7 Apr 2014

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Submitted by ebertus

Bild: Bernd Ebert


Nein, um Skifahren wird es hier nun nicht gehen! Obwohl jeder, der dahingehend schon mal in den USA unterwegs war diese Schilder kennen dürfte. Dahinter verbergen sich dann in der Regel Pisten, die für Anfänger dieses Sports nicht unbedingt geeignet sind, im besten Falle und soweit noch möglich, lediglich das Abschnallen der Skier helfen kann.

 

Hier geht es um profanere Dinge und die sind keinesfalls bedrohlich, was die erhaltenswerte körperliche Unversehrtheit betrifft. Nerven kann es jedoch schon, wenn das ggf. noch nicht abgeschriebene, noch einigermaßen werthaltige Smartphone nach einem Rooting bzw. dem Flashen nicht mehr hochfahren will.

Wenn man ein Smartphone, ggf. im Rahmen einer Vertragsverlängerung, von einem großen Mobilfunkbetreiber bezieht, dann ist dies in der Regel dreifach (Hersteller, proprietäres Android, Provider) gebrandet, gelabelt, markiert; ist mit eher unnötigem und auch schon mal nervenden Zeugs, sog. Bloodware versehen. Und weil der normale Anwender per Definition bzw. Geschäftsmodell nur mit eingeschränkten Rechten versehen ist, so kann er das Zeugs nicht einmal löschen, deinstallieren, sprich: einfach runterschmeissen. Schlimmer noch, diese netten Tools beanspruchen Speicherplatz, ziehen Leistung, legen irgendwelche Daten an und kommunizieren u.U. auf weder nachvollziehbare noch blockierbare Weise mit ihren Erzeugern. Letzteres gilt zumindest theoretisch und sehr grundsätzlich für alle, auch bewußt nachinstallierten Apps, die sich Rechte erbeten bzw. diese erfordern, manchmal erkennbar über den gemeinen Zweck der App hinaus.

Soweit es sich um ein einigermaßen gängiges Smartphone unter Android handelt, so bieten sich zwei Möglichkeiten (nebst Mischformen) an, die vorgenannten Einschränkungen zu beseitigen, weitgehende Freiheit und Sicherheit gleichzeitig zu erlangen. Allerdings, und das ist die gewisse, formalrechtliche Crux daran, tangiert ein derartiger Eingriff die möglicherweise noch vorhandene Garantie, ist der verbliebene Wert des Gerätes und soweit der Versuch misslingt, unter Umständen komplett abzuschreiben.

Damit zu den zwei Möglichkeiten bzw. Verfahren, welche man beide perspektivisch in ein mögliches Szenario einschließen möge, weil, wenn das erste schief geht, dann das zweite immer noch eine Option darstellen sollte.

 

1. Softes Rooten:

Bei diesem Verfahren wird eine sog. APK-Datei verwendet. Die ist in der Regel nicht via Google-Playstore zu beziehen, man muss sie separat herunterladen, manuell unter Ausschaltung einer Sicherheitssperre (das ist in der Regel möglich) installieren und ausführen. Nach dem Reboot des Gerätes gibt es einen neuen, einen sog. Superuser, genauer eine App, über die anderen Programmen (Apps) entsprechende Rechte gegeben, oder eben entzogen werden können. Damit -und ein wenig Einarbeitung ist nötig- kann dann die oben erwähnte Bloodware entfernt, können auch bei normalen Apps die Rechte überprüft und ggf. eingeschränkt werden.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die komplette Installation mit allen Einstellungen und Daten im Grunde erhalten bleibt, lediglich eine neue Rechteverwaltung, neue Möglichkeiten für systemnahe Programme hinzu kommen. Der gewisse Nachteil besteht darin, dass man es weiterhin mit einem proprietären Android zu tun hat und auch Hersteller bzw. Provider theoretisch ihre Backdoors installiert haben können; man weiss es nicht, man merkt es nicht.

 

2. Hartes Flashen:

Bei diesem Verfahren wird über den PC, ein entsprechendes Programm und mittels einer USB-Verbindung (das Smartphone muss dazu in den sog. Downloadmodus versetzt werden) das System mehr oder weniger (optional) von Grund auf neu installiert, vergleichbar beim PC mit einem neuen BIOS, neuem Bootsektor und neuem Betriebssystem. Welcher Umfang gewählt wird, das hängt a) von der Verfügbarkeit der einzelnen Komponenten ab und b) auch davon, was man möglicherweise erreichen möchte.

Wer beispielsweise lediglich das nervende Providerbranding loswerden will, der kann darüber die Originalfirmware und das Original-Android der Herstellers installieren, hat dann ein insoweit neutrales System, wie er es auch im Laden (eben ohne Mobilfunk-Provider) gekauft haben könnte. Es gibt aber auch die Möglichkeit (nicht bei jedem Gerät, das ist vorab zu klären) zuerst den sog. Bootloader neu zu schreiben, das Gedöns des Providers damit zu entfernen und dann ein neutrales Android zu installieren; eben keines von Google oder Samsung beispielsweise modifiziertes. Android an sich -das mag nicht jedem bekannt sein- ist OpenSource, hat einen Linux-Kernel.

