13 Mär 2011

(Über)lebenshilfe wird notwendig

Submitted by ebertus

Die aktuellen Ereignisse in Japan sind natürlich nicht direkt auf die Gegebenheiten hierzulande übertragbar. Dennoch sollte und muss es Konsequenzen geben; wenigstens im Denken. Der gesellschaftspolitische Aspekt wird in einem anderen Blog zumindest angerissen, hier soll es dagegen um konkrete, praktische Vorbereitungen gehen - die Vorbereitung auf erwartbare Ernstfälle,  die Tage und Wochen "danach".

Bereits in 2009 - und ergänzend im Dezember 2010 - wurde das Thema der Notfallvorsorge in einem Blogbeitrag behandelt. Die Ereignisse in Japan sorgen daher lediglich für eine Besinnung, ein kritisches, gern auch sehr konkretes Hinterfragen. Die relativ pragmatische Frage dabei sollte sein, für welche Szenarien die Vorbereitung gilt. Wenn Anarchie herrscht, die Apokalypse naht, wenn jegliches staatliches Handeln bereits jenseits ist, die bewaffneten Banden in den schwarzen Geländewagen marodierend durch die Lande ziehen, dann hilft auch gut gemeinte, geplante Notfallvorsorge eher nicht mehr. Aber unterhalb dieses apokalyptischen Levels kann es in den nächsten Jahren doch sehr real werden. Folgende Szenarien sind denkbar:

 

# Zeitweilige Schließung von Banken und Sparkassen, die Bargeldversorgung ist gefährdet

# Inflationäre Tendenzen - regional und/oder produktspezifisch unter extremen Schwankungen

# Stundenweise oder gar  tageweise Einschränkung der Energieversorgung (Gas, Strom)

# Phasenweise Einschränkung der Wasserversorgung, kein sauberes Trinkwasser mehr.

# Unterbrechung der Versorgung mit Kraftstoffen (Benzin, Diesel etc.)

# Leergekaufte bzw. nicht mehr neu belieferte Geschäfte für den Grundbedarf (Lebensmittel etc.)

# Einschränkung der medizinischen Versorgung

# Behinderung der freien Kommunikation (Telefon, Internet etc.)

# Schlußendlich wegen der Mangelsituation das zunehmende Auftreten von (Beschaffungs)kriminalität

 

Über die jeweiligen Auslösefaktoren zu spekulieren ist eher nicht so zielführend. Die medial zur Verfügung stehenden Informationen sind bestenfalls gefiltert, werden in der Regel aus tendenzieller und sehr bewußter Desinformation bestehen. Und die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft werden Zeit benötigen, sich aus dem Staube zu machen, sprichwörtlich mit dem Rücken an die Wand zu kommen. Schuldige werden in derartigen Situationen gebraucht; und dies sind erwartbar eher einfache Menschen, keinesfalls die doch so allwissenden, unfehlbaren Eliten aus dem politisch-industriellen Komplex einschließlich deren Lobby, deren medialer Zuarbeiter.

Für den Einzelnen, den kleinen Menschen bleibt in derartigen Situationen kaum mehr als die (Rück)besinnung auf existentielle Überlebenstechniken und Strategien. Gold kann man nicht essen, bestenfalls tauschen, soweit die Stückelung entsprechend klein ist, die Gefahr von damit einhergehenden, kriminellen Handlungen überschaubar bleibt. Sauberes (Trink)wasser ist unter Umständen mehr wert als alles Gold und im Grunde das primäre Nahrungsmittel. Natürlich kann die öffentliche Wasserversorgung ausfallen, zweitweise in jedem Falle. Ebenso wahrscheinlich ist jedoch die Verschlechterung der Qualität; einfach, weil die notwendige Aufbereitung nicht (mehr), oder nur unter extremen Kosten möglich sein könnte. Sinnvoll sind daher als Notvorrat sog. PET-Flaschen von 1,5 oder gar 2,0 Litern an Volumen. Das Leitungswasser abkochen, die Keime abtöten ist ansonsten sinnvoll. Voraussetzung dafür (jenseits des Lagerfeuers auf dem Balkon ist natürlich eine funktionierende Energieversorgung. Wohl dem, der noch auf "richtige" Öfen für fossile, feste Brennstoffe zugreifen kann. Auf Equipment für wirkliche Notfälle wird weiter unten noch hingewiesen. Übrigens, die Haltbarkeitsdaten auf den genannten PET-Wasserflaschen - wie generell derartige Termine - sind bestenfalls als grober Anhalt zu verstehen. Wasser, zumal nicht offen stehend und halbwegs kühl gelagert wird nicht so schnell schlecht. Die letzten, von uns gekauften 2,0 Liter Flaschen hatten aufgedruckte Haltbarkeiten in 2013, sollten dann vielleicht nach und nach verbraucht, gegen neu einzulagernde Flaschen werden ausgetauscht werden. (H)Milch dagegen ist nicht länger als vier bis sechs Monate haltbar, hier muss das Umschichten sehr zeitnah geschehen.

