8 Apr 2014

Konzert in der JW-Ladengalerie

Submitted by ebertus

Weniger im Nachhinein und lediglich berichtend, sondern als Veranstaltungshinweis für Kurzentschlossene im Raum Berlin.

Nicht verzagen, der Ton setzt gleich ein ...

 

Ort:   JW-Ladengalerie, Torstraße 6, 10119 Berlin

Termin: 09.04.2014  / 20:00 Uhr    Eintritt: 6,- Euro

 

Gerade Südamerika, die vom IWF geknebelten Länder stehen zunehmend im Fokus einer sich wandelnden Weltordnung.

Nueva Canción war in den 1960ern der Begriff für das politische Lied, in dessen Tradition man die beiden jungen Künstler wohl sehen darf; wenngleich die Performance wohl rein instrumental gestaltet sein wird.

Werde mich daher überraschen, mitnehmen lassen und im Nachhinein ggf. noch einige Anmerkungen machen, vielleicht auch das eine oder andere Bild einstellen.

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Deutschsprachige Infos jenseits des medialen Mainstream bei amerika21.de

 

Nachtrag 10.04.2014:

So kann man sich täuschen, rein instrumental war der Abend nicht gestaltet, im Gegenteil. Mehr als die Hälfte der Stücke waren mit Gesang, der doch recht angenehmen, auch variablen Stimme von Rodrigo hinterlegt. Darunter eher Texte von Lebensfreude sowie ganz normaler, zwischenmenschlicher Beziehungen, aber auch das hochpolitische Erinnern; waren mehrere Stücke des 1973 von der chilenischen Militärdiktatur ermordeten Victor Jara dabei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leider war der Vollblutmusiker -so nanne ihn meine fachkundige Begleitung- der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig, seine Erläuterungen zu den einzelnen Texten daher nicht so einfach zu verstehen. Wir nutzten dann die Pause nach ca. vierzig Minuten, um etwas ins Gespräch zu kommen, in Ruhe nachzufragen und darüber hinaus zwei CD's zu erstehen.

Dann kam der zweite Teil mit einigen virtuos dargebotenen Instrumentalstücken, sowohl rein mit der Gitarre, als auch im Duett mit dem Altsaxophon. Für mich immer wieder faszinierend, wie sich dabei die Musiker in den Sequenzen finden, die Läufe identisch werden, oder eben auch Zwiesprache halten. Da war alles dabei, und mit Sicherheit, so wieder der fachkundige Begleiter, auf einem anspruchsvollen Niveau.

Das vorletzte Stück bot dann der Audience von ungefähr vierzig Personen die den Musikern innewohnende, erkennbare Spielfreude, wechselten Sprechgesang mit Instrumentalpassagen und auch das Publikum wurde (ein wenig) mit einbezogen. Hier nun also abschließend dieser Titel und, so meine ich, in einer passablen Qualität - dieses Video ...

 

Wirklich faszinierend,

was die beiden uns bisher völlig unbekannten Musiker auf der kleinen Bühne der "jW-Ladengalerie" dem überschaubaren Publikum zu bieten hatten: ein musikalisches Feuerwerk, wie es zündender kaum sein konnte. Den begeisterten Schlussapplaus hatten sie sich mehr als verdient.

Rodrigo Santas Maria fesselte mit seiner exellenten Spieltechnik und rhythmischer Impulsivität, dabei vermittelte er den Eindruck von Leichtigkeit und Lebensfreude in seinem Spiel, die den Zuhörer in die Welt südamerikanischer Musikeintauchen ließ. Seine Partnerin Yanina Lombardi ,in ihrer Art sehr natürlich und ziemlich ruhig agierend, überzeugte mit sehr fein abgestuften Klangfarben und steigerte sich im Laufe der Darbietungen mit ihrem musikalischen "Kontrapunkt" in die temperamentvolle überschäumende Klangwelt des Gitarristen hinein.

Dabei können die hier gezeigten Musikvideos nur ein schwaches Bild von der prickelnden Atmosphäre des Konzerts vermitteln. Die Vielfalt des Gitarrenvirtuosen und Komponisten erschließt sich beim Hören seiner beiden CDs, wobei teilweise originale südamerikanische Instrumente wie Charango und Quena mitspielen oder ein Flügelhorn solistisch dominiert. In den meisten seiner Kompositionen singt er mit einer angenehmen und in hohen Lagen flexibel eingesetzten Stimme, leider gibt es bei den CDs keine Übersetzung der Texte.

Stilistisch bewegt sich der Künstler zwischen klassischen, folkloristischen und modernen Elementen, viele "schräge" Akkordrückungen prägen sein Spiel, polyrhythmische Strukturen in manchen Stücken lassen auch afroamerikanische Wurzeln erkennen. Besonders eindrucksvoll tritt in den Kompositionen eine Stilsynthese zu Tage, wobei eine eigene individuelle Note den Ton angibt - kein Wunder, dass es im Konzert auch einen kleinen Ausflug zum Jazz gab.

Martin P.

Nachschlag darf sein

Hallo Martin, und danke für Deine sachkundige Kritik. Das von Dir genannte schwache Bild soll nun ein wenig konkreter, deutlicher werden. Hier also ein eher melancholisches Stück von Victor Jara; soweit meinerseits richtig verstanden - ein weiteres Video ...