22 Dez 2010

Für den Notfall vorgesorgt

Submitted by ebertus

"Neoliberaler Winter", auch hier im Blog schon mal thematisiert. Dieser Beitrag besteht im Wesentlichen aus einem Text, der von mir bereits am 08.08.2009 in dem Vorgängerblog veröffentlicht wurde. Der Text ist aktualisiert, die Links sind geprüft und angepasst, ggf. ergänzt. Aktueller Denkanstoß war ein Beitrag im Freitag, aber die Thematik interessiert dort kommentarseitig beinahe "keine Sau".

Nicht alle wissen es vielleicht, aber das entsprechende Bundesamt existiert wirklich, kümmert sich wohl gerade, zusammen mit anderen Institutionen um die Schweinegrippe. Als Nichtmediziner will ich mich da auch überhaupt nicht einmischen, habe in soweit volles Vertrauen. Dennoch, das Amt hat darüber hinaus und für "gestern" noch undenkbare Szenarien schon vorgesorgt, eine kleine Handlungsanweisung mit relativ sinnvollen Broschüren herausgegeben. Eine trägt den Titel dieses Beitrages hier, aber statt auf einem Reload des in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts schon mal hipp'en Atombunkers im Garten zu fokussieren, statt uns gegen die wilden Horden aus dem Osten zu wappnen, sollten wir uns gegen Bankster und deren ggf. auch politische Helfer schützen, die Broschüre dahingehend interpretieren.

In Großbritanien war es schon soweit, in Island kam es noch schlimmer. Banken waren geschlossen, Lebensmittelgeschäfte leergekauft. Panikszenarien wurden bereits entwickelt, weil die Ukraine "unser" russisches Gas nicht mehr durchlassen wollte. Energieversorger, Gas- und Wasserwerke werden privatisiert, als Steigerung extensiv monopolisiert. Der öffentliche Nahverkehr ist privatwirtschaftlich wohl nur noch bei einer gewissen Einschränkung von Sicherheitsstandards zu ermöglichen. Den PPP's (PublicPrivatePartnerships) geht in Folge der sog. Bankenkrise reihenweise die Luft aus, Städte und Gemeinden müssen Prioritäten setzen; in der Regel zu Lasten der Schwachen, der Armen. Auf diese Szenarien, genauer, diese Auslösefaktoren hebt die erwähnte Broschüre nicht ab, das Bundesamt würde entsprechende Nachfragen wohl auch (noch) nicht so ernst nehmen; politisch opportun ist das eh nicht, hat es doch beinahe einen Touch von Verschwörungstheorie.

So what, passen wir es eben selbst an - hier und jetzt/demnächst in diesem Theater. Ein Freund, eher vom Lande kommend, zog mir und anderen schon mal einen Zahn. Nein, nicht real aber er räumte mit dem Märchen auf, dass man sich mit Haus und Hof incl. "Gärtchen" relativ autark versorgen könnte. Sieben bis zehn Hektar Land sind da wohl notwendig, das Wissen, Rahmenbedingungen und Ausrüstung mal unterstellt. Zeit und körperliche Fitness braucht man natürlich ebenfalls und da "immer" etwas reif wird, ist in Krisenzeiten die Verteidigung "dessen" rund um die Uhr angesagt. Dennoch, Haus und Hof haben natürlich gewisse existentielle Vorteile gegenüber einer - gar städtischen (Miet)Wohnung. Immer mal unterstellt, was eher selten sein dürfte, dass keine Verbindlichkeiten mehr auf dem Objekt lasten, man als "quasi Eigentümer" lediglich das Eigentum einer Bank, Versicherung oder Heuschrecke verwaltet. Also, ein (kleines) Grundstück, ggf. ein gepachteter Kleingarten mögen "nice to have" sein, für die hier relevanten Überlegungen sind Stauraum (Keller, Garage etc.) und halbwegs sicherer Zugriff/Zugang jedoch die primären Kriterien.

