10 Mär 2011

America Is NOT Broke; ist nicht pleite?

Submitted by ebertus

The American Dream is quickly becoming The American Nightmare. Tolle Seite, schon mal hier verlinkt und mehr noch, Michael Moore ist zurück; dank der JW auch von Menschen zu verstehen, die des Englischen weniger oder überhaupt nicht mächtig sind.

Im Gegensatz zu dem, was die Machthaber euch glauben machen wollen, damit ihr auf eure Rente verzichtet, selbst eure Löhne kürzt und euch mit einem Lebensstandard aus der Zeit eurer Großeltern zufrieden gebt, ist Amerika nicht pleite. Bei weitem nicht. Das Land quillt über vor Reichtum und Geld. Das Problem ist nur, daß es nicht in eure Hände gelangt. In einem der größten Raubzüge in der Geschichte ist der Reichtum von den Arbeitern und Konsumenten zu den Banken und Portfolios der Superreichen transferiert worden.

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Mir ist schon klar, warum das so ist. Zuzugeben, daß wir einer kleinen Gruppe von Leuten erlaubt haben, sich mit dem Großteil des Reichtums, der die Grundlage unserer Wirtschaft ist, davonzumachen und ihn bei sich zu horten, zöge das entwürdigende Eingeständnis nach sich, daß wir unsere geschätzte Demokratie in der Tat der vermögenden Elite ausgeliefert haben.

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In Wahrheit ist sehr viel Geld im Umlauf. Sehr viel. Der Reichtum wurde nur von denen, die das Sagen haben, in einen tiefen Brunnen umgeleitet, der sich auf ihrem eigenen, gut geschützten Grund und Boden befindet. Die wissen, daß sie dabei Verbrechen begangen haben, und ihnen ist auch klar, daß ihr eines Tages etwas von dem Geld, das einst euch gehörte, zurückhaben wollt. Deshalb haben sie Hunderte von Politikern im ganzen Land gekauft und sie zu ihren Fürsprechern gemacht. Wenn alles schiefgeht, haben sie immer noch ihre bewachten Wohnanlagen, und der Luxusjet steht vollgetankt und mit laufenden Triebwerken startklar für den Tag bereit, von dem sie hoffen, daß er niemals kommen möge.

 

Wow, die Apokalypse findet nicht in Nordafrika statt, das ist nur ein Vorspiel und die Medien dort haben das Volk noch nicht so im Griff, wobei die Kluft zwischen den wenigen Besitzenden und den vielen Armen, den Underdogs sich kaum von den Zuständen in den USA unterscheiden dürfte; Zustände, die hierzulande und lediglich zeitversetzt ebenfalls zu erwarten sind.

Und wohin wollen "sie dann" fliehen - in ihren Privatjets?

Gemach, da sei - zumindest "drüben" - die Nationalgarde vor. Und über den USA wird es auch keine Flugverbotszone geben, nicht mal ernsthaft darüber diskutiert werden. Andererseits ist drüben auch das eher einfache Volk bewaffnet und die Frage ist, in wieweit die illusionslose Existenz dann umschlägt in radikalisierte Gewalt. Vorerst wird diese Gewalt (erwartbar und medial geschürt) sich gegen die eigenen Leidensgenossen richten, dann gegen eher ungeschütztes, offentliches Gut. Die sog. "Gated Communities", hoch sicherheitsbewachte Wohnsiedlungen der Besitzenden sind in den USA eher gängig, da steigen vorerst lediglich die Kosten der Sicherheit.Zwei Gründe führt Michael Moore an, warum (in übertragenem Sinne) die Schafe sich ihre Metzger gar noch selbst wählen.

 

1. Sie kontrollieren die Meinungsmache. Da ihnen der Großteil der Medien gehört, konnten sie mit geringem Aufwand viele US-Bürger davon überzeugen, ihnen ihre Version des amerikanischen Traums abzukaufen und für die von ihnen gekauften Politiker zu stimmen. Dieser Traum besagt, daß auch ihr vielleicht eines Tages zu den Reichen des Landes gehören werdet – denn dies ist Amerika, das Land, in dem angeblich alles möglich ist, wenn ihr es nur wollt! Sie lieferten glaubhafte Beispiele dafür, daß auch ein Junge aus einfachen Verhältnissen ein reicher Mann und das Kind einer alleinerziehenden Mutter aus Hawaii US-Präsident werden kann. (…) Die Botschaft ist klar: Kümmert euch nur um euch, klotzt rein, stiftet keine Unruhe und wählt die Partei, die die Reichen schützt, zu denen ihr vielleicht selbst eines Tages gehören werdet.

