26 Apr 2014

CyanogenMod

Submitted by ebertus

Bild: Bernd Ebert


Spätestens seit "Snowden" ist deutlich geworden, dass die BigPlayer des IT-Business möglicherweise "Backdoors" in ihre Produkte eingebaut haben; und das wohl nicht immer ganz freiwillig...

 

 

 

 


 

Perfekten Schutz (wofür, wogegen?) kann und wird es nicht geben. So sind dennoch, weil das mittlerweile erkannte  Bedrohungspotential aus dem ihm gern zugewiesenen verschwörungstheoretischen Umfeld in der Realität angekommen ist, gewisse Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen nicht ganz verkehrt.

Wenn man heute ein Smartphone, ggf. im Rahmen einer Vertragsverlängerung, von einem der großen Mobilfunkbetreiber bezieht, dann ist dieses schöne Spielzeug in der Regel dreifach (Hersteller, proprietäres Android, Provider) gebrandet, gelabelt, markiert; ist mit eher unnötigem und auch schon mal nervenden Zeugs, sog. Bloadware versehen. Und weil der normale Anwender per Definition bzw. Geschäftsmodell nur mit eingeschränkten Rechten versehen ist, so kann er diese (umsonst, umsonst) Geschenke oft nicht einmal deinstallieren, sprich: einfach runterschmeissen.

Schlimmer noch, die netten Tools beanspruchen Speicherplatz, ziehen Leistung, legen gar irgendwelche Daten an und kommunizieren u.U. auf weder nachvollziehbare noch blockierbare Weise mit ihren Erzeugern. Dieses Gebaren, wie bei einem PC, einfach durch die Installation von beispielsweise Linux zu unterbinden, das ist wegen der engen Verbindung zwischen Hard- und Software bei Smartphones (und Tablets) nicht so einfach möglich.

Dazu kommt, dass Hersteller und Mobilfunkprovider gern Vorkehrungen treffen, welche das Installieren eines alternativen Systems massiv behindern. Wer derartige Modifikationen plant bzw. versucht, der sollte damit zumindest solange warten, bis die Garantie abgelaufen ist, kann im schlimmsten Fall das Gerät, sprich: den Restwert komplett abschreiben.

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Da diese Website ja nun kein IT-Magazin ist, so mag nicht im Detail auf das sog. Rooten bzw. Flashen eingegangen werden, wenngleich ein vorheriger Text bereits einen Einblick in die Thematik bot, dort die Odyssee der ersten Versuche geschildert und mit diversen Links belegt wurde. Es gibt im Netz ausreichend kompetente Beiträge, ist bei Bedarf auch fachkundige Hilfe einzukaufen. Hier geht es (mir) in erster Linie um die Sensibilisierung dessen, was da im Hintergrund dieser schönen bunten Welt passiert und es sollen außerdem einige Begriffe eingeführt, Entwicklungen aufgezeigt ggf. jeweils eigene Entscheidungen befördert werden.

Android, das ist nicht jedem bekannt, basiert auf einem Linux-Kern(el) und ist somit eine offene, frei und kostenlos verfügbare Software. Maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt ist Google, wobei auch die Hardware-Hersteller gern ihre Spezifika einbringen, ergänzt um (so manche) Schweinereien der Provider.

Letztere, die Provider kann man außen vor lassen, indem das Gerät eben nicht im Rahmen eines Vertrages, einer Vertragsverlängerung bezogen wird, sondern cash im Geschäft. Dass sog. Prepaid zumindest für Privatkunden eh' sinnvoller und risikoärmer ist, das sollte klar sein.  Einfacher als irgendwelche, möglicherweise über Jahre laufende Verträge zu unterhalten, in deren Rahmen man dann die entsprechend verkrüppelten Geräte -billig, billig- beziehen darf. Bei den hier beschriebenen Prozeduren kann es über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden, den entscheidenden Unterschied ausmachen,  ob das Gerät original vom Hersteller kommt oder zusätzlich von einem Provider nachbehandelt wurde.