Ehe nun auf einzelne Maßnahmen zu sprechen sein wird, sollten erst einmal die möglichen, halbwegs realistischen Bedrohungsszenarien gemäß obiger Einleitung etwas näher definiert werden, Atomschlag oder mongolische Horden mal aussen vor gelassen. Die häufigste Bedrohung und auch nur indirekt von den Bankstern, den Politikern zu verantworten, das ist in unseren Breitengraden die (eher) winterliche Wetterkatastrophe, in gefährdeten Gebieten auch in Form von Überschwemmungen. Die Empfehlungen der oben verlinkten Broschüre sind daher grundsätzlich nicht falsch, auch wenn bei diesen Szenarien erst einmal "niemand" schuld ist, niemand zur Verantwortung gezogen werden kann. Was aber, wenn in Folge der Finanzkrise oder ähnlich gelagerter, auch politisch motivierter Auseinandersetzungen die Banken zeitweise geschlossen bleiben, die Lebensmittelgeschäfte relativ schnell bis gleich leergekauft sind, Energie- Gas- und Wasserversorgung über Wochen oder gar Monate bestenfalls sporadisch zur Verfügung stehen? Exakt davor sollte man sich schützen, gewisse Vorratshaltung betreiben, und dies nicht nur auf die reine Bereithaltung von Nahrung beschränken. Um dabei keine apokalyptischen Visionen aufkommen zu lassen, gehen wir mal optimistisch davon aus, dass Polizei und (bei Naturkatastrophen heute schon) die Bundeswehr im Inneren einen gewissen Level an Zivilisation und Sicherheit werden aufrecht erhalten können.Für den Einzelnen, die Gemeinschaft bedeutet dies, soweit als möglich vorzusorgen, materiell aber auch mental und hoffentlich nur sehr wenig blauäugig - der Anarchie entgegen...

Noch eine Bemerkung vorab, eher logistisch/strategischer Art. Als Kind der Berlin-Blockade kam man dann in den 50ern schon mal in den Genuß, noch ausreichend gute, dennoch gegen das Ende der nominellen Haltbarkeit laufende Lebensmittel zu erhalten. Die Senatsreserve war die politisch organisierte Notbevorratung, nicht nur von Lebensmitteln, im Ernstfall wohl sicher auch nur auf wenige Wochen in der Überbrückung beschränkt. Auf dieses Projekt hier beschränkt bedeutet dies jedoch ebenfalls, bei Waren, die dem Verderb ausgeliefert sind, eine gewisse logistische Begleitung zu organisieren und relativ konsequent, möglichst kostenneutral umzusetzen. Der Verkauf gegen Ende der Haltbarkeit kommt im privaten Bereich eher weniger zum Tragen, das Verschenken dagegen schon und ansonsten bedeutet dies, den eigenen Verbrauch der "Altwaren" incl. dem parallelen Einlagern von "frischen" Produkten zu organisieren. Das bei Lebensmitteln in der Regel aufgedruckte Ablaufdatum sollte dabei keinesfalls als allein seligmachendes Evangelium angesehen werden, eher als grober Anhaltspunkt. Und ein überschrittenes Ablaufdatum bedeutet ja nicht automatisch "schlecht" im Sinne von ungenießbar, gar schädlich oder gefährlich. Der professionellen Lebensmittelherstellung ist da nicht weniger zu trauen (eher mehr) als z.B. dem "Eingemachten" aus dem Garten, wo sicher benahe jeder schon mal beim (sehr viel) späteren Öffnen eine negative Überraschung erlebt hat. Den prüfenden Blick, den Geruchssinn, ggf. den Geschmack sollte man da schon zu Rate ziehen. Andererseits, Ende der Haltbarkeit kann auch lediglich auf einen gewissen "Komfortverlust" hinweisen, Kaffee z.B. in dem gängigen, luftdicht verschweißten 500g Pack könnte "irgendwann" sein Aroma verlieren. Also, eine kleine (Excel)Liste sollte man schon führen, Produktbezeichnung, Kaufdatum und Ablaufdatum reichen als Informationen, sortiert wird nach Ablaufdatum. Immer mal wieder Ausdrucken, nicht vergessen...

