudem sachlich völlig falsch. Wenn du jemals in den USA gewesen wärst, müsstest du wissen, dass es dort erlaubt ist rechts zu überholen. Demnach ist es ein nicht vergleichbarer Sachverhalt. Abgesehen davon ist dort der Sozialneid nicht in unserer Form vorhanden, dort werden teure Autos bestaunt und nicht verachtet.

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Nun, das mit dem Niveau lassen wir mal dahingestellt, aber wer lesen und verstehen kann ist sicher etwas im Vorteil. Dass ich häufig in den USA bin, mir sehr wohl bekannt ist, dass man dort in der Regel auch rechts überholen darf, das hätte der wissende "Bürger" doch aus meiner Einlassung extrahieren können. Nicht wissen kann er natürlich, dass mir aus eigenem Erleben, ja Genießen sehr wohl bekannt ist, wie angenehm und kostengünstig doch so ein auch für die private Nutzung freigegebener Firmenwagen unter der 1%-Regelung und mit entsprechender Tankkarte ist. Je größer, schneller, teurer der Wagen, umso größer ist die absolute Ersparnis. Nur die linke Spur, die kann man darüber nicht direkt kaufen, muss sich schon mal in die dort herrschende Hackordnung einreihen, wegen der vielen Idioten dort eben gelegentlich auf 200 runterbremsen. Und damit vielleicht zum Kern dieser, meiner Reflektionen hier und leidlich jenseits des Volkes Stimme.

Fakt ist, dass es in der Regel weniger die absolute, denn die relativ zur Situation unangepasste Geschwindigkeit ist, die zu umfangreicheren Unfällen mit hohen Sachschäden und viel Leid für die Betroffenen führt. Da können bei Glätte, im Nebel, bei einem Sandsturm (wie erst kürzlich) bereits 80 oder 100 km/h schon zu viel sein. Falsch wäre jedoch, daraus den Umkehrschluß zu ziehen, bei "normalen" Bedingungen alles zu erlauben, was physikalisch nur möglich ist. Wer dies möchte, der darf gern auf abgesperrten Strecken, gegen separate Gebühr versteht sich, dieser Neigung nachgeben. In einem Gemeinwesen, einem öffentlichen Raum sind nun mal gewisse, nivellierende Rahmenbedingungen nötig, und selbst im "Land der Freien" hat man damit und insofern keine Probleme.

Mehr noch und aus positiver Sicht auf die sog. Globalisierung will doch diesem "deutschen Wesen" offensichtlich kein anderes, halbwegs zivilisiertes Land so richtig folgen, daran genesen. Klammheimlich vielleicht schon, und so ist mir zu Ohren gekommen, dass verdienstvolle Mitarbeiter eines bekannten, koreanischen Konzerns quasi "zur Belohnung" schon mal nach Deutschlang reisen dürfen, sich hierzulande dann mit einem schnellen Fahrzeug und ihrer eher geringen, diesbezüglichen Erfahrung so richtig ausleben können. Und die dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit - soweit es ansonsten "gut" geht - anfallenden "Knöllchen"? Erwartbar, "meine" musste ich immer selbst bezahlen, wurden mir von der Firma zeitnah weitergereicht; sind im asiatischen Raum eher nicht vollstreckbar!?

Ja und diese (eilig, eilig) gern angeführte, "erhebliche" Zeitersparnis der Schnellfahrer ist eine Schimäre. Es gibt immer mal wieder (seriöse) Untersuchungen, die zwei oder drei Fahrer auf eine längere Strecke schicken, und mit unterschiedlichen Vorgaben zum Fahrverhalten. Die Zeitersparnis der "aggressiven" Fahrer ist minimal, 10% vielleicht, das einzugehende Risiko für sich selbst (als Fahrer) und mehr noch für die anderen Verkehrsteilnehmer ist lediglich zu ahnen; in jedem Falle wohl erheblich. Und auch die eigene Erfahrung, nach der selbst jetzt im Vorruhestand noch rund 25.000 Kilometer im Jahr zusammen kommen - mit zwei Fahrzeugen, welche ebenfalls so um die 200 km/h fahren (könnten) - ist ähnlich. Wenn man eine längere Route (meine Hausstrecke: Berlin - Rhein/Main) deutlich unter fünf Stunden hinter sich bringt, dann in der Regel nicht, weil man wie der sprichwortliche "Henker" fährt, sondern weil die sonstigen Verhältnisse (Verkehrsdichte, Staus, Baustellen, Unfälle etc.) eben gerade günstig waren; und da reicht auch schon mal die sog. Richtgeschwindigkeit.

