31 Aug 2014

1914 / 2014

Submitted by ebertus

(c) Deutscher Freidenker-Verband

 

Der "Westen" und Russland. Internationale Lage und geopolitische Spannungen, vor Beginn des ersten Weltkrieges bis heute. Geschichte wiederholt sich; manchmal... Als Farce oder als Tragödie, das war  (und ist ) auch für Marx bis Marcuse et al. immer mal die Frage; nicht zuletzt im Sinne gerader oder schräger Vergleiche.

 

 

 

Die Fragestellung dahingehend, was uns heute in 2014 mit 1914 verbindet oder davon unterscheidet, ist mit Sicherheit sehr kontrovers, auch sehr phantasievoll zu beantworten, dürfte nicht nur die Domäne der Historiker sein - oder der ansonsten eh' Allwissend-Unfehlbaren; oft in erkennbar sehr partikularem Interesse unterwegs. Bei der diesjährigen Rosa Luxemburg Konferenz in Berlin fand bereits der Eingangsbeitrag von Jörg Kronauer meine Aufmerksamkeit, hier für Interessierte als Videomitschnitt verfügbar.

Vor einigen Wochen gab es im Sprechsaal -meinerseits in einem Blogbeitrag thematisiert- eine Vortrags- und Diskussionsreihe, die sich aus verschiedenen Perspektiven der gleichen Thematik näherte, gerade was das aktuelle großmediale Prozedere einer entsprechenden Kriegsrhetorik angeht. Über Sabine Schiffer, die Organisatorin dieser Diskussionsabende wurde ich auf die hier nun in Rede stehende Veranstaltung aufmerksam.

Rathaus Pankow, 06.09.2014

Eine ganztägige Veranstaltung, eben genau zu diesem Themenkomplex des Vergleichens von 1914 zu 2014 unter den heutigen, geopolitischen Herausforderungen. Natürlich, die Liste der (Mit)Veranstalter und Referenten dürfte das genaue Gegenteil derer repräsentieren, welche die großmediale Meinungsführerschaft in Sachen postmodernem Krieg beanspruchen, diese Weltensicht dank beinahe unbegrenzter Kapitalmittel auf nahezu allen öffentlich-rechtlichen und privaten Propagandakanälen verbreiten.

Habe gerade per Mail zwei Karten bestellt und vielleicht hat der eine oder andere Blogger, die eine oder andere Bloggerin ebenfalls Interesse, ist die entsprechende Mailadresse in obigem Link angegeben. Die aufgerufene Teilnahmegebühr sollte kein Hindernis sein, ist doch ein mittäglicher Imbiss eingeschlossen, eine Kaffeepause wohl ebenfalls. Was dann und nicht zuletzt die Gelegenheit für allfällige Gespräche am Rande bieten dürfte.

 

Nachtrag 07.09.2014:

Schau, wie nahe sie ihr Land an unsere Militärbasen herangerückt haben

Gestern fand im Rathaus Pankow die hier im oberen Teil des Blogtextes bereits angekündigte Konferenz der Freidenker statt. Etwas Ironie gefällig? Ja gern, wenn es nicht so ernst wäre...

"Schau wie nahe..." gesehen in dem Vortrag von Sabine Schiffer zur Expansion Russland, dem was uns großmedial als subtile Denkvorgabe permanent verabreicht wird.

Ansonsten und nach anfänglichem Kampf der Veranstalter mit den Mikrofonen war es aus meiner Sicht lohnend, daran teilgenommen zu haben; wobei der Veranstaltung insgesamt ein etwas niedrigerer Altersdurchschnitt der TeilnehmerInnen zu wünschen gewesen wäre. Hier vielleicht vorab und ehe dann kurz auf einige der angekündigten Referate eingegengen werden soll, drei Höhepunkte jenseits des veröffentlichten Programms.