Das wichtigste Lebensmittel, nicht ewig aber lange haltbar und in jedem Fall existentiell ist Wasser. Wasser zum Trinken und für die Hygiene. Wasser aus der Leitung zapfen ist möglich, bei aufziehenden Krisen u.U. aus Sicht der notwendigen Sicherstellung der (Trink)Qualität schon mal fraglich, die Badewanne "rechtzeitig" zu füllen, dagegen keinesfalls verkehrt. Immer daran denken, wenn das Frischwasser abgestellt wird, ist auch keine Toilettenspülung mehr möglich; maximal "die" eine Füllung aus dem Spülkasten. Industriell angebotenes Wasser z.B. in den gängigen 6-Packs zu je 1,5 Liter sind aus Sicht der existentiell notwendigen Nahrungsaufnahme die langfristig bessere Wahl. Zum Trinken gern auch mit Kohlensäure und ansonsten in entsprechender Menge sog. "stilles Wasser", gerade auch zum Kaffeekochen, falls es "mal" Strom gibt. Als notwendigen Trinkwasservorrat sollte man je zu versorgende Person von drei bis fünf Litern pro Tag ausgehen, was schon einen gewissen räumlichen Bedarf erzeugt, will man da einige Wochen autark bleiben. Aus Sicht der Trinkgewohnheiten sind neben Wasser auch Säfte, Bier und Wein über Zeiträume von mehr als einem Jahr haltbar, ggf. ebenfalls zu bevorraten.H-Milch dagegen ist mit ca. drei Monaten relativ kurz nur haltbar, hier muss der Verbrauch schon sehr bewußt erkannt und der Umschlag von Verbrauch zu Nachkauf relativ intensiv gesteuert werden. Milchpulver in gewissen Mengen wäre da ggf. eine (schwache) Alternative. Ansonsten und darüber hinaus ist auf die eingangs erwähnte Broschüre des genannten Bundesamtes hinzuweisen, dessen Ratschläge natürlich an die jeweiligen Gegebenheiten und Möglichkeiten angepasst werden müssen.

Über die Nahrung hinaus braucht der Mensch noch gewisse andere Rahmenbedingungen um halbwegs existieren zu können. Dies soll nun im Folgenden etwas thematisiert werden, vollkommen ohne populistischen, gar stigmatisierenden Hintergedanken des sog. Sarrazin-Pullovers....Apropos, wenn der allseits beliebte H4ler, weil er die Zimmertemperatur mal wieder über das Fenster reguliert, beinahe durchgehend gebrandmarkt wird, da sollte a) mal auf seine technischen Rahmenbedingungen geschaut werden und b) natürlich seine monetäre und intellektuelle Kapazität nicht auf vermeintliche Nebenkriegsschauplätze gelenkt werden. Und da wären wir bereits wieder bei IKEA, dem Shoppingparadies der Wahl. Gut, die "Family-Card" muss man schon haben, garantiert die doch Kaffee incl. free refill, und keiner sagt was, wenn man da auch schon mal Limonade in die Tasse fliessen läßt. Energiesparlampen/Leuchtmittel (kommt noch) und die bereits genannten Akkus sind noch lange nicht Alles. Kerzen sind jetzt das Thema, lockvogelartig immer mal substantiell im Preis reduziert. Merkt man natürlich nur, wenn man sich öfters da rumtreibt. Für massive (Wachs)Kerzen oder Bündel (Packs) werden da in der Regel 2 bis 3 Euro aufgerufen, sporadisch, tageweise und variabel für verschiedene Typen aber auch immer mal nur 80 bis 90 cent. Zuschlagen, im Falle der (vorgeschützten?) Unwissenheit der befragten Verkäufer(in) einfach mit dem Handscanner (in Berlin Tempelhof vor dem Kassenbereich) mal den Barcode scannen. OK, 85 cent, da nehmen wir gleich zwanzig Stück/Pack; ggf. noch mehr. Drei Tage später beim Nachfassen gibt's dann den erwähnten Stress mit dem Verkaufspersonal, es gilt nun wieder der Originalpreis, die Schilder an den Regalen wurden "leider" noch nicht (alle) dahingehend angepasst; sorry for that...

