8 Mär 2014

Analoge Nostalgie

Submitted by ebertus

Bild: Bernd Ebert

 

Der um die Ecke gedachte Hintergrund dieses Textes/Titelbildes mag hier kurz erläutert werden. Die zwei Beerdigungen bzw. Trauerfeierlichkeiten der letzten Wochen im relativ nahen Umfeld sind einmal mehr Anlass, über die eigene Endlichkeit des Seins nachzudenken.

 

 

 

 

 

Schon seit einiger Zeit sind wir (meine Frau und ich) dabei, das Materielle des bereits weitgehend gelebten Lebens auf die notwendigen Essentials zu reduzieren. Was die letzten (zehn) Jahre nicht mehr angefasst wurde, das wird wohl auch in den nächsten (zehn+) Jahren nicht so unbedingt benötigt. Und die Kinder wollen, brauchen das ebenfalls nicht...

Lieben Menschen im Umland wird Sinnvolles, Brauchbares überlassen und der Rest dann eben entsorgt. Das letzte Hemd hat keine Taschen sagt der Volksmund, aber bereits vorher ist weniger offensichtlich auch schon mal mehr, befreit von eigenem Weiterverwalten und die Nachkommen von zuviel Entscheidungsfindungen dahingehend, ob der Nutzwert bzw. die Erinnerung das denn wert sei; dieses Aufbewahren, irgendwo Lagern des im Grunde nicht mehr Benötigten.

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Aber es kommt natürlich, ob des gewonnenen Platzes und nicht zuletzt wegen der in den letzten Jahren konsequent betriebenen, dennoch bislang nicht ganz abgeschlossenen Digitalisierung nun sehr schnell die Frage auf, ob ganz bestimmte Dinge dann doch noch etwas die Zeit überdauern sollten; wenigstens die des eigenen Lebens. Nostalgie darf man diese Gefühlsanwandlung gerne nennen und die an bestimmten Gegenständen hängenden Erinnerungen sind da nicht nur eingeschlossen, oft gar führend.

Heute mag der sog. audiovisuelle Overkill beinahe allgegenwärtig sein, aber damals, anfang der 1970er und soweit dafür gar der sprichwörtliche Kitt aus den Fenstern zu fressen war, da galten andere Prioritäten; sehr selektiv sogar. Eine Revox A77 in Studioausführung (38cm/s) war selbst mit mehreren Monatseinkommen auch nur halbwegs bezahlbar und die einzelnen Bänder dann, die kosteten ebenfalls ein kleines Vermögen.

Das weitere, im Titelbild zu sehende Audio-Equipment sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt. Es handelt sich um den analogen Plattenspieler Dual 704 mit einem elliptischen (Nadel) Shure V15/III Magnetsystem und den Vollverstärker Sony F590ES. Zugegeben, der Sony als jüngster der hier erwähnten Geräte stammt aus dem Anfang der 1990er, da mein rund zehn Jahre älterer und primär verwendeter Luxman L-430  kleinere Defekte zeigte. Der noch vor diesem eingesetzte Revox A78 fand mittlerweile ebenfalls einen Abnehmer, wäre jenseits des Verschenkens, wie im letzten Link exemplarisch zu sehen und soweit an den entsprechenden Aktivitäten interessiert, so mancher Euro zu erlösen gewesen. Ansonsten immer mal nötig: der Plattenspieler incl. Magnetsystem wurde im Jahre 2013 generalüberholt, komplett justiert und mit neuen Anschlußkabeln (zum Verstärker) versehen.

Ok, die Lautsprecher wären beinahe ein Thema für sich, waren meinerseits zuerst Standboxen der Firma Braun und später ein Bose-Soundsystem im Einsatz. Nur..., kleine und auch größere Kinder mögen laute Musik nicht immer und so war der Umstieg auf hochwertige Kopfhörer dann irgendwie zwangsläufig. Die aktuell verwendeten Sennheiser HD595 wären wohl dem übrigen Equipment angemessen, sind den rein privaten Mußestunden vorbehalten.

Ja, nach einem ersten Durchforsten und wie vielleicht ein Stück weit zu erkennen, so sind noch knapp 300 Vinyl-Langspielplatten übrig geblieben. Meine Strategie ist diejenige, bei (wieder) gewecktem Interesse zuerst einmal zu schauen, ob es mittlerweile eine CD-Version gibt; diese dann ggf. zu kaufen, soweit der geforderte Preis halbwegs zivil erscheint. LPs werden nur im absoluten Ausnahmefall nachgekauft und Ähnliches, eher selten Praktiziertes gilt auch für die Digitalisierung der vorhandenen Vinylplatten.

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Abschließend hier und weil auch das optische (in Worten) nicht zu kurz kommen soll, so sei auf die Ende 1978 erworbene Canon AE1 hingewiesen. Ein Hightech-Kultgerät zu der damaligen Zeit und die Geburt der ersten Tochter war dann der finale Anlass, dieses schöne Spielzeug zu erwerben. Das weitere, später angeschaffte Zubehör wie Blitz, Motor, Wechselobjektive etc. wurde kürzlich ebenfalls verschenkt, findet möglicherweise seinen Weg auf irgend einen Flohmarkt oder in die entsprechenden Internetportale. Aber das Basisgerät mit dem originalen 1.4/50 Objektiv bleibt uns als Erinnerung erhalten; und mehr noch die tausende an Diapositiven, welche mittlerweile komplett digitalisiert sind. Lediglich aus der Anfangszeit mit den zuerst verwendeten Negativfilmen vom Herbst 1978 schlummern noch einige Papierbilder in den verschiedenen Fotoalben, warten auf das Scannen, sprich: digitalisieren.

 

Ein bisschen...

sehr verwaist und auch vernachlässigt dämmern Deine alten Analogschätzchen im Dornröschen-Tiefschlaf
auf den leergefegten Regalen vor sich hin. Der schöne alte Plattenspieler gehört natürlich nicht auf
den Verstärker platziert und sollte auch viel besser genutzt werden.
Ja,ja, die Hi-fi- Vergangenheit, zu wenig hat sich die analoge Klangkultur bei Dir erhalten, zu sehr bist
Du im digitalen Mainstream-Kitt gelandet.
Ein bisschen Krempel und über das Lebensnotwendige hinausgehender materieller Besitz gehört für mich auch zur
Lebensqualität, sonst könnte es in den eigenen vier Wänden leicht kalt und ungemütlich werden.
In diesem Sinne lass mindestens zwei Hemden übrig und noch einiges mehr, was Dir noch nutzbar sein wird.

Martin P.