Zur Klientel der gesamtgesellschaftlich Beteiligten wäre noch zu sagen, darauf hinzuweisen, dass mittlerweile, lediglich noch rund 40 Prozent der Neuzulassungen auf Privatkunden angemeldet werden. Interessant wäre die jeweilige Verteilung innerhalb dieser 40, mehr noch der 60 Prozent nach Leistung und Marke zu erfahren. Wenn man dann noch verinnerlicht, dass nur noch rund 25 Prozent der Privatkunden den Neuwagen bar bezahlen (können), so führt das - akzeptiert - zu einer hier eher off topic anzusehenden, dennoch auf zunehmende Verarmung weiter Kreise hinweisende Tendenz. Der links um freie Fahrt blinkende freie Bürger ist politisch in der Regel wohl nicht unbedingt "links" zu verorten, eher sarazinesk in der Denke, der verrohenden Mittelschicht (aktuelle Heitmeyer Studie) zuzurechnen.

Ein letzter, realer Punkt vielleicht, weil alles andere psyschologisches Kaffeesatz-lesen wäre, ist der Gedanke des Umweltschutzes, sprich Verbrauch, Abnutzung, Verschleiß etc. Der Kraftstoffverbrauch steigt, ebenso wie der Luftwiderstand bei zunehmender Fahrgeschwindigkeit nicht linear sonderen exponentiell an und schon mein seliger Vater lehrte mich, dahingehend ein vernünftiges Verhältnis zu finden, das Gaspedal nach der Beschleunigungsphase, der Motor- und Getriebecharakteristik entsprechend zurück zu nehmen. Und die dann sehr angenehm und verbrauchsgünstig zu haltende Geschwindigkeit liegt bei den von mir in der Regel gefahrenen Wagen bei rund 140 bis 150 km/h nach Tacho, was ja effektiv in etwa die Richtgeschwindigkeit bedeuten sollte. Ok, habe ja auch keine gesponserte Tankkarte mehr. Aber, und das bestätigt die im unten verlinkten Film erwähnte, sog. "Hackordnung": Bei eben den genannten, noch angenehmen 150 km/h auf der linken Spur - und diese voll bis zum Horizont, rechts die Massen an LKW - so wird man im BMW wesentlich seltener genötigt als im Opel. Das gehört wohl eben zur diesbezüglichen Sozialisation von Bleifußindianern.

Wer Zeit und Muße hat, vielleicht Hobbypsychologe etc. ist oder es werden wollte, der darf bzw. sollte sich diese sechs Teile einer TV-Dokumentation anschauen. Ist bereits einige Jahre alt, aber nach wie vor absolut zutreffend wohl:

http://www.youtube.com/watch?v=F6MYBYQ0uCU

 

=========================== Hardcopy der Kommentare aus dem Ursprungsblog ========================



quadratisch, nicht exponentiell

Gespeichert von Financial Michael (nicht überprüft) am/um Mi, 11/05/2011 - 16:25



"ebenso wie der Luftwiderstand bei zunehmender Fahrgeschwindigkeit nicht linear sonderen exponentiell an" Der Luftwiderstand steigt quadratisch, nicht exponentiell.



Gespeichert von ebertus am/um


aber im Grunde war ich bislang der Meinung, dass dieses "Quadrat" ebenfalls eine exponentielle Funktion darstellt; nur eben mit dem Exponent "2"

Danke für das Interesse!





x hoch 2 ist eine

Gespeichert von matthias (nicht überprüft) am/um


x hoch 2 ist eine Potenzfunktion
2 hoch x ist eine Exponentialfunktion
x hoch 2 als Bsp. für quadratisches Wachstum: vierfacher Windwiderstand bei doppelter Geschwindigkeit
2 hoch x als Bsp. für exponentielles Wachstum: doppelter Windwiderstand bei einer um eins erhöhten Geschwindigkeit
Hoffe das ist verständlich. Exponentielles Wachstum ist "stärker" in dem Sinne, dass es quadratisches Wachstum bei ausreichend hohem Wert für x immer "überholt".




bei ausreichend hohem Wert für x ...


Gespeichert von ebertus am/um


OK, aber inhaltlich bzw. wegen der Konsequenzen für den Verbrauch sind wir hoffentlich und halbwegs einer Meinung.





Verbrauch

Gespeichert von matthias (nicht überprüft) am/um


Rollwiderstand kann man nicht beeinflussen. Motorreibung auf der Autobahn auch nicht weil man sowieso den höchsten Gang wählt. Bremsverluste lassen sich bei geringerer Geschwindigtkeit besser vermeiden.
Bei 100-120 wird ein Punkt erreicht, da macht der Luftwiderstand die Hälfte vom Verbrauch aus. Verbraucht man bei konstanten 110 km/h 6 L Super auf 100km braucht man ca. 3L nur für den Luftwiderstand. 140^2/110^2 *3 = 4,85 Liter nur für Luftwiderstand bei 140, Gesamtverbrauch 7,8 Liter. 180 km/h: 11 Liter Gesamtverbrauch. 200 km/h 13 Liter Gesamtverbrauch, davon 10 Liter nur für den Luftwiderstand. Ein hoffentlich einfaches Rechenbeispiel zum nachvollziehen :)
Bremsverluste folgen übrigens auch ganz ähnlich der Geschwindigkeit: 10km/h Abbremsen bei 200 km/h kostet 1,9 mal so viel Energie (also Sprit) wie bei 110km/h. Hinzu kommt noch dass man bei 200 km/h wahrsch. gleich 50 km/h oder mehr abbremsen muss. Da du dir ja Gedanken übers Spritsparen machst wollte ich dir und allen Interessierten an dieser stelle mal anhand eines einfachen Beispiels ein Gefühl für die Zahlen dahinter verschaffen.




