11 Nov 2010

Trittin goes Sachzwang

Submitted by ebertus

Nette Darstellung des doch so alternativlosen Sachzwanges vom illusionslosen, gar TINA-erwähnenden Altmeister Jürgen Trittin dort im Freitag:

http://www.freitag.de/positionen/1045-jenseits-der-illusionen

Man kann es kaum noch hören, das gespreizt und beinahe kokettierend illusionslose Gesülze der "alten" Grünen. TINA erwähnend, gar neagativ konnotiert; und dann für sich selbst, für die Grünen und ohne Blick zurück voll bestätigen; alternativlos und illusionslos eben.

Nur so vorab, war ich doch bis Ende 1998 ein engagierter Anhänger der Grünen. Und "dass man regieren will" muss Trittin heute nicht besonders erwähnen, das zeigten die Grünen damals, als Lafontaine ging, dessen finanzpolitische Vorstellungen heute (beinahe verschämt und mit anderem Label) zum Konsens werden können. Sie, die Grünen, machten dem entfesselten Kapital ebenfalls den Weg frei und zeichneten einvernehmlich mit dem Genossen der Bosse für alle negativen, sozialen Entwicklungen verantwortlich.

Alte Geschichten?

Gab es unter Trittin keine Transporte nach Gorleben?

Was haben die Grünen in Hamburg und im Vorfeld der Wahlen gegen Moorburg opponiert? Und?

An der Saar zerlegt sich gerade die FDP, die Grünen stehen für verlässliche, alternativlose Staatsraison. Oder?

Was wettern die Grünen aktuell gegen Stuttgart21? Und...ja, drei zusätzliche Bäume und eventuell eine etwas hellere, grünere Wandfarbe auf dem Beton; ansonsten Sachzwang. Wetten?

Und überhaupt, etwas erinnert mich Trittin's finanzielle Illusionslosigkeit an den "armen" Obama, oder näher, an die Linke in Berlin; Sachzwang nach der Diepgen/Landowsky/GroKo Ära incl. Wasserdeal. Ohne das Stellen der grundsätzlichen Systemfrage - z.B. gemäß dem Ahlener Programm der CDU von 1947; und ganz ohne Fidel etc. - bleibt es Kosmetik. Den Mächtigen, den Besitzenden und nur unter großen Entschuldigungen (ein klein wenig, sorry, sorry, muss doch sein) etwas wegnehmen, das wird nicht wirklich funktionieren. Also bleibt nur die sogenannte Pferdeäppel/Spatzentheorie, natürlich im Rahmen eines weiterhin gültigen, technikgläubigen Wachstumsfetisch; fast ein Naturgesetz! Und spätestens da treffen sie sich, die Grünen und die Neoliberalen. Win/win also, besser noch als der aktuelle XXL-Aufschwung von Brüderle. Darüber hinaus und bei weiterhin erwartbarer, negativer Entwicklung der beschworenen, umverteilten Gerechtigkeit hätten wir da ja als sachzwanggegebene Schuldige gemäß Trittin immer noch die europäischen Rahmenbedingungen. Diese "Argumentation" sollte doch die Rechten freuen, oder?

Ansonsten und gar positiv, die aktuellen Bezüge mal aussen vor gelassen, hätte man dieses Trittin-Statement bis Ende 1998 sicher ernst nehmen können. Aber "wer einmal lügt..." lernen/lernten wir schon als Kinder und schlimmer noch, ist die Erwartung einer kollektiven Amnesie bei den Grünen wohl genau so verbreitet wie bei der wirklich bedauernswerten Agenda-SPD. Sie sollten (trotz aktuell FDP-ähnlichem, 2009er Höhenflug) irgendwann mal nicken, die Grünen...

Natürlich, eine Chance sollten auch die Grünen bekommen, nur eben und diesmal wirklich illusionslos sowie unter kritischer Begleitung; das sollten sie akzeptieren. Zumal alle halbwegs realistischen Mehrheitsverhältnisse weiterhin auf diese Rest-SPD zurückgreifen müssen. Und dort sehe ich noch weniger Einsicht bzw. Lernfähigkeit als bei den Grünen.