11 Sep 2014

Akademisch, westlich, weiß - gutbürgerlich

Submitted by ebertus

Nur keine Vorbehalte! Robert Kurz versuchte sich mal an dem MWW, dem männlich-westlich weißen, dem latent rassistischen Subjekt der Moderne, meinte damit jedoch eher nicht den Journalismus wie wir ihn kennen.

Zwei Artikel aus der taz (siehe Infoleiste) regen heute an, das Weitere, das Mögliche, das Undenkbare zu denken. Ok, die taz segelt, nicht nur was die Causa Ukraine betrifft eher voll im Wind der staatsräsonalen Propaganda. Dennoch sind die hier in Rede stehenden Einlassungen durchaus markante Texte, wie sie im medialen Mainstream, außer eben bei der taz so wohl nicht erscheinen könnten; sie außerdem durch Thatcher und Jahr nett verbunden sind.

Die (mich) immer wieder zum Schmunzeln anregende Silke Burmester sorgt sich um die Altersbezüge der Journalisten, sorgt sich ebenfalls und was den Dämm-Uli angeht um Ulrich Wickert; der zwar gut verheiratet ist, dennoch offensichtlich mit entsprechenden Werbeeinnahmen gegen die -mal unterstellt- auf hohem Niveau drohende Altersarmut ankämpfen muss. Wickert, der Ehemann von Gruner + Jahrs Vorstandsfrau Julia Jäkel mutiert dann einige Zeilen weiter zum Ehemann der Margaret Thatcher des Verlagswesens, wohl in Anspielung auf die jüngsten Kürzungen bei eben Gruner&Jahr; ist dieses Schwergewicht der Medienbranche nicht zuletzt Minderheitsgesellschafter beim Spiegel.

Und genau mit dieser Margaret Thatcher des Verlagswesens, deren Aktivitäten was alternativloses Sparen angeht, befasst sich am Beispiel der Henri-Nannen-Schule auch der zweite taz-Artikel. Weniger Auszubildende, sprich Studenten und die verbleibenden auch noch auf monetäre Diät gesetzt. Was dann beinahe zwangsläufig überleitet zu diesem hier eingangs kolportierten Titel:

Weiß, akademisch, bürgerlich

Männlich in der Mehrzahl wahrscheinlich auch (um auf Robert Kurz zu verweisen) und was das Rassistische betrifft, so darf (bei Springer, wie immer mal kolportiert wird, wohl gar vertraglich geregelt) eine Überidentifikation mit den USA und mit Israel oft nicht fehlen; ist ansonsten political correctness und gepflegte Bigotterie die Leitplanke bzw. das zu singende Lied derer, die ja auch immer mal etwas Brot essen, unabhängig werden wollen von einem familiären und natürlich gutbürgerlichen Support.

"Qualität hat ihren Preis. Wenn Gruner + Jahr, Zeit und Spiegel ihre Qualität halten wollen, müssen sie in den journalistischen Nachwuchs investieren – und sich überlegen, wie sie Anwärter gewinnen, die sich die Ausbildung bisher nicht leisten können."

Gut gebrüllt, taz! Und die Hervorhebung des "Wenn" stammt von mir, weil bereits diese, das vermeintlich Positive unterstellende Perspektive keineswegs sicher, keinesfalls Konsens ist. Von den uniformen, durch externe Agenturen gespeisten Mantelsystemen über das Qutsourcing sonstiger redaktioneller Tätigkeiten an gering bezahlte Freiberufler bis hin zu staatsräsonaler Hofberichterstattung hat sich die sog. vierte Gewalt erkennbar von ihrer  Aufgabe bzw. Verantwortung entfernt, gar verabschiedet.

Dankend winkt da der geneigte Leser, die geneigte Leserin zunehmend ab. Und das ist mit Sicherheit auch gut so!

Insofern ebenfalls ein Reload, eine Ironie der Geschichte; wenngleich der hehre Qualitäts- wie auch der Schmuddeljournalismus dieses sprachlich hölzerne Niveau der ehemaligen DDR-Medien noch nicht erreicht haben. Inhaltlich, was die transportierte Botschaft angeht dagegen schon...