Bremsen und Beschleunigen


Gespeichert von ebertus am/um


Vielen Dank für die Info, gerade was das Bremsen betrifft. Spritsparen - weil eben nun ohne gesponserte Tankkarte - ist die wichtige, eine Seite der Medaille; gern auch im großen Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Relevanz, der möglichen und nötigen, politischen Steuerung. Gerade heute gelesen, ein Beitrag in der Zeit zum Thema, der meine Intention bestätigt:

http://www.zeit.de/auto/2011-05/dienstwagen-steuer-klima

Die andere Seite betrifft - und gerade im Lichte so mancher Kommentare dort bei lawblog - die mentale Steuerung, ggf. die Instrumentalisierung der selektiv sozialisierten (überwiegend) Dienstwagenfahrer. Dem ist wohl kaum mit guten Ratschlägen, mit Strafen oder mit anderen, vielleicht technischen Gimmicks beizukommen. Wie weiter unten geschrieben, die Statements der (beruflichen) Schnellfahrer in diesem TV-Beitrag waren schon relativ differenziert, oft sehr selbstreflexiv. Es geht da nicht um den plakativen Typ des tumben Bleifußindianers; eher um eine Art sportliche Herausforderung, auch mentaler Art, soweit der Habitus, der sichtbare Status dies allein nicht trägt.

Da ist wenig zu machen, so meine ich, außer (anfangs) das Dienstwagenprivileg, wie in dem ZEIT-Artikel mit Zahlen hinterlegt, nach und nach auf eine kostengerechte, ökologisch sinnvolle Form zu beschränken. Erst danach könnten die immer wieder diskutierte, generelle Geschwindigkeitsbegrenzung und nachlaufend gern auch mit der Gestattung von (defensivem) Rechts-überholen greifen.

Danke nochmals!



Und warum muss man das im

Gespeichert von Realist (nicht überprüft) am/um Mi, 11/05/2011 - 17:13



Und warum muss man das im Artikel Beschriebene auf der linken oder mittleren Spur ausleben, obwohl:

a) die rechte Spur frei ist und
b) man per Gesetz ohnehin zur Nutzung der rechten Spur verpflichtet ist?

Das geht leider mit keinem Wort aus dem Gesagten hervor.



"Ausleben"? oder auch, wer ist "man"?


Gespeichert von ebertus am/um


Den Begriff "ausleben" habe ich lediglich im Zusammenhang mit den "belohnten" Koreanern erwähnt, es trifft sicherlich auch hierzulande auf diverse Teilnehmer am Straßenverkehr zu. Auch einfach mal den verlinkten TV-Beitrag "in Ruhe" und komplett anschauen. Nur Wenige machen sich da wirklich zum Horst, die erkennbaren Berufs-Schnellfahrer haben dagegen schon sehr differenzierte, selbstreflexive Ansichten - das ist beruhigend.

Die Frage nach der rechten Spur habe ich nicht ganz verstanden, erwähnte diese lediglich im Zusammenhang mit einer (eher wochentags) zu erlebenden, endlosen Kette von LKW - und ggf. anderen "Gespannen", oft sehr dicht aufeinander fahrend.

Ich selbst nutze die rechte (ggf. die mittlere) Spur, wo es möglich, meiner momentan gegebenen Fahrweise angepasst und sicher erscheint. Bei einer ebenfalls dichten Fahrweise von PKW auf der linken Spur mit ca. 150/160 sollte die Lücke rechts doch schon relativ groß sein, um nicht zu stark abbremsen zu müssen; auch wenn der von mir teilweise genutzte BMW eine Bremsenergierückgewinnung [sic] bietet!

Ganz gefährlich sind, wegen der permanent und sehr kurzfristig auscherenden, überholen wollenden LKW die dreispurigen Autobahnen. Da bleibe ich eher mal links, will dann kein Verkehrshindernis sein und lasse es eben auch schon mal jenseits der 200 rollen. Kann es natürlich nicht vermeiden, das auch dabei die eiligen Kunden auf eben diese, meine 200 runterbremsen müssen. Aber sorry, die LKW und von deren Ausscheren schon mal irritierte, weniger routinierte (PKW)Fahrer sind mir in meinem Blickfeld, meiner Aufmerksamkeit dann wichtiger als derjenige, der hinter mir gerade seine Leuchtzeichenanlage überprüft.

Können, nicht müssen ist schon recht angenehm...

Gespeichert von ricardo (nicht überprüft) am/um Mi, 01/06/2011 - 14:45


Kommentator matthias sollte mal die Allgemeinschreibweise x^y verwenden, dann sieht er, was er für einen, mit Verlaub, Unsinn verzapft.
Hatte es nicht eher gelesen, konnte aber auch nicht umhin, meinen Senf dazuzugeben ;-)

Gruß Ricardo