1. In dem eröffnenden Grußwort ging der russische Botschaftsrat auf die 25 Millionen Toten des zweiten Weltkrieges in Osteuropa ein, und fragte, war wir denn eigentlich nun noch von Russland erwarten. Nach 1989/90 und über den völligen Rückzug der russischen Truppen aus Deutschland hinaus? In Anbetracht auch der kürzlichen Einlassungen von Joachim Gauck, dessen provozierend unangemessener Wortwahl muss ich zugeben, dass mich in dem Moment ein sehr ungutes, zumindest ambivalentes Gefühl überkam.

2. Victor Grossman, der bzw. dessen Vita mir bis dato nicht bekannt war hielt eine kurze, bewegende Rede zur Solidarität; weniger mit Rußland, denn hierzulande, untereinander. Sich eben nicht instrumentalisieren zu lassen, zu erkennen, welches perfide Spiel von den USA und ihren europäischen Vasallen aktuell und andauern gespielt wird.

3. Schließlich ein weiterer, ausschließlich russisch sprechender Gast, dessen Namen ich möglicherweise noch nachtragen kann, der von Einigen im Saal wohl direkt verstanden wurde, die anderen (like me) dagegen auf die Dolmetscherin angewiesen waren. Der Referent ging auf die bewußte Deeskalation ein, die Russland aktuell und im Grunde andauernd seit 1989/90 betreibt, die westliche Militärallianz zunehmend in Erklärungsnöte bringt, was ihr eigenes aggressives Gebaren angeht. Wer vor 89/90 den sog. kalten Krieg miterlebt hat, der wird dies nicht nur verstehen, gar zustimmend begrüßen.

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Zu einzelnen, offiziellen Programmpunkten:

Wilfried Handwerk, ein als Unternehmer (Klein- und Mittelbetriebe) in Russland und der Ukraine unterwegs ging auf die ukrainischen Oligarchen ein, welche in den zwei Jahrzehnten nach der Wende zu unendlichen Reichtümern gekommen sind und das Land in Form eines Feudalsystems unter sich aufgeteilt haben. Die Mehrzahl der Menschen ist nach wie vor bettelarm, Korruption die Basis beinahe jeder Geschäftstätigkeit und es sind selbstverständliche Dinge wie Gesundheit oder Bildung für die überwiegende Zahl der Menschen kaum erreichbar.

Anton Latzo benannte die Begriffe von "Ostexpansion" vs. "Partnerschaft" als im Grunde die Eingemeindung der Peripherie im Sinne eines Puffers zum Schutz des Kerneuropa. Und dieser Puffer ist keinesfalls auf Osteuropa beschränkt, wie dann an Beispielen des gesamten Mittelmeerraumes zu zeigen war.

Karl-Heinz Wendt vertiefte das Vorgenannte dahingehend, dass es den USA nach den Erfahrungen in Vietnam, im Irak und Afghanistan nun primär darum geht, Stellvertreterkriege auf niederem Level führen zu lassen, einen nuklearen Großkonflikt und wie er bis 89/90 immer möglich war unter allen Umständen zu vermeiden. Für den Mittelmeerraum sind dahingehend Frankreich und Großbritanien (neben Israel, meine Ergänzung) die Vasallen, während gerade Deutschland (perfide Ironie der Geschichte) nun die Osterweiterung der Nato maßgebend begleiten und gestalten soll.

Sabine Schiffer schließlich, die mir bereits aus mehreren Veranstaltungen im "Sprechsaal" bekannt war, hatte über das hier im Blog (Nachtrag) eingangs verwendete Bild noch diverse weitere Beispiele zur Hand, wie hierzulande die großen öffentlichen wie auch die privaten Medien eine massenkompatibel zu denkende Meinung mittlerweile systematisch manipulieren; die Dämonisierung von Einzelpersonen, von Schurken jede auch nur ansatzweise inhaltliche Auseinandersetzung ganz bewußt überlagert.

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Den letzten Vortrag von Klaus Hartmann haben wir dann ausgelassen, weil es (mir) von der mentalen Kondition her erst einmal genug war und außerdem noch der Besuch eines kleinen Straßenfestes gleich dort in der Nähe sich anbot.