16 Jun 2010

Visionäre, "flattrige" Implikationen

Submitted by ebertus

Vor gut einer Woche, mein Kommentar bei fixmbr, und dort nicht weiter kommentiert. Wollte im Grunde hier noch etwas ausführlicher dazu Stellung nehmen. Das hat sich nun beinahe erledigt, für die umfangreiche, inhaltliche Bestätigung meiner Reflektionen durch andere, kompetente Blogger sei ausdrücklich gedankt.

Was bleibt also, hier schon mal vollkommen subjektiv reflektiert und darüber hinaus nur dem "Spaß an der Freude" verpflichtet? Ja klar, abwarten und zuschauen, die mit Sicherheit kommenden, rechtlichen Auseinandersetzungen intensiv, aber dennoch distanziert verfolgen. Und das möge von meiner Seite auch nicht als Ablehnung von flattr zu verstehen sein, wie man dies vielleicht bei dem eingangs verlinkten Blogbeitrag herauslesen kann. Sobald eine einfache, hierzulande gängige Bezahlmöglichkeit gegeben ist, sollte man schon über einen (passiven) Account nachdenken, passiv in dem Sinne natürlich, als freiwilliger Spender zu agieren; keinesfalls als Anbieter, als Empfänger.

OK, etwas Zeit sollte vorher noch in's Land gehen, will man doch von den Erfahrungen der "early adopters" profitieren, ggf. zusätzliche, eigene Fehler vermeiden. Und die Sicherheit des im Grunde zentralen Systems ist zu beobachten, kritisch zu hinterfragen. Um agieren, d.h. flattern zu können muss man "irgendwie" angemeldet sein, sich also identifizieren. Das ist richtig und gut so, um Manipulationen auszuschließen, wenigstens gering zu halten, ein Stück weit gar nachvollziehbar zu machen. Das ist aber gleichzeitig schlecht so, weil damit - und zumindest bei diesem zentralen "flattr" auch gewisse Bewegungsprofile erzeugt werden (können). Deren rückstandslose Löschung muss daher spätestens nach der monatlichen Abrechnung erwartet werden, ja! sicher gestellt sein.

Vorerst letzter Punkt hier wären die in den nächsten Monaten technisch möglichen, erwartbaren und in jedem Falle anonymisierten Auswertungen der Mittelflüsse nach dem Motto "von wem? an wen?", bezüglich der Teilnehmer natürlich statusbezogen, dennoch rein quantitativ. Kritiker von Flattr hegen immer wieder die Vermutung, dass sich hier im Wesentlichen die (bekannteren) Blogger gegenseitig bezahlen, kaum also von reinen, eher passiven Lesern Geld verteilt wird. Genauer noch, wer spendet, wer erhält, wer betreibt keinen Blog und spendet nur, wer betreibt zwar einen (bei flattr angemeldeten) Blog, erhält aber nur einen geringen bis keinen Teil der von ihm als Blogbetreiber notwendigerweise, richtigersweise gespendeten Beträge. Meine unmaßgebliche Meinung bzw. Vermutung wäre erstens, dass hier die (angemeldeten) etablierten Medien und Alpha-Blogger den überwiegenden Teil der zu verteilenden Beträge erhalten, weit mehr als sie monatlich z.Z. maximal spenden dürfen. Wäre zweitens, dass diese Beiträge überwiegend von anderen Bloggern mit ebenfalls angemeldeten Seiten kommen. Wäre drittens, dass der anfängliche Hype demnächst nachlässt und das gesamte System ohne den Zustrom von vielen, vielen (ausschließlichen) Spendern eher versandet, lediglich als "nice to have" noch eine gewisse Zeit überlebt. Schade im Grunde, aber viele Gründe sind schon mal des Hasen Tod.