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Soweit das Grundsätzliche; und da es sich, wie das Titelbild bereits andeutet, um keineswegs triviale bzw. sklavisch zu verfolgende Step by Step Prozeduren handelt, so mag dieser obige Überblick für die Mehrzahl der geneigten LeserInnen als quasi nice to know ausreichend sein. Für den Rest von uns gibt es im Folgenden nun noch einige konkretere Hinweise, diverse und hoffentlich halbwegs zielführende Links eingeschlossen.

Der Recovery Modus, von mir allerdings nicht eingesetzt, dieser ist bei dem "Galaxy S2" grundsätzlich möglich; und nicht nur wie im Link erwähnt das Zurücksetzen. Es gibt die Möglichkeit eines komletten Backup auf die SD-Karte mit dem dann -wenn nichts mehr geht- variablen Recovery der einzelnen Systemkomponenten.

Schritt-für-Schritt, das softe Rooten hat leider nicht wie erwartet funktioniert. Der Superuser war nach dem ersten Reboot zwar da, man konnte ihn auch nutzen, aber nach dem nächsten Reboot hing das Gerät in der bekannten Magenta-Schleife des Providers. Weiteres Recherchieren ergab, dass dieses so beschriebene Rooten wohl nicht funktioniert, wenn der Provider beim Branding und was die Bootprozedur betrifft vom Herstellerstandard abweicht.

Das S2 von T-Mobile, die Anleitung klingt gut. Dumm nur, dass es mir nicht (mehr, es ging mal) gelingt, in den Downloadmodus zu kommen, es startet irgendwann immer der Magenta-Reigen und dann hängt das gute Stück.

Der USB-Jig-Stick, sollte helfen, wenn es mit dem Download-Modus nicht mehr klappen will. Gleich mal bei Amazon bestellt (5 Euro) und am übernächsten Tag geliefert. There we are... es funktioniert.

Dann also weiter wie in dem Link, dem Video zu T-Mobile. Odin und das angegebene Stock-Rom runter geladen, Kies war eh' bereits installiert. Nur, Odin steigt aus, "failed" und ohne nähere Angabe. Ok, möglicherweise ist das Beispiel nicht ganz passend, eben ein S2 aus den USA; wenngleich via T-Mobile dort.

Nächster Versuch! Diese Anleitung klingt gut, es existiert nur das kleine Problem bzw. entsteht die Frage, welche Firmware ich denn nun nehme; habe mir leider dahingehend nichts notiert. Was sich dann (vielleicht) nicht einmal als so verkehrt herausstellen sollte; a la dem bekannten Zauberlehrling. Entscheide mich für I9100XXKI3, ein mehrteiliges ROM mit Original-Bootloader und nix mit T-Mobile. Danach geht es weiter im Text mit der verlinkten Anleitung, dort speziell wie weiter unten für mehrteilige Rom beschrieben. Insgesamt sind vier Dateien bei Odin einzutragen und die entsprechenden Parameter zu setzen. Dann "Start" angeklickt und...? Es läuft fehlerfrei durch, das Smartphone bootet nach ca. 10 Minuten neu - ganz ohne Providergedöns.

Allerdings nun natürlich auch ohne die/meine letzte, lauffähige Android-Version, 4.1.2 wohl. Es ist schlicht die Version 2.3.5 vorhanden, alles auf "null" und mit Datum vom 01.01.1980 - voila... Eine weitere Recherche ergibt, dass Samsung über die 4.1.2 hinaus keine weitern Updates für das S2 anbietet, es höhere Versionen irgendwie graumarktig gepatcht allerdings gibt. Da konnte ich mich erinnern genau in diesem Sinne schon mal etwas über neutrale, offene OpenSource-Versionen für Android gelesen zu haben, voll kompatibel und teilweise von einer engagierten Community gepflegt.

CyanogenMod, das könnte es, sollte es sein. Die Version 10.2 (CM10.2) basiert sogar auf Android 4.3 „Jelly Bean“, ist also relativ neu gegenüber derjenigen auf meinem Smartphone vor dieser ganzen Aktion. Und es gibt sogar einen Windows-Installer, dem man relativ gradlinig dann folgen darf.

 

Fazit: Alles da, was man so braucht einschließlich dem Google-Playstore sowie einer SuperUser-App. Auch wenn die Menüstruktur dieser Android-Variante sich geringfügig von den mir bislang bekannten Samsung/Google-Geräten unterscheidet, so findet man sich recht schnell zurecht, soweit Android kein grundsätzliches Neuland darstellt. Nun also kann das Einrichten, das Konfigurieren beginnen und Vorbild bzw. Orientierung ist das aktuelle Smartphone, welches sich seit rund drei Wochen in meinem Besitz befindet; cash im Laden gekauft und eben nicht wieder mit Providerbranding. Ohne dieses funktionierende, auf meine Anforderungen hin komplett konfigurierte Teil wäre diese absolut lehrreiche Odyssee mit Sicherheit nicht so entspannt verlaufen.

 Bilder: Bernd Ebert


Mal schauen, wie sich das S2 mit CyanogenMod dann so anfühlt, konfigurieren lassen wollte.

Als Reservegerät mit Sicherheit mehr als ausreichend.