Und nun kommt er, der Sarrazin-Pullover. OK, kleine Kinder rennen schon mal gern "nackig" durch die Zimmer, aber wir vernünftigen Erwachsenen tun das nur (noch) in speziellen Situationen. 18 Grad in der Wohnung bei entsprechender Kleidung sollten da im gängigen Tagesgeschäft schon reichen, bei einer "allseits" umgebenen Innenwohnung kann da, je nach Isolationsgrad des Hauses, die Heizung schon mal komplett abgestellt bleiben, sollte der genannte Sarrazin-Pullover und ggf. eine Strumpfhose - kann man auch als Mann ganz gut tragen - im Winterhalbjahr zur Standardbekleidung zählen. Und dann die (preiswerten) Kerzen angezündet, das ist neben dem gewissen Energiespareffekt so richtig gemütlich, heimelig. Toll, auch ohne Bankster, ohne Krise. Aber vorsicht, brennende Kerzen verbrauchen Sauerstoff, gewisses, strategisches Lüften ist da angezeigt. Und das geht noch weiter, führt zur Frage der Raum-Luftfeuchtigkeit. Trockene Luft sorgt eher für ein Kältegefühl, feuchte Luft eher für ein Wärmegefühl. Die (ebenfalls preiswerte) Wanduhr gibt es z.B. in der Domäne kombiniert mit Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanzeige. Nicht zu hoch hängen das Teil und zwischen 40 bis 60 Grad Luftfeuchtigkeit sollte das schon liegen, ggf. eben mal strategisch lüften, ehe proaktive, ernsthaftere Maßnahmen ins Auge gefasst werden müssen.

Noch ein Wort zur ökonomischen Seite der Vorratshaltung. Natürlich bedeutet die Bereithaltung von Vorratsmaterialien ein gewisses, sog. "totes Kapital", man muss erst einmal in Vorleistung gehen. Und es bedeutet, wie bereits diskutiert, einen entsprechenden Verwaltungsaufwand sowie grundsätzlich überhaupt erst einmal die (räumliche) Möglichkeit, Vorräte anlegen zu können. Um von hinten anzufangen, die Möglichkeit, sprich sinnvolle Platzbereitstellung ist natürlich absolut individuell zu sehen, Ratschläge sind kaum möglich. Andererseits, was da "so einer" in Keller, Garage, Boden und sonstigen "Nebengelassen" an sprichwörtlichem "Gerümpel" zu stehen oder liegen hat, ist manchmal schon faszinierend zu sehen, sollte also eben mal kritisch hinterfragt werden. Der Verwaltungsaufwand dagegen dürfte gering sein, soweit man sich a) im Rahmen des sonstigen, normalen Verbrauches bewegt, also nichts kauft, was man nicht kennt, ggf, dann nicht mag und b) es sich angewöhnt, die Seite der Logistik über eine kleine PC-Tabelle immer auf dem Laufenden zu halten. Der Punkt des toten Kapitals ist dagegen schon nicht mehr so einfach in ggf. positive Effekte umzuwandeln, oder wenigstens kostenneutral zu gestalten. Mein Rat wäre, soweit es monetär möglich ist, die Angebotszyklen des Handels, gerade was die Werbung betrifft, zu nutzen; selektiv aber darüber hinaus absolut massiv. Ohne Zeitdruck, nicht heute entscheiden, morgen eine komplette Vorratshaltung kurzfristig hochzuziehen. Man kann es immer wieder beobachten, bestimmte, gängige Artikel sind plötzlich und wirklich substantiell (nicht geringe 3 bis 8 etc., sondern echte 20 oder mehr Prozent) reduziert; oftmals nur für wenige Tage. OK, wenn es das ist, was man auch sonst so kauft, dann zuschlagen. Kaffee z.B. in den Sorten, die wir so mögen und trinken - keine Schleichwerbung - kostet in der Regel knapp 4 Euro das 500g Pack. Bei einem Angebot von 2,85 Euro sollte man nicht zwei oder drei kaufen sondern - nach dem prüfenden, unterstellt positiv zurückgemeldeten Blick auf das Haltbarkeitsdatum - gleich 20 oder 30 Packungen bei absehbarem Verbrauch. Einfache Finanzmathematik, ein Rabatt von gut 25 Prozent bei einer Mindesthaltbarkeit von mehr als einem Jahr gegenüber den degressiven Kosten der sofort aufzuwendenden Kapitalbindung ist in jedem Fall ein Gewinn.Das Geld auf dem (Spar)Konto lassen bringt in dem einen Jahr in jedem Fall wesentlich weniger an Zinsen. Wenn man die Vorratshaltung so aufbaut, ggf. über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten erweitert, so ist a) der Finanzbedarf auch überschaubar, in Grenzen zu halten und b) sind entsprechende Werbeaktionen des Handels ganz gezielt zu nutzen. Schlußendlich c) ist die Vorratshaltung damit ebenfalls ein kostenglättender Faktor, da die Basics des täglichen Bedarfes immer in genügender Menge zur Verfügung stehen, ad hoc Aktionen zu - weil gerade gebraucht - unnötig hohen Kosten sollte daher weitgehend entfallen.