Beim Rooten nun wird im einfachsten, im besten Fall lediglich eine zusätzliche Software (APK-Datei) per USB-Kabel übertragen, installiert und ausgeführt; das Gerät dann neu gestartet. In der Regel bleibt die komplette Konfiguration, bleiben auch alle Daten erhalten und es existiert dann zusätzlich ein sog. Superuser mit Rechten, die dem mündigen Käufer ansonsten vorbehalten werden. Via diesem Superuser (einer APP) kann dann die oben erwähnte Bloadware entfernt, können mit ein wenig Einarbeitung auch weitere Hintergrundprozesse anderer Apps kontrolliert und ggf. unterbunden werden.

Here we are...

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Wem das nicht reicht, der kann sein Gerät anschließend auch noch mit einem alternativen Android flashen, d.h. grundlegend neu installieren. Voraussetzung ist jedoch, dass das Gerät vorher gerootet wurde, weil es sich ansonsten der Prozedur wegen fehlender Rechte verweigert.

Beim Flashen ist außerdem vorab zu klären, ob es für das jeweilige Gerät überhaupt ein passendes Custom-Rom (so nennt sich diese Software) gibt. Die Chancen dafür stehen umso besser, je gängiger das Teil, das Smartphone ist.

Interessant zu wissen sei in dem Zusammenhang, dass Hersteller und Provider die Bereitstellung von Updates für ihre älteren, durchaus noch leistungsfähigen  Geräte relativ schnell beenden; sie wollen ja immer wieder neue verkaufen. Das Galaxy-S2 der Firma Samsung beispielsweise kam original mit der Android-Version 4.o ging providerseitig über 4.1 und herstellerseitig bis 4.2; danach war Schluß. Kein 4.3 und mittlerweile ist Android bei 4.4x (KitKat). Beileibe sind das nicht nur neue Features, neue Gimmicks; auch die Sicherheit und die Stabilität wird natürlich weiter entwickelt.

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Abschließend sei hier der Bogen zurück zum Titel, dem Stichwort geschlagen. CyanogenMod ist eine der bekanntesten, wohl auch bestgepflegtesten Android-Varianten und die letzte, als stabil bezeichnete Version ist 10.2 auf Android 4.3 basierend. Dafür gibt es sogar einen Windows-Installer, dem man relativ gradlinig folgen darf; statt den etwas aufwendigeren Weg über Odin zu gehen. Voraussetzung -wie gesagt- das Gerät ist bereits gerootet, alle Rechte sind vorhanden.

Wer mutig ist, der kann dann auch eine der sog. Nightly-Versionen einsetzen, die bereits relativ stabil laufen. Die Datei (das Custom-Rom) wird einfach herunter geladen, via USB-Kabel auf das Smartphone übertragen, das Gerät dann im Recovery-Modus gestartet und das Update ausgeführt. So kommt man selbst mit dem alten Galaxy-S2 noch in den Genuss der aktuellsten Android-Version.

Noch eine Erfahrung am Rande. Dass der Akku des Gerätes vor jedem Rooten, Flashen und sonstigen Updates etc. immer gut geladen sein sollte, das dürfte klar sein. LithiumIonen-Akkus haben zwar keinen sog. Memoryeffekt, sind aber nach bestenfalls 500 Ladezyklen -dem hier mal unterstellten Einsatzszenario von zwei Jahren- dann doch nicht mehr die frischsten, halten auch bei angezeigtem 100% Ladezustand nicht mehr so lange durch. CyanogenMod verbraucht nach meinem Eindruck und gestützt durch einige Recherche etwas mehr Strom als das originale, möglicherweise dahingehend optimierte Hersteller-Android.

Was liegt also näher, als sich eh' dann gleich mal einen neuen Akku zu gönnen?

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Letzte Meldung: Das alternative Betriebssystem gibt es jetzt sogar bereits in Verbindung mit einem Neugerät, wie die ZEIT berichtet. Meine spontane, erste Frage unter Berücksichtigung des Vorgenannten  wäre, wie der Hersteller das Betriebssystem in Verbindung mit seiner Hardware konfiguriert; ob CyanogenMod auch weiterhin eine offene Plattform ist, der Käufer/Anwender alle Rechte besitzt.