OK, nach dem Wasser (ggf. auch noch andere Getränke wie Säfte, Wein oder Bier einlagern) kommen die eher festen Nahrungsmittel. Generell und in größerer Menge mit längerer Haltbarkeit sind Nahrungsmittel zu bevorzugen, die "kalt" verzehrt werden können, zumindest nicht gekocht werden müssen. An Auswahl und Abwechslung ist bei dem aktuellen Angebot kaum ein Mangel zu verzeichnen. Dosenbrot und Knäckebrot sollte man nicht vergessen, dazu streichfähige Wurstkonserven. Ähnliches gilt für eine weite Auswahl an Fischkonserven, die in der Regel kalt gegessen werden. Ansonsten natürlich die gesammte Palette an Grundnahrungsmitteln von Mehrl über Zucker und Salz, Reis und Nudeln (letztere möglichst ohne Ei) bis hin zu allfälligen Konserven an Obst und Gemüse. Marmelade und Honig kommen dazu, diverse Suppen und Soßen ebenfalls. Dazu natürlich die Kleinigkeiten wie Backpulver, Gewürze und anderes Beiwerk für die Nahrungszubereitung. Fertiggerichte sind ebenfalls möglich, aber hier sollte, vor der Einlagerung in Stückzahlen, jeweils eine Testmahlzeit zubereitet werden.

Für besonders zu kühlende oder gar gefroren zu lagernde Vorräte gilt Ähnliches wie für das unter Umständen notwendige Erhitzen. Man braucht Energie; sinnvollerweise gängigen Wechselstrom aus der Steckdose. Ein stundenweises Abschalten des Stroms sollte ein gut isolierter Gefrierschrank zwar ohne die Gefahr des Verderbens, des Auf- bzw. Antauens der Lebensmittel aushalten, dennoch wären die dort gelagerten Nahrungsmittel eher sehr zügig zu verbrauchen. Ein kühler Keller sollte reichen, die Vorratshaltung sich daran orientieren. In Mehrfamilienhäusern, gar in sog. Wohnsilos dagegen gibt es eine andere, nicht zu unterschätzende Gefahr für die Vorräte im Keller - den nur sehr eingeschränkt zu verhindernden, in Notzeiten kaum formalrechtlich zu sanktionierenden Einbruch. Die Schwelle für diese Art von Kriminalität liegt in der Wohnung zumindest höher, erst recht, wenn dort "jemand" anwesend ist.

Nun zu den bereits angekündigten Möglichkeiten der Energiegewinnung, sprich dem "Feuer machen". Als Zeltcamper und gerade in der Einsamkeit des nordwestlichen Amerika hat man so seine Erfahrungen. Kleine Kartuschen mit Camping-Gas, direkt darauf angeflanscht einen Brenner mit Halterung für Kanne oder Topf, das kennt man, hat man. Das ist gar in einem halbwegs lüftbaren Innenraum zu verwenden, ist nicht viel anders als der Gasherd in der Küche. Der Heizwert ist relativ hoch, der Nachschub an Gas jedoch mehr als begrenzt, auch und gerade unter Sicherheitsaspekten. So einen Kocher sollte man schon haben, und vielleicht auch mehrere der dazu passenden Kartuschen - bis maximal Größe von (firmenspezifische Bezeichnung) hier CV470. Größere Gasbehälter können gefährlich werden; die Aufbewahrung gefüllter Flaschen im Keller eines Wohnhauses ist nicht zu empfehlen, gar in der regel verboten. Besser bzw. sicherer ist da vielleicht die Lagerung in einer separaten Garage.