2. Sie haben eine giftige Pille entwickelt, von der sie wissen, daß ihr sie niemals schlucken wollt. Das ist ihre auf die Wirtschaft angewandte Version der Mutually Assured Destruction (wechselseitige gesicherte Zerstörung – d. Red.), der Bereitschaft zum nuklearen Overkill. Als sie im September 2008 damit drohten, diese ökonomische Massenvernichtungswaffe einzusetzen, gaben wir klein bei. (…) Wall Street drohte: Entweder ihr übergebt uns Billionen von Steuer-Dollars, oder wir fahren die Wirtschaft an die Wand. Schiebt die Kohle rüber, oder sagt Goodbye zu euern Sparkonten, zur Altersversorgung, zur Staatskasse, zu Jobs, Eigenheimen und zu eurer Zukunft. Das war verdammt furchteinflößend, und jeder machte sich vor Angst in die Hosen: (…)

 

Zuerst kommt Chomskys Propagandamodell zum Einsatz, die strampelnde, sog. Mittelschicht wird instrumentalisiert, werden im Grunde Schwache gegen noch Schwächere aufgehetzt. Und wenn das nicht mehr hilft wird sehr schnell und direkt die Existenzfrage gestellt. Nur beides zusammen kan funktionieren, denn ansonsten würde ja sehr ernsthaft eine ganz andere Gefahrenlage offenbar. "Wer viel hat, der hat auch viel zu verlieren"; vice versa - und eben diese sehr klare, einfache Wahrheit aus entgegengesetzter Sicht, dieses Erkennen der wahren, der realen Verhältnisse muss unter allen Umständen vermieden werden. Zuckerbrot und Peitsche im klassischen Sinne, wobei es nach dem Ende des Ostblockes zunehmend auf die Peitsche hinaus läuft.

 

Wir wollen unser Land zurück! Wir wollen unsere Demokratie zurück!

Danke, Wisconsin! (…) Drei Wochen habt ihr in der Kälte ausgeharrt, auf dem Boden geschlafen, seid hinüber nach Illinois marschiert. Ihr habt getan, was notwendig war, und eins ist sicher: Madison ist nur der Anfang. Die selbstgefälligen Reichen haben den Bogen überspannt. Weil sie sich nicht zufrieden gaben mit dem Geld, das sie aus der Staatskasse geraubt haben. Es reichte ihnen auch nicht, Millionen von Arbeitsplätzen nach Übersee auszulagern, um die Armen dort auszubeuten. Nein, sie wollten immer mehr – etwas, woran es all den Reichen in der Welt mangelt: Sie wollten unsere Seelen haben. Sie wollten uns unsere Würde nehmen

 

Die Frage aus der Distanz, aber mit erwartbaren, ähnlichen Entwicklungstendenzen läuft darauf hinaus, wann die sog. kritische Masse erreicht ist und in welche Richtung, mit welcher Intensität die Prozesse dann ablaufen werden. Ein relativ friedvoller Übergang - wie damals 1989 in Deutschland - ist nicht zu erwarten, dafür sind die Wenigen zu mächtig, zu hochgerüstet. Und, ahnlich dem genannten, zweiten Punkt von von Michael Moore ist das "danach" sehr offen, erinnert ein wenig an Platons Höhlengleichnis. Also dann lieber doch an der Kette im Dunkeln dahinvegitieren, den Rollback in die Feudalgesellschaft als alternativlosen Sachzwang akzeptieren?

 

Amerika ist nicht pleite! Kaputt ist nur der moralische Kompaß der Herrschenden. Und uns geht es darum, den Kompaß zu reparieren und das Boot von jetzt an selbst zu steuern. Vergeßt niemals, solange unsere Verfassung besteht, gilt »eine Person, eine Stimme«. Und das ist auch genau das, was die Reichen am meisten hassen an Amerika, denn selbst wenn sie das ganze Geld und die Macht in ihren Händen halten, müssen sie widerwillig einsehen:

Sie sind die Minderheit, die Mehrheit sind wir!