4 Jun 2013

"Vergleiche"

Submitted by ebertus

Ok, ein zumindest impliziter, fragender "Vergleich", wie ihn @Seriousguy47 bei seinem aktuellen Blog als Auftakt verwendet, das wäre nicht wirklich meine Diskurslinie. So erzeugt der meist unpassend "vergleichende" Einsatz von Godwin's Law in meinem Empfinden grundsätzlich Widerstand.

Wobei es natürlich einen substantiellen Unterschied macht, ob sich dieser Vergleich in rhetorischer Form auf ein Ereignis, eine daran beteiligte nicht persönlich und als authentifizierte Einzelperson angesprochene Gruppe bezieht, oder -wie gerade von den sog. Antideutschen, deren in der Regel anonymen Dunstkreis praktiziert- explizit auf reale Einzelpersonen ausgerichtet ist.

Faschistoide Tendenzen in der Gesellschaft und oft "von oben" zumindest toleriert, das ist seit der sog. Bankenkrise, der zunehmenden Verarmung immer weiterer Bevölkerungskreise erkennbar. Auch wenn hierzulande die Situation noch nicht so kritisch ist, wie beispielsweise in der europäischen Südperipherie oder gar in Staaten des sog. arabischen Frühlungs, erst recht nicht so menschenverachtend wie bei asiatischen Ländern als Billigproduzenten. Hierzulande besteht noch in Grenzen das Privileg, zu reflektieren, zu warnen und ggf. zu agieren. 

Die sog. Medienkrise, und das wird von @Seriousguy47 sehr richtig erkannt, hat nicht nur damit zu tun, dass vielen Menschen hier mittlerweise die sprichwörtliche Hose näher ist als das Hemd, das verbleibende Einkommen zunehmend für Existentielles aufgewendet werden muss. Die Medienkrise bedeutet auch, dass dieses Top-Down der Medien als Herrschaftsinstrument nicht mehr so funktioniert, wie es aus deren Sicht, im Interesse der Herrschenden und deren politischen Marionetten funktionieren sollte. Natürlich, das (noch) relativ frei verfügbare Internet als mögliche Alternative zu dieser subtilen Gehirnwäsche hat daran einen nicht unerheblichen Anteil.

In dieser Situation sog. Paywalls errichten zu wollen, das ergibt somit einen beinahe klassischen Zielkonflikt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht will man sich (auch gemäß Jakob Augstein) von der abwertend genannten, sog. Kostenloskultur im Internet verabschieden, für "Qualität" gutes Geld einfordern. Nur dann -und eben jetzt bereits zu erkennen- wird die zweite, nein eher die erste und wesentlichste Aufgabe der Medien, sprich: die Herrschaftskontrolle (nicht zuletzt gemäß dem "Propagandamodell" von Noam Chomsky) noch zusätzlich in Frage gestellt. Mein Kommentar beim Freitag (hier als Ausschnitt) fasst das dann auch gleich mal fragend-ironisch zusammen:

Richtig und wichtig finde ich in dem Blog hier das Rekurrieren auf vergangene und eben auch aktuelle Herrschaftsbegleitung und Absicherung durch die Medien, gerade die Sprachrohre großkapitaler Couleur und Nähe.

Und genau die wollen nun sog. Paywalls errichten, für diese Funktion der Herrschaftskontrolle und Begleitung (die der politischen Marionetten eingeschlossen) auch noch bezahlt werden... So doof sind möglicherweise noch nicht einmal die dümmsten Kälber bei der Wahl ihres Metzgers.

mein K21-Kollege sollte mit seiner Polemik zurückhaltender sein

als unser Mitstreiter MacMac, der es langsam ziemlich übertreibt.
Bei S21 lasse ich mir herbe Vergleiche ja noch gefallen, da die Gegenseite auch nicht zimperlich ist.

Hessens CDU-geführte Regierungen (am schlimmsten unter Koch) waren schon immer dicht hinter sächsischen Verhältnissen zu verorten, aber mit SS hat das nun wirklich nichts zu tun.
Das sind eher überforderte Polizeikräfte, von der Führung bis ins unterste Glied.

"Mein K21-Kollege..."

klingt gut, aber die Reihen lichten sich. Da musst Du Dir wohl doch mal einen neuen Nick gönnen und dort kommentarisch wieder eingreifen; die "Kollegen" auf Linie bringen.

Im Ernst und in meinem ersten Absatz habe ich ja versucht, etwas zu differenzieren, später das mir relevant Erscheinende benannt; den Bogen zu dieser sog. Medienkrise, den Paywalls geschlagen. Dort (unter anderem) spielt die Musik, wird Herrschaft -nach wie vor und beinahe verzweifelt gesucht- dennoch Top-Down zelebriert.