Eine größere Unabhängigkeit, allerdings wegen der Rauchentwicklung primär nur im Freien zu verwenden, bietet die Kelly-Kettle. Das Prinzip ist relativ genial, der Brennstoffnachschub - ggf. mit kleinen Holz-Pellets halbwegs sicher zu gewährleisten. Das komplette Set für einen Preis von unter 100,- Euro incl. Versand geht wohl in Ordnung, wird der Kauf von uns in den nächsten Wochen realisiert. Dann sollte es hier im Blog natürlich auch einen Erfahrungsbericht geben. Etwas Festbrennstoff in Tablettenform darf man ebenfalls bevorraten, ggf. auch ein wenig Spiritus - Letzteren aber eher zum Anzünden. Ok, Streichhölzer und Kerzen in entsprechender Menge sind unabdingbar, etwas Papier und gar festere Pappe ebenfalls.

Was bleibt sonst noch an sog. Non-Food? LED-Taschenlampen, möglichst mit langlebigen Lithium-Ionen Batterien, pflegeleichtes Camping-Geschirr incl. Flaschenöffner, Dosenöffner, Korkenzieher etc. Warme und bequeme Kleidung auch zum Schlafen in ungeheizten Räumen geeignet, Arbeitshandschuhe und entsprechendes Werkzeug. Toilettenpapier und andere papierne Wischtücher, Papiertaschentücher. Plastikfolien, Tüten und Müllsäcke, eine Stahl - oder besser, zusätzlich - Steinplatte zum Unterlegen für den Kocher. Ein Zelt selbst incl. Rollmatte und Schlafsack ist nicht verkehrt, falls man sich auf einen möglichen Ortswechsel einstellen wollte.

Ein letzter Punkt, nicht wirklich unwichtig aber zugegebenermaßen selbst noch nicht mit hoher Intensität durchdrungen ist die Hygiene, mehr noch die Gesundheitsvorsorge. Seife, Zahnpasta, Desinfektionsmittel, Kohle- und Chlortabletten sind generell wichtig. Dazu kommen die persönlichen, die notwendigen, manchmal schon sehr spezifischen Dinge einer Herstellung und Erhaltung von persönlicher Gesundheit und Wohlbefinden - soweit dies in Notzeiten möglich ist. Notwendige Medikamente sollten bevorratet werden, in meinem Falle beispielsweise, glücklicherweise lediglich einige Packungen (auf Wirksamkeit getestete) Schmerztabletten. Andere Menschen mögen da umfangreichere Vorhaltungen treffen müssen. Sehr allgemein zumindest ist dagegen der Bedarf an Gerätschaften und Hilfsmitteln, sprich die sog. Hausapotheke mit Verbandsmaterialien, Pflastern, Blutstillern, Schienen, Tüchern und weiterer, ggf. notwendiger Ausrüstung.

Schlussbemerkung: Vorratshaltung sollte nicht nur als Vorbereitung auf die mögliche, die mehr oder weniger große Krise, die Apokalypse verstanden werden. Vorratshaltung bedeutet auch, immer "etwas" im Hause zu haben, keine Not- oder Spontankäufe tätigen zu müssen. Und systematische Vorratshaltung (sinnvollerweise über eine kleine, EDV-gestützte Tabellenkalkulation betrieben) kann die Kosten des damit einhergehenden, "toten Kapitals" mehr als ausgleichen. Voraussetzung ist der haltbarkeitsbezoge, gezielte Kauf in größeren Mengen, soweit für das Gewünschte, das Benötigte die entsprechenden, substantiell günstigen Angebote vorliegen. Man kann, aber man muss nicht kaufen, hat den Zeitvorteil, den Planungshorizont auf seiner Seite; ggf. "das" Thema für einen Folgebeitrag.