24 Jun 2009

Gran Torino - eine Empfehlung

Submitted by ebertus

Der Thematik generell zugeneigt, angeregt durch entsprechende Filmkritiken, vertieft während einer kürzlichen Tour durch den Nordosten der USA, so stand die DVD eben dort auch mit auf der Shopping-Liste. In Deutschland und sicher/natürlich synchronisiert erscheint die entsprechende DVD nach meinen Informationen am 10.Juli, also in rund drei Wochen. In den hiesigen Kinos läuft der Film schon seit einiger Zeit, es war mir jedoch bislang leider nicht möglich, einen diesbezüglichen Besuchstermin wahrzunehmen. Gestern abend nun, noch in leichtem Timelag also die DVD im Original in den Player geschoben; und mit - sicherheitshalber - zusätzlich eingeblendeten englischen Untertiteln.

Was macht den Film so sehenswert?

Zum Einen Clint Eastwood selbst. Obwohl ich sein Schaffen, bis auf die frühen Western vielleicht, nicht mehr in letzter Konsequenz verfolgt habe, so gehört er wohl doch zu den ganz großen Schauspielern der vergangenen Jahrzehnte. Zugegeben waren mir seine, eher den Macho herausstellenden Filme (ala Dirty Harry) nicht immer so genehm, seine Mitgliedschaft als bekennender Republikaner ist da sicher nur konsequent und ansonsten; so what.

Zum Anderen ist da die Thematik des Films. Eine Thematik, die bei Eastwood weniger überhebliche Altersweissheit, mehr jedoch Einsicht und Lernfähigkeit - eben auch im Alter - ein Stück weit bezeugt. Die Migrationsthematik, das "Kippen" ganzer Stadtviertel, die - auch positive - Erkennung des/der Menschen aus fernen Landen als (halbwegs) gleichwertig ist schon ein Lernprozess; zumindest für einen mit der Historie und dem Anspruch von Eastwood. Die parallel zum eigentlichen Thema immer mal wieder direkt oder unterschwellig geweckten Assoziationen zum Alter im Allgemeinen, jenseits der Kinder und Enkel, in dem Falle auch jenseits der (gerade) verstorbenen Frau sind manchmal etwas verbissen vordergründig dargestellt, fügen sich aber irgendwie sympathisch in den Gesamtzusammenhang ein.

Und der Film hat natürlich über die Thematik der (asiatischen) Einwanderer hinaus einen aktuellen Bezug auf das absehbare Ende der bisherigen Industriegesellschaft, gerade in den "alten" Industrierevieren des amerikanischen Ostens und dort speziell dieser, seiner sog. Mittelklasse. Vergehende Mittelschicht eben, mit kleinem Rasen vor der Tür, vor dem kaum größeren Häuschen. Keine Plattenbauten wie hierzulande oder in Frankreich, aus denen Gewalt kommt, die schon mal "gekärchert" werden soll. Lösungen werden natürlich nicht angeboten, nicht mal Ausblicke, aber dies kann bzw. soll sicher auch nicht die Aufgabe eines derartigen Filmes sein. Das obligatorische "Shoot-out" folgt relativ am Ende, ist sicher ein notwendiges Zugeständnis, zumindest für das/sein "heimisches" Publikum. Bis dahin lebt der Film von Dialogen, gepaart mit eindrucksvollen, eher ruhigen Szenen, die dennoch Spannung aufbauen und den Zuschauer auf eine unterschwellige Art fesseln können.

Und sage niemand, die Amerikaner könnten bestimmte Entwicklungen nicht mal sehen. Gran Torino erinnert an Robert Redford's "lions to lambs", im Deutschen "Von Löwen und Lämmern", obwohl die Thematik (Afghanistan) dort - vordergründig zumindest - sich vollkommen unterscheidet. Die Dialoge, die Szenen um die Dialoge herum sind schlicht aber dennoch eindringlich; hier wie dort. Die Action kommt ebenfalls nicht zu kurz, wobei es (sie, die Gewalt) bei Redford immer wieder zwischen den zwei Dialogebenen hochgezogen wird, während Eastwood dies am Ende konzentriert. Nicht genau "so", aber dennoch ebenfalls ein Ende, wohl sein letzter Film, wie so in der Szene gemunkelt wird.

Entwicklungen erkennen? Ja! Perspektiven denken? Nein! - Ansehen? Auf jeden Fall!